Cause you're all I want *Neu Kapitel 17 (als Kommentar angehängt)*

 

Cause you're all I want *Neu Kapitel 17 (als Kommentar angehängt)*

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Denn es ist wohl festzustellen, dass die Menschen
entweder gütlich behandelt oder vernichtet werden müssen.
Wegen geringer Angst rächen sie sich,
wegen Großer vermögen sie es nicht;
jede Angst muss also so zugefügt werden,
dass man keine Rache zu befürchten hat.
Machiavelli

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Prolog
Meine Hand zitterte so stark, dass in der Klinge des Messers mein Spiegelbild kaum zuerkennen war. Neben mir stand die Taschenbuchgroße Buddhastatue, eines meiner dummen Geschenke, wenn ich ihn zur Ruhe bringen wollte. Ihr Kopf war rot, rot vor Blut. Vorsichtig und mit zitternden Knien beugte ich mich zu ihm runter. An seinem Hinterkopf waren die Haare durch das Blut verklebt, aber ich wusste, dass es nichts Ernstes war. Deshalb hatte ich nur diese eine Chance. Ich konnte ihm endlich alles heim zahlen, was er mir, was er uns allen angetan hatte. Ohne dass ich es merkte, glitt meine Hand zu meinem Bauch. Aber konnte ich das wirklich tun? Konnte ich genauso herzlos sein, wie er? Ganz langsam berührte ich mit dem Messer seine Kehle. Ich zwang mich, die Hand ruhig zuhalten. Jetzt konnte ich mein Spiegelbild erkennen. Es war ängstlich. Ich ließ das Messer fallen und es landete auf seinem Bauch. Ich schupste es von uns beiden weg und stand auf. Langsam atmete ich tief ein und wischte mir die getrockneten Tränen von meinem Gesicht. Mein Blick fiel auf unseren Garten, auf unsere Bank...
Mich packte die Wut und ich hob das Messer wieder auf, nur um es direkt wieder fallen zulassen. „ICH HASSE DICH!“ schrie ich laut und sank wieder auf den Boden. Ich tastete nach seiner Hand. „Ich liebe dich!“ schluchzte ich. Ich saß noch lange so, ohne dass er sich rührte. Irgendwann stand ich auf, ging nach oben und packte meine Sachen. Ich ging noch ein letztes Mal in die Küche und schaute ihn an. „Ich werde dich nie vergessen.“ flüsterte ich. „Dafür hast du selber gesorgt.“ Dann verließ ich das Haus und rannte davon. Vor meinem eigenen Leben...

Kapitel 1: Too Emotional
Die Sonne stand schon hoch, fast im Süden, als ich die Augen aufschlug. Meine Bank lag, wenn die Sonne aufging, im Schatten und erst nach der Mittagsstunde war sie komplett im Licht. Als ich aufwachte, wurden meine Füße bestrahlt, aber mein Kopf lag noch immer im Dunkeln. Langsam richtete ich mich auf und schaute, wie jeden Morgen, als erstes auf den See. Ich denke, die meisten Leute würden diesen Augenblick lieben, wie der See glitzerte und einige Unternehmen würden mit Sicherheit hier gerne ein Hotel bauen und all die Bäume, die mir meinen Schutz gaben, abholzen. Aber mich kotzte dieser Anblick nur an. Jeden Morgen diese kitschige Kulisse vor mir stehen zuhaben, war verdammt öde. Das einzige, das mich hier hielt, war die Tatsache, dass meine Bank hier stand. Nicht nur, dass man nicht in der Sonne lag, nein, auch die Bäume hielten den größten teil des Regens ab, daher wurde ich nicht komplett nass, machten sie perfekt. Außerdem kamen hier trotz des schönen Ausblickes nicht so viele Leute hin. Auf Grund der Perfektheit MEINER Bank hatte ich schon öfters Überlegt, ihr einen Namen zugeben. Mein Favorit war ja Harvey. Falls ich irgendwann ein Kind haben sollte, was mit Sicherheit NIE passieren würde, würde ich es auch Harvey nennen. Kurz nahm ich meine Mütze, die ich bei jedem trug, ab und drehte meine langen, zerzausten, aber vor allem fettigen, dunkelbraunen Haare zu einem Knoten, um mir schnell wieder die Mütze drüber zuziehen, so dass keine Locke rausschaute. Ich bemerkte, dass die wenigen Leute, die in dieser Ecke spazieren gingen, mir komische Blicke zuwarfen, aber es war für mich nicht das erste Mal, also ignorierte ich es. Ich stand von meiner Bank auf und packte meinen Olivgrünen Seesack, den ich mir über die Schulter hängte. Wie jeden Tag würde ich meine Bank erst am Abend wieder sehen und nur wenn ich Glück hatte, saß kein anderer drauf.

Ich trug schwarze Sneakers, eine Hose mit Tarnmuster, ein schwarzes, leider sehr dreckiges Top und eine Jacke mit demselben Muster, wie meine Hose. Das gute an Tarnmuster war, dass man da die Flecken kaum sah. Ziemlich praktisch für mich, denn ich kam so gut wie nie zum waschen. Nur manchmal, wenn es sehr heiß war, zog ich mich komplett aus, spülte meine Sachen im See und sprang direkt hinter her. Ich strich mir die Jacke glatt, auch wenn das kaum einen Unterschied machte und ging nun durch den Wald. Jeden Tag machte ich mich auf den Weg zur Innenstadt von Los Angeles, um mir dort etwas zu Essen zuholen. Ich hatte meine Stammplätze, an denen ich eigentlich immer etwas fand. Bis jetzt hatte ich mich ganz gut durch mein Leben geschlagen.

*“Ich liebe dich Vanessa!“ „Warum?“*

Mittlerweile stapfte ich neben einer Landstraße entlang. Ich muss noch etwa 5 Kilometer laufen, bis ich zu den ersten Geschäften kam, wo ich essen würde. Ab da waren es noch 2 Kilometer bis zur Innenstadt. Da würde ich nach weiterem Essen suchen und mich dann irgendwo in den Schatten setzten. „And I promise myself“ summte ich leise, während ein paar Autos an mir vorbei fuhren „I ain’t nobody, I just wanne be free“ Die Sonne schien gnadenlos auf mich hinunter, also packte ich meine Kapuze und zog sie über die Mütze tief in mein Gesicht, um zumindest etwas Schatten zubekommen. „What you think about this?“ fing ich wieder von vorne an. Endlich erreichte ich die Häuser. Meine erste Amtshandlung war, aus einem der Wasserhähne, die draußen an den Häusern befestigt waren, Wasser in meine 1-Liter Flasche abzufüllen. Dann ging ich in den Hinterhof von Starbucks und wühlte im Mülleimer nach ein paar nicht ganz aufgegessenen Bagles. Nach ein paar Minuten hatte ich zwei halbe Bagles und einen angebissenen Muffin gefunden.

Durch das Essen etwas gestärkt lief ich noch die zwei Kilometer in die Innenstadt. Dort füllte ich meine Flasche noch einmal auf, ging auf eine öffentliche Toilette und fand mich schließlich in einem Hinterhof eines Supermarktes, wo ich auch die Mülltonne durchsuchte. Einige der Sachen waren komplett verschimmelt, andere hingegen waren nur teilweise nicht mehr gut. So fand ich auch eine Packung mit leicht verfaulten Tomaten, von denen noch einige gut aussahen. Freudig über meinen Fund hob ich sie von ihrem Platz hoch – nur um sie direkt wieder fallen zulassen. Ich weiß, eigentlich dürfte ich es mir überhaupt nicht leisten, noch extra Wünsche zuhaben. Aber von Karotten wird mir einfach schlecht. Ich kann sie nicht ansehen, riechen erst recht und am liebsten würde ich es vermeiden, mit ihnen im selben Raum zu sein. Als ich die Tomaten hoch hob, sah ich, dass unter ihnen Karotten lagen. Und dann konnte ich sie nicht mehr essen. Die Karotten hatten sie BERÜHRT! Mir wurde schon bei dem Gedanken schlecht.

„Das ist doch echt die Höhe!“ Ich zuckte zusammen. Ich war grade an einem Musikladen vorbei gelaufen, in dem wohl eine heiße Diskussion lief. „Nehmen sie doch einfach dieses Scheißteil zurück, und alles ist gut!“ „Ich kann sie nicht zurücknehmen, wenn sie nicht beweisen können, dass sie von hier ist! Und das ist mein letztes Wort!“ Wütend stampfte ein Mann mit einer Gitarrentasche in der Hand aus dem Geschäft. Vorsichtig kam ich näher. „Wo liegt denn das Problem?“ fragte ich zaghaft. Der Mann öffnete die Tasche und holte eine braune Gitarre heraus. „Schau dir die mal an. Die ist POTT hässlich!“ Das war gelogen. Die Gitarre war nicht hässlich, sie war wunderschön und neu. Die meisten Menschen schätzen zuwenig, ihr Leben. „Also ich finde sie wunderschön!“ „Ehrlich?“ Er musterte mich und dann die Gitarre, bis er sie mir schließlich in die Hand drückte. „Dann nimm du sie eben.“ Und schon war er verschwunden. Ich starrte auf die Gitarre in meiner Hand. Noch nie in meinem Leben hatte ich jemals etwas so wertvolles geschenkt bekommen. Von dem Glücksgefühl leicht betäubt, setzte ich mich auf den Boden und legte, wie jeden Tag, eine andere Mütze vor mir hin, in der Hoffnung, etwas Geld zu bekommen. Normalerweise machte ich mir Gedanken darüber, wie viel Geld ich bekam, denn davon hing ab, ob ich mich aus dem Mülleimer eines Ladens ernährte, oder aus dem Laden selber. Aber dieses Mal drehten sich meine Gedanken nicht, um meine Ernährung, sondern um die Gitarre neben mir. Ich wusste nicht genau wie lange, denn ich hatte schon lange nicht mehr auf einen Kalender geguckt, aber es war definitiv Jahre her, dass ich das letzte Mal auf einer Gitarre gespielte hatte.

*Ich saß auf unserer Veranda in der Hollywood Schaukel und sah zu, wie die Sonne langsam über Los Angeles unterging. Ich schlug ein paar Saiten an, während ein Vogel auf der Brüstung gelandet war und sich vorsichtig umguckte. Ich lächelte über dieses kleine Geschöpf, der nichts Anderes kannte, als die Führsorge seiner Brut. „VANESSA!“*

Ich zupfte vorsichtig, nur um zusehen, ob ich es noch kannte. Und dann fing ich an zu spielen und zu singen, ohne auf die Leute um mich herum zuachten.

I thought I had control
But I slipped, and I don't, and I don't know where to go
I thought I knew it all
But all I do is think about the next time I see you
I thought I had control
But we kissed, and I slipped and I don't know where to go
All I really know;
It's getting too emotional

When you came to me
Yeah, I thought you'd be like every other guy that I'd ever met
We'd hang for a while then I'd soon forget you
But this is something new
I was not prepared to wonder where you are when you're not with me
This feels so crazy

I thought I had control
But I slipped, and I don't, and I don't know where to go
I thought I knew it all
But all I do is think about the next time I see you
I thought I had control
But we kissed, and I slipped and I don't know where to go
All I really know;
It's getting too emotional

It's a strange feeling
To care about someone, I guess I never really did 'til I met you, boy
How was I to know how you would affect me?
They say I talk too much
I talk too much about you
The definition of being out of control and I don't wanna feel this anymore

I thought I had control
But I slipped, and I don't, and I don't know where to go
I thought I knew it all
But all I do is think about the next time I see you
I thought I had control
But we kissed and I slipped and I don't know where to go
All I really know;
It's getting too emotional

I get this feelin' inside my heart when
You come around, and when we're apart then
I feel so torn up inside
I've gotta get control of my life

I thought I had control
But I slipped, and I don't, and I don't know where to go
I thought I knew it all
But all I do is think about the next time I see you
I thought I had control
But we kissed and I slipped and I don't know where to go
All I really know;
It's getting too emotional

Before I came, along...

Kapitel 2: The first day of my new life
Ich hörte, wie die Leute um mich herum klatschen und wie Geld in meiner Mütze klimperte, aber sehen konnte ich kaum etwas. Ich meinen Augen standen die Tränen, daher wirkte alles um mich herum, wie unter Wasser. Verschwommen und surreal. Ich legte die Gitarre wieder zur Seite. All die Gefühle, die ich in der letzten Zeit verdrängt hatte, kamen wieder hoch. Ich packte in meine Hosentasche und holte ein zerfledertes Taschentuch heraus, mit dem ich mir über die Augen wischte. Um mich herum standen noch ein paar Leute, die wohl auf weitere Lieder warteten, aber als sie merkten, dass nichts Weiteres kam, verschwanden sie alle. Nur ein Mann, der an einem Cafétisch stand, warf mir immer wieder Blicke zu. Ich ignorierte ihn und schloss die Augen. Immer und immer wieder sah ich die ganzen Erinnerungen vor mir, an die ich nicht denken wollte. Für einen Moment lag ich wieder auf der Bank in unseren früheren Garten, die Tränen rannen mir übers Gesicht und fielen über die frisch umgegrabene Erde unter mir. Ich zitterte am ganzen Körper und war froh, als ich die Augen wieder öffnete und mich in dem normalen Rummel von Los Angeles wieder fand. Der „Cafétisch-Mann“ bezahlte und warf mir noch mal einen Blick zu, dann ging er. Kurze Zeit später kam er wieder und kniete sich vor mich. „Hi, mein Name ist Kenny Ortega!“ sagte er und hielt mir die Hand hin, die ich nur musterte. „Und wie heißt du?“ versuchte er es erneut, aber ich blinzelte ihn nur an. Was wollte er? „Okay, fangen wir es anders an. Sag mir bitte, dass du Schauspielern kannst!“

„Ich versteh das immer noch nicht ganz.“ sagte ich, während ich Kenny durch die Stadt folgte. „Wie oft soll ich es dir denn noch erklären?“ Er hielt vor einem Kleidungsgeschäft. „Unser erster Halt.“ sagte er grinsend und verschwand da drinnen. Ich folgte ihm widerwillig. „Guten Tag!“ rief er sofort einer Verkäuferin zu und winkte sie dann zu uns. „Hi.“ sagte diese Kaugummi kauend und musterte mich abfällig. „Ich bin Kenny, und sie sind?“ „Samantha.“ gab sie schmatzend von sich und konnte noch immer nicht ihren Blick von mir lassen. „Okay, Samantha, wie brauchen ein paar neue Klamotten für diese junge Dame neben mir.“ Ich konnte praktisch hören, was diese Samantha dachte, obwohl sie das wohl nicht häufig tat. ‚Dame? Wohl eher Vogelscheuche!’ Ich kam einfach nicht aus ihrem Leben. Kenny drehte sich zu mir um. „Du weißt nicht zufälligerweise, welche Größe du hast, oder?“ „Nein, das muss mir entfallen sein.“ gab ich von mir und schaute mich ein bisschen in dem Laden um. Normalerweise wäre ich niemals hier reingelassen worden. „Also, was sagen sie?“ fragte Kenny dann Samantha. „Neue Klamotten sind definitiv nötig!“ sagte sie. Kenny drehte sich schnell zu mir um und wollte sich zwischen uns stellen, damit ich mich nicht auf sie warf, aber ich rührte mich nicht. Ich war kein Mensch, der sich mit anderen Prügelte. Ich sagte selten Leuten meine Meinung. Ich dachte mir meinen Teil eines Streites, aber ich sagte nichts. Als Kenny sicher war, dass ich Samantha nicht mit meiner Gitarrentasche eines über den Schädel ziehe, schien er beruhigt und sprach wieder zu Samantha. „Ich meinte eigentlich ihre Größe.“ Samantha musterte mich noch einmal abweisend. „S.“ sagte sie schließlich. „Hören sie zu. Ich werde ihnen gleich ein paar Klamotten geben und sie besorgen die dann in der richtigen Größe, okay.“ Sie nickte und Kenny lief durch den Laden und warf Samantha hin und wieder ein paar Kleidungsstücke hin. „Hören sie Mr. Ortega...“ schaltete ich mich schließlich ein. „Kenny.“ sagte dieser und warf Samantha eine weiße Hose zu. „Nicht weiß, da gehen die Flecken nicht raus!“ rief ich, aber das schien niemanden zu interessieren. „Okay, Mr. Kenny...“ „Nein, nur Kenny.“ Ich holte tief Luft. „Okay, KENNY! Sie müssen mir ehrlich nicht diese ganzen Sachen schenken. Ich brauch das alles gar nicht.“ Er drehte sich zu mir um. „Da, wo wir später hingehen, schon!“

Mit einigen Tüten beladen, Kenny bestand darauf, sie selber zutragen, blieb er vor einer Limousine stehen. „Whoa... sie sind also SO EIN Regisseur.“ sagte ich und starrte auf das riesige Auto. Er verfrachtete die Tüten in dem Kofferraum und deutete mir dann an, mich ruhig schon rein zusetzten. Als ich saß, strich ich langsam über die Lederpolster.

*“Merk es dir: Fass NIEMALS mein Auto an!“ „Ist gut.“ sagte ich leise und ließ den Kopf sinken. Meine Wange brannte wie Feuer.*

„Gefällt sie dir?“ fragte mich Kenny und nahm am anderen Ende der Limousine Platz, so dass er mir zwar gegenüber saß, aber trotzdem am weitesten Entfernt. „Sie ist...groß.“ sagte ich und schaute aus dem Fenster. „Nun.“ sagte Kenny und beugte sich zu mir vor, dass der Abstand zwischen uns geringer wurde. „Wie heißt du?“ Ich wartete eine Weile, bis ich antwortete. „Vanessa.“ kam es schließlich leise von mir. „Vanessa. Und weiter?“ Ich schluckte. „Anne.“ „Dein Nachname ist Anne?“ „Nein.“ Ich ließ die Häuser an mir vorbei ziehen. Noch nie war ich in diesem Stadtteil gewesen. „Hudgens.“ Er nickte und setzte sich wieder richtig hin. „Und wie alt bist du?“ Ich löste meinen Blick vom Fenster und schaute ihn genau in die Augen. „Ich weiß es nicht.“ Ich strich noch einmal über das Leder. „Welcher Tag ist heute?“ fragte ich dann. Er nannte mir das Datum und ich rechnete es langsam aus. Seit einem Jahr lebte ich nun auf der Straße. Und es fühlte sich viel länger an. „16. Mitte 16.“ sagte ich schließlich. Kenny nickte, dann ließ er mich in Ruhe. Als die Limousine zum stehen kam, standen wir vor einem Hotel. „Hör zu, ich checke dich kurz ein, dann kannst du deine Sachen nach oben bringen und danach gehen wir zu einem guten Friseur in der Gegend. Gesagt, getan.

*Ich saß weinend in der Ecke meines Zimmers. Von unten hörte ich Geschreie. „Hört auf, hört doch endlich auf damit!“ wimmerte ich.*

Einen Haarschnitt später stand ich in dem Hotelzimmer unter der Dusche. Abgesehen von meinen Wascheinlagen wenn es heiß war, hatte ich seit einem Jahr nicht mehr geduscht. Sogar einen Föhn hatten die hier. Ich seifte mich gründlich mit dem bereitgestellten Duschgel ein und wusch mir auch noch einmal die Haare. Die Friseurin hatte gemeint, es wäre besser, wenn ich es selber noch einmal machen würde, denn selbst durch ihre Gründliche Wäsche, war wohl noch nicht das komplette Fett herausgegangen. Schließlich wickelte ich mich in das flauschige Handtuch und trocknete mich vorsichtig ab. Ich warf einen kurzen Blick in den Spiegel und erkannte mich selber kaum wieder.

*Meine Hand zitterte, während ich den Brief las. Wie konnte sie nur so etwas tun?*

Ich durchwühlte die Tüten, nach ein paar Anziehsachen, die zu MIR passten. Kenny hatte viele Sachen gekauft und im Grunde hatte er auch einen guten Geschmack erwiesen, aber das hier waren einfach Sachen, die so edel wirkten, dass ich sie mit Sicherheit niemals tragen könnte. Wie würde ein schwarzes Cocktailkleid zu einer Obdachlosen passen? Ich entschied mich schließlich für einen grauen Jogginganzug. Das Bett sah einladend aus, aber ich hatte es nicht verdient da drinnen zu schlafen. Warum ich? Ich legte mich auf den Boden und starrte meinen Seesack an.

Kenny war ein Regisseur und arbeitete an einem neuen Film, einem Musical. Als er mich singen gehört hatte, Gott weiß warum, hatte er entschlossen, mich als Hauptrolle zu besetzten. Ich muss morgen zu diesem Casting gehen und mich dann gegen hunderte andere beweisen. Ich hab keine Ahnung, wie das seiner Meinung nach gehen sollte. „Du schaffst das schon!“ hatte er nur gesagt und mir dann gezeigt, wo es morgen hinging. Er hatte mich nicht nach meiner Meinung gefragt. Aber ich hatte auch nicht gesagt, dass ich es nicht wollte. Nun lag es an mir, mich zu entscheiden. Im Grunde wäre es jetzt zu spät, sonst würde er sich ausgenutzt fühlen, da er die ganzen Sachen für mich gekauft hatte. „Ich werde für dich kämpfen, aber du musst noch einiges selber leisten.“ Ich muss singen und Schauspielern, sonst noch was? Ich fasste mir leicht an den Kopf. Wie sollte ich das denn schaffen? Wieso hatte Kenny so ein Vertrauen in mich gesetzt? Jedes normale Mädchen wünschte sich, einmal berühmt zu werden. Ich hatte den Anfang dazu schon einmal gewagt, aber dann ist alles anders geworden.
Und draußen schien der Mond, dem ich schon oft meine Geheimnisse anvertraut hatte.

Kapitel 3: The Casting
Als ich am nächsten Morgen aufstand, zog ich mir eine weiße Röhrenjeans, ein schwarzes, etwas längeres Top, das durchaus auch als Kleid hätte durch gehen können, und darüber einen weißen Blazer. Kenny hatte mir genau gesagt, dass ich einen guten Eindruck auf die andern machen sollte und dass gut gekleidet sein auch dazu gehörte. Ich fuhr mir mit einer Bürste durch die frisch geschnittenen Haare. Sie waren immer noch lang, aber trotzdem war gestern ein ziemliches Stück abgeschnitten worden. Der untere Teil war einfach voller Spliss gewesen und hatte extrem ungesund gewirkt. Jetzt sahen meine Haare nach einem richtigen Haarschnitt aus, nicht wie ein herausgewachsener Pudel. Ich zwirbelte mir eine Strähne zwischen den Fingern. Lange hatten sie sich nicht mehr so weich angefühlt und so seidig angesehen. Ich ließ sie mir offen über die Schultern fallen. Das hatte ich so vermisst. Dann schlüpfte ich in diese schrecklichen, schwarzen High-Heels die Kenny gestern noch gekauft hatte. Es sollte vielleicht einen Guten Eindruck hinterlassen, aber ich musste mich erstmal dran gewöhnen, da drinnen zulaufen.

Ich torkelte etwas durch das Hotel, aber als ich draußen war, hatte ich mich halbwegs an die Schuhe gewöhnt, auch wenn ich sehr langsam laufen musste. Ich hatte ja noch etwas Zeit. Fluchend stapfte ich also zu dem Gebäude, in dem das Casting sein sollte. Die Schuhe drückten an allen Ecken und Enden. Das Gebäude war voll mit Teenagern, von denen sich wohl jeder eine Chance erhoffte, in diesem Film mitspielen zu können. Wie sollte ICH, die kleine Obdachlose, auch nur den Hauch einer Chance haben?

*Sie war zerbrochen, meine Lieblingsvase. Die meisten Scherben lagen auf dem Boden, aber einige steckten noch in der Wand. „Warum hast du das gemacht?“ Meine Stimme zitterte, aber das war nichts Neues.*

„Hi, mein Name ist Vanessa. Ich bin hier wegen des Castings.“ Die Frau am Empfang schien nicht besonders gut gelaunt zu sein. „Das ist mal was Neues. Nachname?“ „Hudgens.“ In hren Unterlagen schien sie nach mir zu suchen, aber sie fand mich nicht. Wie auch, ich hatte mich schließlich nicht angemeldet. Sie ging ihre Listen zweimal durch, dann richtete sie sich auf. „Tut mir Leid, aber sie sind nicht angemeldet.“ Oh ja, natürlich, es ‚tut ihr Leid’. Ich war lange genug mit Menschen zusammen gewesen, die nicht die Wahrheit sagten. Ich konnte erkennen, wann gelogen wurde. Und jetzt wollte ich das nicht auf mir sitzen lassen. „Mein Name muss da aber stehen.“ „Tut er aber nicht.“ Okay Vanessa, du willst Schauspielerin werden, richtig? Dann fang mal an. „Hören sie zu. Ich hab eine Bewerbung geschickt, ich hab hier eine Chance verdient und ich WILL diese Rolle! Also steh ich auch auf dieser verdammten Liste.“ Die Frau zog eine Augenbraue hoch. „Setzten sie sich doch erstmal und dann schauen wir, ob wir eine Lösung finden.“ Natürlich, von der Frau würde ich nie wieder etwas hören. Aber ich durfte mich in das ‚Wartezimmer’ setzten und war schon mal einen Schritt weiter gekommen.

Manche Gesichter kamen mir ein bisschen bekannt vor, ob ich sie vor einiger Zeit mal im Fernsehen gesehen hatte, oder ob ich sie nur aus LA kannte, war mir nicht klar. Ich setzte mich neben eine hübsche Blonde mit einem Kaffeebecher in der Hand. Sie lächelte mir freundlich zu und ich schenkte ihr ein wohl eher schüchternes Lächeln. Dann lehnte ich mich zurück und beobachtete die anderen Leute. Manche waren ziemlich aufgeregt und wackelnden die ganze Zeit mit ihren Beinen, andere schienen das ganz locker zusehen und saßen cool auf ihren Stühlen herum. Einige wirkten nur cool, aber wenn man ihnen in die Augen sah, konnte man die Anspannung erkennen. Hin und wieder sprang jemand glücklich auf, wenn seine Nummer vorgelesen wurde. Manchmal kam die Person dann genauso glücklich raus, mit einem farbigen Zettel, der ihn für die nächste Runde einlud. Aber die meiste Zeit kamen die Leute weinend, oder zumindest nicht grade glücklich zurück.

Meine Nachbarin wippte die ganze Zeit mit dem Bein hin und her, ob es am Casting lag, oder an den vielen Kaffee, den sie sich die ganze Zeit holte, konnte ich nicht genau sagen. Allerdings schien sie ansonsten ganz cool drauf zu sein. „Ganz schön langweilig, nicht?“ sprach sie mich dann nach einer Stunde an. Ich zuckte mit den Schultern. Ich war es gewohnt den ganzen Tag auf der Straße zu sitzen und auf nichts zu warten. Langeweile hatte ich schon lange abgeschaltet. „Ich find es eigentlich ganz spannend.“ sagte ich dann, nur um nicht unhöflich zu wirken. Sie nickte und schien zu merken, dass ich nicht grade auf Konversation aus war. Sie stand auf, wahrscheinlich um sich wieder einen Kaffee zuholen, allerdings kam sie nicht wieder. Ich schloss für einen Moment die Augen. Die Luft war stickig und überhaupt nicht zu vergleichen, mit der Luft, die ich tagtäglich auf der Straße einatmete. Aber es lag eine Spannung in der Luft, die auch mich leicht aufgeregt machte.

„Alison Strong!“ Ich saß immer noch am selben Platz und drehte Däumchen. Ich wollte nicht aufstehen, gar nichts machen, weil ich Angst hatte, vielleicht doch noch aufgerufen zu werden. „Alison Strong!“ dröhnte es noch einmal durch den Raum. War Alison vielleicht nicht da? Ich richtete mich auf und schaute mich um. Niemand schien sich unter dem Namen Alison Strong angesprochen zu fühlen. „Alison Strong!“ Ich sprang auf. „Hier!“ rief ich und die andern schauten mich kurz an. Es schien wohl keiner zu glauben, dass ich Alison war. Aber die Jury, mal abgesehen von Kenny würde es nicht merken. Und dann würde ich ihnen die Wahrheit sagen. Schnell lief ich durch die Tür an dem Mann, der die Namen rief, vorbei und trat in einen großen Raum. In der Mitte stand ein Tisch, an dem einige Leute, unter anderem auch Kenny, saßen. Als Kenny aufschaute und mich erblickte, schien er im ersten Moment verwirrt, dann atmete er tief ein.

„Hallo Alison, dann gib uns doch bitte mal dein Anmeldeformular und sonstige Unterlagen.“ sagte eine Frau lächelnd und ich machte mich bereit. „Ich heiße nicht Alison.“ sagte ich und die Frau warf einen Blick, auf ein Blatt das vor ihr lag. „Möchtest du lieber Katie genannt werden?“ fragte sie und blickte wieder hoch. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Kenny unruhig auf seinem Stuhl hin und her rutschte. „Ich bin nicht Alison Strong und ich habe auch keine Unterlagen dabei.“ Es schien, als ob die komplette Jury untereinander Blicke austauschte und überlegte, den Sicherheitsdienst zu holen. „Mein Name ist Vanessa Hudgens und die Lage ist wohl etwas komplizierter, als sie denken. Ich bin durch einen dummen Zufall auf das Casting gekommen und jetzt möchte ich wirklich diese Rolle haben. Allerdings habe ich weder eine feste Anschrift, noch eine Telefonnummer. Ich habe mich hier nicht angemeldet und bin einfach nur hier grade rein, weil sich niemand unter den Namen Alison Strong gemeldet hat. Die Wahrheit ist sogar, dass ich niemals solche Schuhe und Sachen angezogen hätte.“ Ich zog mir die Schuhe und die Jacke aus. „Normalerweise laufe ich in alten Tarnsachen herum. Ich kann ihnen nicht beweisen, dass ich schon einmal in einem Film mitgespielt habe, ich kann ihnen gar nichts beweisen, aber ich möchte einfach nur die gleiche Chance wie alle anderen bekommen.“ Ich hoffte, dass ich zumindest einen einzigen aus der Jury überzeugt hatte, mich mitziehen zulassen. Kenny stand auf. „Dazu sollte man noch erwähnen, dass ICH der dumme Zufall war. Ich habe sie gestern auf der Straße singen hören und war begeistert. Mein erster Gedanke war: DAS ist meine Gabriella. Alle Sachen, die noch geregelt werden müssten, würde ich regeln. Ihr würdet sie durch mich erreichen können. ich weiß, es ist nicht üblich, SO seine Rollen auszusuchen, aber ihr müsstet sie erstmal hören, bevor ich ein Urteil über sie fällt. Gibt ihr bitte diese Chance.“ Ich sah, wie sich die Jury wieder Blicke zuwarf. Die Frau in der Mitte nickte kurz und wendete sich wieder zu mir. „Also, Vanessa. Hast du denn schon mal in einem Film mitgespielt?“ Ich nickte. „Ein einziges Mal. Er hieß ‚Dreizehn’.“ Sie nickte und notierte sich etwas. „Wir wollen dich gleich natürlich singen hören. Davor aber noch eine Frage. Hast du schon mal getanzt?“ Ich schloss für einen Moment die Augen. „Ja, ich habe mal Ballett gemacht.“

*„Du warst wundervoll, Schatz.“ Sie strich mir über die Haare und lächelte mich an. Ich drehte mich um. „Hat es dir denn auch gefallen?“*

„Also, was möchtest du denn singen?“ Ich dachte für einen Moment nach. Ich kannte kaum Lieder, die meisten hatte ich immer selber geschrieben. Dann fiel mir aber zum Glück doch noch eins ein. „’Angels’ von Jessica Simpson.“

*„Halt den Mund, HALT DEN MUND! Ich kann dein ständiges Gesinge nicht mehr hören!“*

Ich sah, wie Kenny breit grinste, als ich den Mund wieder schloss. Auch die anderen Leute, schienen begeistert zu sein. War meine Stimme so gut? Bis jetzt, hatte ich es immer anders verstanden. Mir wurde schließlich noch eine kurze Choreografie gezeigt, die ich nach tanzen sollte, dann grinste Kenny noch breiter und reichte mir einen kleinen Zettel. „Wir freuen uns, dich noch ein zweites Mal zu sehen! Alle weiteren Infos stehen darauf.“ Ich lächelte kurz und schüchtern und drehte mich dann um. Schnell nahm ich meine Schuhe in die Hand und hängte mir die Jacke über meinen Arm, dann verließ ich den Raum. Ich hätte vielleicht jeden von ihnen die Hand schütteln sollen, aber so war ich nicht. Und ich wollte ihnen nichts vor lügen müssen.

Den kleinen Zettel stopfte ich mir in meine Hosentasche, dann stand ich wieder im Warteraum. ICH, Vanessa Anne Hudgens, hatte es tatsächlich geschafft, mich durch die erste Runde zu kämpfen. Und JETZT wollte ich diese Rolle.

Um der stickigen Luft zu entkommen, ging ich ein Stockwerk höher und suchte dort nach einen Balkon. Ich wollte noch ein bisschen hier bleiben, mir die Konkurrenz anschauen und mir vor Augen führen, dass ein neues Leben begonnen hatte. Aber erstmal brauchte ich frische Luft, schließlich verbrachte ich normalerweise den ganzen Tag draußen. Ich lehnte mich etwas über die Brüstung und verfolgte mit den Augen einen kleinen Fluss, der sich durch den Garten schlängelte. Dann versank ich in meinen Gedanken.

*Viel zu lange war es her, dass ich mich über den Anblick der Sonne gefreut hatte. Viel zu lange war es her, dass ich in den Sternen nach Bildern gesucht hatte. Viel zu lange war es her, dass ich gelebt hatte.*

„Hey!“ Neben mich stellte sich ein junger Mann, aber ich beachtete ihn nicht. Ich fühlte mich häufig unwohl, wenn ich mit Menschen in Kontakt trat, oder nah an sie heran kam. Dort im Wartezimmer zu sitzen, war okay, weil ich wusste, keiner der Anwesenden hatte sich für mich interessiert. Im Raum mit der Jury hatte ich mich schon wieder unwohl gefühlt, die ganzen Blick, die nur auf mich gerichtet waren. Wenn sich jetzt einfach jemand neben mir stellt und mich anspricht, wäre ich am liebsten geflüchtet.
„Und, bist du aufgeregt?“ fragte mich der Kerl und faltete seine Hände. Ich zuckte kurz mit den Achseln. „Ich war schon dran.“ sagte ich leise und versuchte auszublenden, dass hier wirklich jemand neben mir stand. „Oh.“ sagte er und seine Stimme war mitleidig. ‚Konzentrier dich auf den Fluss!’ ermahnte ich mich selber, aber ein anderer Teil von mir horchte, was er als nächstes sagen würde. „Tut mir Leid, dass du nicht weiter gekommen bist.“ Ich machte mir nicht die Mühe, ihn aufzuklären. Was wollte er von mir? Oder noch wichtiger, was wollte ich von ihm? Warum zog es mich grade dazu hin, ihm einen Blick zuzuwerfen, ihn zusehen? Ich konzentrierte mich darauf, die Blätter an einem Baum zu zählen. „Ich bin weiter gekommen.“ sagte er schließlich, als ich nicht geantwortet hatte. Wenn ich wirklich nicht weiter gekommen wäre, war das grade SEHR feinfühlig. „Herzlichen Glückwunsch.“ murmelte ich. 30,31,32. „Nun, ich geh dann mal.“ sagte er leise. Ich nickte. 34,35,36.

Kapitel 4: Never underestimate a girl
Am nächsten Morgen saß ich wieder am gleichen Platz, um in die zweite Runde des Castings zu starten. Gestern hatte ich der Jury erzählt, dass ich die Rolle unbedingt haben wollte. Heute hatte ich mich selber entschieden: Ja, ich wollte die Rolle. Ich wollte mir selber beweisen, dass ich auch etwas alleine auf die Beine stellen kann. Egal, was man mir beigebracht hatte, ich konnte etwas alleine schaffen. Ich wollte mein Leben wieder in den Griff kriegen.

Eine Frau kam in den Warteraum und teilte uns mit, dass wir uns alle in den Raum, wo gestern das Casting stattgefunden hatte, versammeln sollten. Es waren noch etwas 40 Frauen und genauso viele Männer da. 40 Leute, auf eine einzige Rolle. Ich setzte mich auf den Boden. Noch saßen nicht so viele Leute hier, die meisten schienen sich mit Freunden oder Kollegen zu unterhalten. Ich musterte ein paar von ihnen. Sie gingen so freundschaftlich miteinander um, schienen einander zu vertrauen. Wie schafften sie das? Ich schloss für einen Moment die Augen. Die Geräusche um mich herum wurden lauter. Und doch vermischten sie sich, mit etwas, das nicht hierher gehörte.

*Das Geräusch war zu laut für meine kleinen Ohren. Ich presste mir die Hände auf sie, aber es wurde nichts verschluckt. Es hallte alles in meinem Kopf nach, ließ es mich immer lauter hören. Ich hatte das Gefühl, als ob meine Schreie in dem Geräusch untergingen, als ob ich nie wieder etwas anderes hören würde. Und dann wurde es still und meine eigenen Schreie hallten an den Wänden ab. Ich schloss den Mund, schloss die Augen, nur um mir selber zusagen, dass das alles nicht wirklich war. Dann trat der Fuß vor mir auf.*

Ich öffnete die Augen und sprang auf. Als ich auf den Füßen war, strauchelte ich und knallte gegen einen Typen. Instinktiv, damit ich nicht umfiel, packte er mich am Arm. Ich riss mich sofort los. „Hey, ist alles okay?“ fragte er und kam einen Schritt näher, obwohl ich grade erst diesen Schritt zwischen uns gebracht hatte. Ich nickte kurz und lies meinen Blick auf dem Boden. „Ich wollte mich grade zu dir setzen. Eigentlich warst du doch rausgeflogen, oder nicht?“ Wie interessant Füße sein können. „Bitte was?“ „Weißt du nicht mehr? Gestern auf dem Balkon. Du sagtest, du seiest rausgeflogen.“ „Hab ich das?“ Oh bitte, lass ihn gehen. Bitte, lass ihn gehen. Bitte... „Okay, DU hast gar nichts gesagt, ich hab geredet. Ähm... Ach, schon gut, vergiss es. Oder lass es vergessen. Ich... ich setz mich dann mal da hinten hin.“ Seine Stimme, die am Anfang noch ziemlich selbstsicher geklungen hatte, wirkte nur nervös. Er wartete noch kurz, aber als er merkte, dass ich wohl nicht vor hatte, den Kopf zu heben, ging dann weg. Ich atmete tief ein. Verdammt.

„Das hier, ist ein sehr wichtiger Tag. Ihr werdet heute lachen und weinen. Ihr werdet singen und tanzen. Ihr werdet gewinnen und verlieren. Nur ein Junge und ein Mädchen können die Hauptrollen von Troy und Gabriella bekommen. Ich möchte heute einen Klasse Tag haben, mit Überraschungen. Und mit Enttäuschungen. Es liegt heute an EUCH, ob ihr diese Rolle bekommet, oder nicht. Macht was draus.“ Ich hob meinen Blick. Kenny hatte mit seiner Rede abgeschlossen, Tag 2 begann.

Als erstes sollte jeder noch einmal alleine singen und dann würden 40 Personen, 20 Jungen, 20 Mädchen, rausfliegen. Ich war ziemlich aufgeregt, denn ich hatte nicht die geringste Ahnung, was ich singen sollte. Hastig wippte ich mit meinem Bein hin und her und versuchte irgendein bekanntes Lied in meinen Kopf zubekommen. In einer Pause holte Kenny mich zu sich. „Hör zu, es ist völlig egal WAS du singst, es ist nur wichtig, wie du singst. Du kannst auch einen eigenen Song nehmen!“ Ohne mich antworten zulassen, ging er wieder, um weitere Leute zu casten. Ich starrte ihm hinter her. Meinte er das ernst? Ich sollte meine Songs singen?
„Vanessa Hudgens.“
Ich stand auf und hatte mich noch immer nicht entschieden. „Hi Vanessa.“ Kenny und die andern lächelten mich an. Unsicher lächelte ich zurück. „Was willst du denn singen?“ fragte mich eine Frau. Ich zuckte zusammen, fing mich aber wieder. „Etwas, was ich selbst geschrieben habe.“ „Oh, eine kreative.“ Blieb nur noch die Auswahl zwischen einigen Songs. Ich atmete tief ein. Zum zweiten Mal innehalb drei Tage sollte ich fremden Leuten eines meiner Lieder singen, in denen so viele Gefühle von mir steckten.

*Ich packte den Baseballschläger. „Bist du sicher, dass du das machen willst? Das ist nicht grade passend für ein Mädchen!“ Seine Stimme klang so warm wie immer. „Hey, unterschätze niemals ein Mädchen!“ Ich lachte.*

„Vanessa?“ Ich schüttelte den Kopf. „Klar, ich fang an.“
Never underestimate a girl
Gets anything she wants
She's never gonna stop
Never underestimate a girl
She's always got a plan
The world is in her hands

Kenny nickte und lächelte mir aufmunternd zu. „Danke. Setz dich nach draußen. Wenn dein Name aufgerufen wird, bist du dabei!“ Ich nickte und drehte mich um, um den Raum zu verlassen. In diesem Moment brach ich zusammen.

*„Und sie schafft es bis zur ersten Base!“ Bevor ich weiter rennen konnte, hatte er mich eingeholt und hochgehoben. Seine Hände kitzelten mich durch. „Baby V, eines Tages wirst du groß rauskommen!“*

„Kenny, wir haben nicht genug Zeit, um uns um sie zu kümmern. Da draußen warten noch 20 Leute, die vorsingen wollen.“ Die Stimme der Frau klang weit entfernt und mein Kopf tat unglaublich weh. „Was willst du denn machen? Sie hier liegen lassen?“ Ich spürte eine Hand auf meiner Schulter. „Vanessa?“ „Bring sie nach draußen, da wird sich schon jemand um sie kümmern.” Ich öffnete langsam die Augen und sah als erstes die Decke. „Vanessa?“ Ruckartig richtete ich mich auf. „Ich hab mir echt sorgen gemacht.“ sagte Kenny und klopfte mir auf die Schulter. Fataler Fehler.

„Dem Mädchen muss es echt nicht gut gehen.“ hörte ich noch die Frau lachen, als ich aufsprang und raus rannte. Prompt knallte ich wieder gegen einen Typen. Und an den Schuhen erkannte ich, dass es derselbe Typ von heute Morgen war. „Ganz langsam mit den Jungen Pferden!“ Kenny kam auch heraus gerannte. Ich wollte eigentlich nur weg, das war eine ganz dumme Idee gewesen. Um mich herum wirkte alles verschwommen. „Zac, Gott sei Dank, dass du da bist. Vanessa scheint es irgendwie nicht gut zugehen, sie ist grade Ohnmächtig geworden. Würde es dir was ausmachen, Sie kurz unter deine Obhut zu nehmen und sie zum Wasserstand begleiten?“ Ich schaute wieder zu Boden, aber der Typ, Zac, musste wohl genickt haben, denn er schob mir eine Hand um den Arm. Ich wollte mich losreißen. „Ich kann alleine laufen!“ sagte ich und ging los. Allerdings strauchelte ich auch wieder sofort. „Anscheinend ja nicht.“ sagte er und lachte. Ich kniff die Augen zusammen. Es war ein dummer Reflex, den ich mir angewöhnt hatte. ‚Wenn ich dich nicht sehe, kann ich dich auch nicht hören. Wenn ich dich nicht sehe, kannst du mich nicht sehen.’ Es hatte noch nie geklappt.

Seine Hand legte sich wieder sanft um meinen Arm. „Da lang.“ sagte er und deutete mir mit seiner anderen Hand den Weg. Es war mir unangenehm unter fremden Leuten zu sein, ein Grund, warum ich nie jemandem die Hand gab. Und noch unangenehmer war es mir, wenn mich fremde Leute anfassten. Aber an unangenehmsten war, dass es mich bei Zac nicht im Geringsten störte.

Er war der Grund dafür, dass mir die Beine zitterten, dass ich Angst hatte, nach vorne zu schauen. Er war der Grund dafür, dass ich zum ersten Mal nichts trinken wollte. Ich stützte mich an dem Tisch, der neben dem Wasserspender stand, ab und vorsuchte wieder kontrolliert zuatmen. Es war lange her, dass ich mich wieder so gefühlt hatte.

*Die Buddhastatue starrte mich aus einem Regal an. Buddha stand für Ruhe und Selbstfindung. Ich nahm sie vorsichtig in die Hand und strich über den nackten Kopf.*

„Hey, ist alles in Ordnung?“ Zacs Hand legte sich auf meinen Rücken. Er war der Grund dafür, dass ich rennen wollte. Ich schüttelte seine Hand ab, nahm mir schnell einen Pappbecher und hielt ihn unter den Spender. Als ich ihn mit zitternder Hand an meine Lippen hob, verschüttete ich den Inhalt. Ich wäre fast in Tränen ausgebrochen. „Irgendetwas stimmt doch nicht mit dir!“ sagte Zac und reichte mir eine Serviette. Ich riss sie ihm quasi aus der Hand und tupfte mir schnell über das Oberteil. Zac vergrub seine Hände in seinen Hosentaschen. „Nun, ähm... Wenn du Hilfe brauchst, dann sag bescheid. Ich sitz da hinten, bei den ganzen andern.“ Ich nickte kurz, ließ meinen Blick aber weiterhin auf meinem Hemd. „Dann bis später. Vanessa.“
Er war der Grund dafür, dass ich bei meinem Namen Angst bekam.

Kapitel 5: Is there my name?
Nach dem ich mein Oberteil wieder halbwegs abgetrocknet hatte, ging ich zurück in den Aufenthaltsraum. Die Stimmung war mittlerweile ziemlich angespannt. Mir wurde klar, dass auch ich in wenigen Minuten erfahren würde, ob ich eine Chance auf die Rolle hatte, oder ob ich doch nichts alleine auf die Reihe bekam. Meine Beine zitterten, als ich mich hinsetzte. Eine halbe Stunde später trat eine rundliche Frau, die gleiche, bei der ich mich gestern angemeldet hatte, in den Raum. Sie hielt eine Liste in der Hand. „Okay, alle herhören. Ich lese jetzt diese Liste vor. Wenn ich euren Namen nenne, seid ihr in der nächsten Runde. Wenn nicht, verlässt ihr bitte dieses Gebäude. Für euch hat es nicht gereicht.“ Sie machte eine theatralische Pause und die Stimmung wurde noch angespannter. Ich erkannte, dass es mit Sicherheit Leute gab, die der Frau am liebsten an die Gurgel gesprungen wären. Oder ihr mit Gewalt eine Liste aus der Hand gezogen hätten. Ich atmete noch einmal tief ein, dann öffnete die Frau auch ihren Mund: „Cassie Steele... Drew Seeley... Zac Efron...“ Ich hörte ganz genau hin, nur um Sicher zugehen, dass ich meinen Namen nicht überhörte. Aber Vanessa Hudgens war nicht dabei.

*Ich hob langsam meinen Kopf vom Bett und schaute mich in meinem Zimmer um. Es war komplett verwüstet, aber außer mir war niemand da.*

„Äh, Entschuldigung.“ Ich stellte mich zu der Frau, die schon wieder an ihrem Computer saß. Sie schaute kurz auf und tippte dann weiter. „Mh.“ „Ähm, mein Name ist Vanessa Hudgens. Und ich hab hier beim Casting mitgemacht.“ „Mh.“ „Aber mein Name wurde nicht vorgelesen. Ich wollte nur fragen, ob das auch so richtig ist.“ Die Frau blickte zu mir. „Wenn ich dich nicht vorgelesen hab, dann bist du auch nicht weiter.“ Ihre Stimme klang furchtbar unfreundlich. Ich stellte mich etwas grader hin. Eins hatte ich mir gemerkt: Wenn du grade stehst, scheinst du größer und wenn du größer bist, haben die Leute mehr Achtung vor dir. „Ich wollte fragen, ob ich nicht einen Blick auf die Listen werfen kann. Ich möchte nur Sicher gehen.“ Die Frau fing wieder an zutippen. Von ihr brauchte ich auf kein Verständnis hoffen. Ich schloss für einen kurzen Moment die Augen. Im Grunde war ich raus. Aber das wollte ich mir nicht klar machen. Ich wollte einfach nur meine letzte Karte ausspielen und schauen, ob ich auch wirklich raus war. Die Liste lag in meiner Nähe, im Grund hätte ich nur meinen Arm auszustrecken brauchen und schon hätte ich sie in der Hand gehabt. Ich schaute mich kurz um. Hier war es ziemlich leer. Die meisten Leute waren wahrscheinlich im Aufenthaltsraum, oder aßen in der Cafeteria. Ich hatte schon öfters Sachen gestohlen. Klar, ich hatte mich nie wohl dabei gefühlt, aber manchmal war das Überleben wichtiger. Ich ging langsam los und streckte beiläufig den Arm aus. Leise glitt die Liste in meine Hand. Ich lief bis zu einem Wasserspender, dann schlug ich sie auf. Ich überflog sie schnell und erkannte dabei ein paar Bekannte Namen. Beim ersten hinsehen war meiner nicht dabei. Dann erkannte ich ihn in einer handschriftlichen Notiz. Mit Kugelschreiber war er neben dem Namen Zac Efron eingeschrieben worden. Schnell lief ich zurück zu der Frau und betete, dass sie nicht glaubte, ich hätte meinen Namen selber reingeschrieben. Ich legte die Liste zurück auf ihren Platz. Die Frau ignorierte mich. Ich stellte mich direkt vor ihr. „Ich bestehe darauf, dass sie nach meinen Namen suchen!“ Als sie nicht reagierte, streckte ich meinen Arm so, dass sie es sah, nach der Liste aus und nahm sie in die Hand. „Dann schau ich eben selber nach.“ Sie sprang auf und riss sie mri aus der Hand, da hatte ich aber schon „Da war er doch!“ rufen können. Ich deutete auf die Notiz und sie starrte darauf. „Warum ist es denn nur da hingeschrieben?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Gestern haben sie mich auch nicht im Computer gefunden. Vielleicht hast es was damit zutun.“ Sie schien nicht zu wissen, was sie tun sollte. Kurzerhand griff sie zum Telefon. Sie sprach leise und kurz angebunden. Zwei Minuten nach dem sie aufgelegt hatte erschien Kenny. In seinem Gesicht lag die Anspannung von einigen Tagen voller schiefer Gesänge. „Was ist denn los.“ „Diese Frau behaupt, dass ihr Name auf der Liste steht.“ Er warf einen kurzen Blick auf die Liste. „Er steht doch auch da. Ich hab ihn als Notiz dazugeschrieben, weil meine Kollegen vergessen haben, ihn aufzuschreiben. Problem gelöst?“ Ich lächelte ihm kurz zu und drehte mich dann um. Ich war tatsächlich noch dabei.

Wir wurden in fünfer Gruppen eingeteilt und dann zeigte man uns ein Lied. Wir würden es alle zusammen auf unsere eigene Art singen müssen und letztendlich kamen zwei Leute aus jeder Gruppe weiter. Wir hatten 20 Minuten Zeit um uns an das Lied zugewöhnen, dann sollte es los gehen. Das Lied meiner Gruppe hieß ‚When there was me and you’. Es schien ganz schön zu sein und auch die Melodie, die ich mir auf einer CD anhören konnte, gefiel mir. Ich bemerkte, dass ich in eine Gruppe voller Ehrgeiziger Leute geraten war und ich wusste, dass ich nur mit viel Glück weiter kommen würde. Als wir dann in einer Reihe vor der Jury standen, klopfte mein Herz wie verrückt.

It's funny when you find yourself
Looking from the outside

Ich sang laut, aber trotzdem musste es schwer sein, einzelne Stimmen auszumachen.

I'm standing here
But all I want is to be over there

Neben mir fing Eine an noch lauter zu singen und die Melodie abzuändern. Ihre Stimme hörte man einzeln raus, während die von uns andern allmählich in die Versenkung gerieten.

Why did I let myself believe
Miracles could happen

Ja, warum hatte ich mir eigentlich selber vorgemacht, dass ich hier eine Chance hatte? Ich würde garantiert nicht weiter kommen. Deshalb hörte ich auf zu singen und schaute nur die Eine neben mir an, die noch lauter anfing zu singen. Mein Gesicht musste wohl ziemlich verwirrt ausgesehen haben und plötzlich klatschte Kenny in die Hände und fing an laut zulachen. „Klasse, echt klasse.“ Er hatte ein breites Grinsen auf seinem Gesicht. “Es ist gut, ehrgeizig zu sein. Aber merkt euch eins, ehrgeizig bedeutet nicht gemein. Ihr müsst trotzdem noch Rücksicht auf die Anderen Leute nehmen. Vanessa, geh du bitte in den Raum rechts. Cassie, du kommst in den linken Raum. Ihr Andern: Tut mir Leid, aber euer Weg zu High School Musical ist hier zu Ende.“ Meine Kehle war trocken, als ich mich langsam auf den Weg in den rechten Raum machte. Ich war tatsächlich weiter gekommen. Als ich die Tür öffnete, saß schon eine Person drinnen. Eine Person, die ich mittlerweile gut kannte. Vor allem seine Schuhe.

*Das Tuch lag zerfetzt am Boden, als ich es aufhob und an meine Nase hielt. Ich atmete den Geruch von Dreck ein, aber ein anderer lag auch noch drinnen: Parfüm.*

„Hey.“ Ich sah ihm zum ersten Mal richtig ins Gesicht und bereute es zu Gleich. Er hatte dunkelblonde Haare und tiefblaue Augen. Und er sah wirklich gut aus. Ich setzte mich auf einen Stuhl und nahm mir eine Zeitschrift. „Hi.“ murmelte ich leise und schlug die erste Seite auf. Ich bemerkte trotzdem, wie er aufstand und sich neben mich setzte. „Du bist also auch weiter.“ Ich nickte kurz und blätterte um, obwohl ich keine Ahnung hatte, was dort gestanden hatte. Ich konnte mich einfach nicht auf die einzelnen Buchstaben konzentrieren. Sein Fuß wackelte ein bisschen, als er nichts mehr sagte. Ein Schnürsenkel hing etwas weiter aus seinem Schuh heraus, als der Andere. An der Seite klebte ein brauner Fleck. Und seine Hose war an den Enden etwas ausgefranst, als ob er oft drauf getreten wäre. „Sag mal, hast du etwas gegen mich?“ Ich tat so, als ob ich nichts gehört hätte und blätterte wieder um. Er atmete einmal leicht schnaubend aus, dann stand er wieder auf und setzte sich auf seinen alten Platz.

Zu meinem Bedauern tat Kenny mich mit Zac in eine Gruppe, als wir einen Tanzeinstudierten wollten. Zu meiner Verwunderung umgab ihn aber eine Professionelle Aura, die mir zeigte, dass er hier einfach nur seine Arbeit tat. Ich versuchte mich genauso professionell zu benehmen und schaffte es sogar, ihm einmal in die Augen zuschauen. Trotzdem fand ich nicht, dass wir besonders gut waren und wollte mich schon bei Zac entschuldigen, dass ich ihm seine Chance versaut hatte. Kenny war allerdings anderer Meinung. Er war komplett begeistert von uns und klatschte ununterbrochen. „Perfekt!“ meinte er, aber ich konnte erkennen, dass Zac auch nicht ganz seiner Meinung war. Ich hatte gehört, dass er sich mit dem Lied hatte ziemlich abrackern müssen und er war nicht wirklich der beste Sänger.

Ganz im Gegensatz zu diesem Drew Seeley. Kaum öffnete er den Mund, hing jeder an seinen Lippen. Außerdem tanzte er ziemlich gut. Kenny war auch von ihm begeistert, allerdings schien seine Partnerin nicht das Gelbe vom Ei zu sein. Sie hatte zwar eine Gute Stimme, aber irgendetwas passte nicht. Kenny schob mich immer wieder zwischen Drew und Zac her, aber er konnte sich wohl nicht entscheiden, was ihm besser gefiel. Ich selber arbeitete besser mit Drew zusammen. Lag vielleicht einfach daran, dass ich vor Drew keine Angst hatte.

Zwei Tage später stand ich in der Flughafenhalle, um zu den Dreharbeiten zu fliegen. Und ich wusste noch immer nicht, wer mein Partner war.

Kapitel 6: Flying in a new world
Die Flughalle war groß und ganz nach meinem Geschmack. Auch wenn viele Leute da waren, kam dir niemand in die Quere und es gab keinen ungewollten Körperkontakt. Ich hatte mir meinen Seesack um die Schulter gehängt, mein Koffer mit den Sachen, die Kenny mir gekauft hatte, und meine Gitarre wurden grade im Flugzeug verstaut. Ich saß eine Weile lang nur auf einer Bank und musterte die ganzen Leute, die entweder hektisch ihr Gate suchten, oder locker mit einem Kaffee bewaffnet herum schlenderten.

„Vanessa? Was sitzt du denn da so alleine?“ Kenny hatte sich vor mich hingestellt. Ich schaute kurz zu ihm hoch und zuckte mit den Schultern. „Nur so.“ Er zog mich am Arm hoch. „Komm mit.“ Er lief mit zügigen Schritten zu zwei Anderen Leuten. Ich erkannte Zac und die blonde Kaffeesüchtige vom Casting. Zac hatte also die Rolle des Troys bekommen. Ich fluchte innerlich. „Ihr könnt euch ja schon mal ein bisschen beschnuppern!“ meinte Kenny und ließ mich bei den beiden stehen. „Hi.“ sagte die Blonde und bevor ich wusste, was geschehen war, hatte sie mich schon umarmt. Ich warf Zac einen kurzen Blick zu, dann kniff ich die Augen zusammen. Es war mir so unglaublich unangenehm. Jede Berührung mit einem Fremden war schon immer eine Qual. Und jetzt auch noch das. Nach einer Ewigkeit ließ sie mich los. „Ich bin Ashley.“ Sie strahlte übers ganze Gesicht und sah eigentlich sympathisch aus. Trotzdem fühlte ich mich ziemlich unsicher in ihrer Gegenwart. Zac richtete sich leicht auf. „Und ich bin Zac.“ sagte er und streckte mir seine Hand entgegen. Ich musterte sie nur. „Das weiß ich.“ sagte ich schließlich. Er zog die Hand zurück und strich sich kurz durch die Haare. Ich bemerkte, wie Ashleys Lächeln kurz abnahm. „Du bist also Gabriella?“ „Das bin ich.“ meinte ich und schaute mich kurz um. Könnten wir nicht endlich abfliegen?

„Also, neben wem möchtest du sitzen?“ fragte mich Kenny, als wir das Flugzeug betraten. Er hatte einige Plätze gebucht. „Eigentlich wäre es mir lieber alleine zu sitzen.“ sagte ich direkt. Ich konnte mir momentan nichts schlimmeres Vorstellen, als neben irgendjemanden stundenlang zu sitzen. „Nun, dann setzt da vorne ans Fenster.“ sagte Kenny etwas verwirrt und starrte mir hinter her. Ich drapierte meinen Seesack neben meinen Füßen und schnallte mich an. 15 Minuten später hoben wir endlich ab.

*„Ich hab Angst vor dem Fliegen!“ meine Stimme klang leicht zitternd, aber er lächelte nur. „Keine Sorge, es passiert nichts.“ Dann verwuschelte er mir die Haare.*

Es herrschte eine angenehme Lautstärke und ich konzentrierte mich auf die Gespräche anderer Leute. Ich weiß, dass ist eigentlich lauschen, aber es interessierte mich einfach. So lenkte ich mich ab, wenn ich lange Zeit irgendwo sitzen musste. Am Anfang konnte ich noch kaum etwas verstehen, aber schließlich erkannte ich Ashleys Stimme. „Und. Was hältst du von ihr?“ „Von wem?“ Das war Zac. „Von Vanessa. Ich meine... sie scheint ja okay zu sein, aber sie wirkte auch leicht arrogant.“ Ich atmete scharf ein. Zum einen wollte ich wissen, was Zacs Antwort war. Zum andern, wollte ich es doch nicht wissen. „Arrogant? Auf mich wirkt sie...“ Nein, ich wollte es nicht wissen. Ich wollte nicht wissen, wie ich auf ihn wirkte. Schnell presste ich die Hände auf meine Ohren. „...einfach nur...“ „Hey, darf ich?“ Ich zuckte zusammen. Neben mir stand ein Typ mit kurzen, blonden Haaren und ziemlich weißer Haut. Er deutete auf den sitz neben mir. „Ähm, klar.“ Er setzte sich. „Die reden mir da hinten einfach zu viel.“ Dann schlug er ein Buch auf. „Ich denke du hast Recht. Na ja, wir werden ja wohl noch genügend Gelegenheiten haben, sie kennen zulernen.

Das Filmgelände war extrem groß. Auf einer Fläche waren Massen an Wohnwagen aufgestellt. Erst in diesem Moment wurde mir klar, dass ich einen Film drehen würde. Und wie viele Leute an der Produktion beteiligt waren. Ich fand meinen Wagen schnell und brachte meine Sachen rein. Hier war ich in meinem Element. In dem Hotel, in dem ich die letzten Nächte geschlafen hatte, hatte ich mich nur unwohl gefühlt. Ganz im Gegenteil zu hier. Der Wohnwagen war nicht zu groß und nicht zu klein. Ich fühlte mich, wie in einem kleinen, eigenen zu Hause. Die Tür ließ ich offen, damit er noch ein bisschen Auslüften konnte, dann öffnete ich meinen Koffer.

„Hey. Ich bin Oleysa.“ Ich drehte mich um. Ein Mädchen mit leicht roten Haaren stand in meinem Wohnwagen. „Hi.“ Irgendetwas wirkte unfreundlich an ihr, aber ich wusste noch nicht was. Ich hob einen Stapel aus meinen Koffer und packte ihn in den Schrank. „Und, gefällt es dir hier?“ wurde ich gefragt. Ich nickte. „Klar, ich find es echt super.“ Sie fuhr mit ihrem Finger über die Tür. „Ich find es echt bescheuert, dass man ins in so was kleines steckt. Ich meine, wir sind Schauspieler und wir brauchen unseren Platzt. Das hier ist einfach echt primitiv.“ Ich wirbelte schon praktisch herum. „Das findest du?“ „Klar. Warst du schon im Bad? Das ist so hammer winzig. Man kann sich kaum bewegen. Und dann die Betten, di Einrichtung... einfach Ekelerregend!“ „Weißt du, nur weil du ‚Schauspielerin’ bist, heißt das noch lange nicht, dass du einen besonderen Status hast. Und erst Recht nicht, nur weil du ein verwöhntes Kind bist. Weißt du eigentlich, wie viele Leute sich wünschen, überhaupt einmal in der NÄHE eines Wohnwagens stehen zu dürfen? Weißt du, wie viele noch niemals in einem Bett geschlafen haben? Weißt du, wie viele Leute erfrieren oder verhungern? Sei gefälligst etwas dankbar, dass du überhaupt ein Leben in Zivilisation führen darfst. Sei dankbar, dass du in einem Bett schlafen darfst!“ Ich schaute sie wütend an. Und sie schaute genauso wütend zurück. Oleysa öffnete ihren Mund, brachte aber keinen richtige Satz zu Stande. Schließlich schaubte sie wütend aus und stampfte aus dem Wohnwagen.

Ich packte den letzten Stapel in den Schrank und wollte meinen Koffer dann auf ihn stellen. Dabei stellte sich aber heraus, dass ich eindeutig zu klein war. Egal, wie sehr ich mich auf meine Zehnspitzen stellte, ich erreichte nicht das Dach. Außerdem war der Koffer selbst im leeren Zustand ziemlich schwer. Ich streckte die Arme aus, aber noch immer berührte ich nicht mal Ansatzweise den oberen Bereich. Klar, Disney war so Kinderfreundlich, aber stellte einen Schrank auf, den nur Riesen berühren können. „Komm schon...“ murmelte ich leise und versuchte noch ein bisschen Höher zukommen. „Alles okay?“ Erschrocken zuckte ich zusammen und ließ den Koffer fallen. Ich sprang schnell zur Seite, flog dabei auf das Bett und der Koffer landete laut auf dem Boden. Zac hatte seinen Kopf bei mir rein gesteckt. „Ähm ja, alles klar.“ Ohne um Erlaubnis zu beten, trat er ein. „Ganz sicher? Brauchst du Hilfe?“ Ich schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Der Koffer soll auf dem Boden stehen. Ich rappelte mich auf. In zwei zügigen Schritten war Zac bei mir und hielt mir seine Hand hin, um mir vom Bett aufzuhelfen. Ohne groß drüber nachzudenken, nach ich sie. Das wurde mir erst in dem Moment klar, als ich schon wieder stand und er sie nicht losließ. „Hör zu, ich glaube, wir beiden hatten einen falschen Anfang. Vielleicht sollten wir einfach noch mal von vorne anfangen? Ich bin Zac. Zac Efron.“ Ich schaute ihn kurz an. Wie wirkte ich auf ihn, wenn nicht arrogant? Ich hatte noch kein richtiges Gespräch mit ihm geführt und war eigentlich immer unhöflich zu ihm gewesen. Aber anscheinend, schien er sich immer noch mit mir zu unterhalten wollen. „Vanessa Hudgens.“ sagte ich leise und löste mich von seinen Augen. Er schüttelte meine Hand ganz kurz, dann ließ er los. „Also, der Koffer soll auf den Schrank?“ Ich nickte und ohne Probleme hob er den Koffer hoch und stellte ihn nach oben. Ich strich mir kurz über die Haare. Mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt, sie offen zutragen, aber am Anfang hatte ich da noch ziemliche Probleme mit. „Danke.“ Meine Stimme klang heiser. „Kein Problem.“ Dann wollte Zac wieder gehen, als er aber schon draußen stand, kam er noch einmal kurz herein und schob seine Hände in seine Hosentaschen. „Ashley schmeißt heute übrigens eine Kennenlernparty. Wenn du Lust hast, kannst du auch kommen.“ Ich schenkte ihm ein Lächeln. Und zum ersten Mal, war es auch ernst gemeint.

Kapitel 7: Stars and Stars and Stars and Stars...
Langsam wurde es draußen dunkel, aber ich hatte mein Bett noch immer nicht bezogen. Auch wenn ich es irgendwie wollte, wusste ich nicht, ob ich auf die Party gehen sollte. Sie würde höchstwahrscheinlich in einem Wohnwagen stattfinden und mit so vielen Leuten auf so kleinem Raum zu sein, würde mir wieder Unannehmlichkeiten schaffen. Und dann war da noch Zac. Was genau bedeuten diese ganzen Gefühle in meiner Magengrube?

„Vanessa?“ Kenny steckte den Kopf herein. Mir wurde klar, dass es mittlerweile komplett dunkel war und ich ohne Licht einfach nur auf meinem unbezogenen Bett saß. Ich fasste mir kurz an den Kopf. „Ja?“ „Zwei Sachen.“ Er ging vorsichtig die Stufen hoch und machte das Licht an. „Als erstes: Ich hab den anderen nichts gesagt. Wenn sie erfahren sollen, aus, sagen wir mal, welchen Lebensstandard du kommst, musst du es ihnen selber sagen. Zweitens: Ich hab mir die Freiheit genommen und für dich ein bisschen eingekauft. In der Küche findest du alles in den Schränken.“ Ich nickte und warf einen kurzen Blick zur Tür, die zur Küche führte. Den kompletten Nachmittag war ich nicht ein einziges Mal drinnen gewesen. Ich hatte nur auf meinem Bett gesessen. „Ach, das hätte ich fast vergessen.“ Kenny, der schon wieder fast draußen war, drehte auf dem Absatz um und holte einen Schlüssel aus seiner Hosentasche. „Das ist der Schlüssel zu deinem Wohnwagen.“ Er wollte ihn mir reichen, aber ich lehnte ab. „Ich brauch ihn nicht. Ich kann es nicht haben, wenn ich in einem Raum eingeschlossen bin!“ Er schaute mich etwas verwirrt an, dann packte er den Schlüssel wieder ein. „Falls du ihn doch haben willst, sag einfach nur Bescheid.“ Ich nickte und Kenny verließ wieder den Wagen. Mein Finger tastete nach dem Lichtschalter, dann ging das Licht wieder aus.

„Hey. Du wirst da drüben vermisst.“ Etwa 5 Minuten später stand Zac an dem Türrahmen. Die Hände waren wieder in seine Hosentaschen geschoben und er hatte ein verschmitztes Lächeln auf seinem Gesicht. „Ich...Ich bin noch nicht fertig.“ sagte ich und deutete auf den Raum um mich herum. Er trat einen Schritt weiter ins innere des Wohnwagens. „Ja, klar.“ Sein Blick huschte kurz auf das Bett, auf dem ich saß, dann durch den restlichen Raum. „Also für mich sieht es nur so aus, als ob du noch dein Bett beziehen müsstest. Dann wärest du fertig. Komm schon. Steh auf und hab ein bisschen Spaß, anstatt hier im Dunkeln zu sitzen und Trübsal zu blasen.“ Er machte noch ein paar Schritte auf mich zu und wollte mir eine Hand an den Arm legen, um mich hochzuziehen. Ich sprang auf. „Schon gut.“ Mit schnellen Griffen packte ich den Bettbezug der Decke. Das Problem war nur, dass ich noch nie mein bett selber Beziehen musste. Bis jetzt, hatte es immer jemand anderes für mich getan. Ich versuchte mich daran zu erinnern, was meine Mutter gemeint hatte. Dreh es auf die andere Seite, mit den Händen an die Enden und dann schütteln. Leider war die Decke etwas größer, als ich eigentlich gedacht hatte. Bevor ich überhaupt die Enden finden konnte, steckte ich schon selber drinnen und konnte den Ausgang nicht finden. Zac lachte laut auf. „Sag mal, hast du noch nie ein Bett bezogen?“ fragte er mich, als er mir aus der Decke raus half. „Um ehrlich zu sein, nein.“ Er steckte seine Hände in die Decke und mit ein paar geschickten Griffen, war meine Decke komplett bezogen. „Schaffst du das Kissen alleine, ohne da drinnen zu verschwinden?“ Ich nahm ihm den Bezug aus der Hand und zog es Demonstrativ über das Kissen. Ich brauchte zwar eine Weile und es sah nicht direkt so elegant wie bei Zac aus, aber das Kissen war bezogen. „Ha.“ sagte ich und grinste. „Sehr gut. Hilf mir mal bitte.“ Er nahm das Bettlaken in die Hand und hielt mir zwei Enden hin. Ich nahm sie ihm ab und zusammen zogen wir das Laken über die Matratze. Das würde für die nächste Zeit mein Bett sein. Ich würde in einem BETT schlafen. Das hier alles würde in nächster Zeit mein zu Hause sein, ich würde ein zu Hause haben!
„Kommst du mit?“ Er stand schon wieder an der Tür. Ich überlegte kurz, aber ich hatte keine Ausrede. Langsam lief ich hinter ihm nach draußen.

*Die Sterne leuchteten, als ob es nur für uns gedacht war. In diesem Augenblick vergaß ich, dass es vollkommen falsch war. Er hielt meine Hand. „Siehst du die Sterne?“ Was für eine Frage. Natürlich sah ich sie. Wie hätte man etwas so wundervolles übersehen können? „Ich würde dir jeden einzelnen vom Himmel holen.“ Seine Stimme war so nah an meinem Ohr, dass ich nur noch ihn wahrnahm. Sein Daumen strich über meine Hand. „Entspann dich.“ Ich wusste, dass er es sehen konnte. Ich wusste, dass ich wahrscheinlich das schlimmste in meinem Leben tat. Aber in diesem Moment gab ich mich einfach nur meinen Gefühlen hin. Ich küsste ihn.*

Über uns war ein Sternenhimmel, den man noch nicht einmal in diese Ausgabe in den ruhigsten Teilen Los Angeles entdecken konnte. Für einen Moment blieb ich stehen und schaute nur nach oben. Ich atmete die frische Luft ein und fühlte mich für einen Moment lang nicht alleine. Es war, als ob jemand bei mir war, den ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Zac blieb stehen. „Wunderschön, nicht wahr?“ „Ja...“ Meine Stimme klang leiser, als ich erwartet hatte und ich war mir nicht sicher, ob er mich überhaupt gehört hatte. „Das da ist der Polarstern.“ Er stand nun neben mir und deutete nach oben. Noch nie hatte ich wirklich ein Sternenbild oder besondere Sterne erkennen können und auch dieses Mal blieb mir Schleierhaft, welcher Stern denn der Polarstern sein sollte. „Welcher?“ Er nahm meine Hand und streckte meinen Finger durch. Dann deutete er mit ihm nach oben. Ich folgte mit dem Blick meinem eigenen Finger und sah einen Stern, der heller leuchtete, als die Anderen. „Der.“ Ich bemerkte, wie meine Hand anfing zu zittern. Vorsichtig legte er mir auch noch die zweite darauf, damit sie ruhig blieb. Ich schluckte kurz. „Gesehen?“ Langsam nickte ich. Dann ließ er meine Hand los. „Es fasziniert mich.“ sagte er leise. Dann ging er weiter. Ich folgte ihm.

„Seht mal, wen ich euch mitgebracht hab!“ Im ersten Moment starrten mich alle an und ich hätte mich am liebsten wieder umgedreht und wäre weggerannt. Dann kam Ashley auf mich zu und drückte mich. „Schön, dass du da bist.“ Sie lächelte mich offen an, nahm mich an die Hand und schloss die Tür hinter mir. „Also, Zac kennst du ja bereits. Das hier ist Corbin.“ Sie deutete auf einen Schwarzen, mit einer etwas seltsamen ‚Frisur’. „Er spielt Chad. Das hier ist Monique.“ Sie deutete auf eine Schwarze, die von ihrer Verhaltensweise älter als die anderen wirkte. „Sie spielt Taylor. Und das ist Lucas.“ Sie deutete auf den etwas blassen Blonden, der während des Fluges neben mir gesessen hatte. „Er spielt Ryan. Leute, das hier ist Vanessa. Sie ist unsere Gabriella.“ Sie lächelten mich an, winkte mir zu und murmelten etwas von „Hi Vanessa.“ Ich versuchte mir selber zusagen, dass alles gut gehen würde. Kaum war die Begrüßungsrunde beendet, fielen die Anderen in ihr Gespräch zurück. Ich lehnte leicht an der Tür, jeder Zeit bereit, reiß aus zunehmen. Ashley reichte mir eine Pizzaschachtel. „Willst du?“ Ich nahm vorsichtig ein Stück. Ich hatte noch nie Pizza gegessen, es immer nur in Filmen gesehen. Doch bevor ich auch nur einen Bissen kosten konnte, schrie Lucas auf. „Du Vollidiot.“ Im ersten Moment schien keiner wirklich zu verstehen was los war, aber ich reagierte sofort. Lucas hielt seinen Arm vors Gesicht und mir war sofort klar, was los war. Bevor ich überhaupt wusste, was ich tat, war ich schon in der Mitte des Zimmers und drückte ihn auf das Sofa. „Habt ihr ein kaltes Getränk?“ Aus seiner Nase sickerte Blut. Ashley sprintete in die Küche und holte einige Packungen Trinkpäckchen aus dem Kühlschrank. Ich legte es ihm in den Nacken. „Kopf nach vorne.“ Er lehnte den Kopf nach vorne und ich reichte ihm ein Taschentuch. „Was ist passiert?“ „Corbin hat mir die Popcornschüssel vors Gesicht geschlagen.“ „NICHT mit Absicht!“ mischte sich Corbin ein. Ich hätte am liebsten laut losgelacht. Für das bisschen Nasenbluten so viel Aufstand. Aber ich hatte einfach instinktiv gehandelt. „Sollte er den Kopf nicht nach hinten legen?“ meinte plötzlich Monique. „Nein. Nein. Er muss nach vorne.“ versicherte ich ihr und reichet Lucas noch ein Taschentuch. „Also ich hab gelernt, dass der Kopf noch hinten muss.“ „Glaub mir. Ich hab meinen Kopf einmal nach hinten gelegt und wäre... ich wäre dabei fast... erstickt.“ Ich ließ die Trinkpäckchen los. Die Anderen standen nah um mich herum und mit einem Mal wurde mir unwohl. „Ich... Ich geh dann wohl besser.“ Ich drehte mich um und hastete in Richtung Tür.

Als ich sie öffnete, stand Kenny dort und schien grade anklopfen zu wollen. „Hey. Ich hab gehört, dass ihr eine kleine Party feiern wollte. Vanessa, du willst schon gehen? Warum?“ Ich öffnete den Mund und versuchte mir irgendeine Lüge einfallen zulassen, aber Ashley war schneller. „Sie will nur schnell neues Eis holen.“ „Ah Eis. Eis ist immer wichtig.“ Er schien nicht mal zumerken, dass Lucas ‚verletzt’ war. „Na dann, will ich euch nicht vom Feiern abhalten.“ Er schüttelte seine Hüften leicht und ich merkte, wie jeder sich das Lachen verkneifen musste. „Wir sehen uns morgen. Macht bitte nicht zu lang.“ Damit ging er.
Ich stand noch eine Weile ratlos vor der Tür, ohne zu wissen, ob ich bleiben, gehen, oder zumindest ‚Danke’ sagen sollte. Letztendlich entschied ich mich, ohne ein weiteres Wort zugehen. Zac folgte mir.

*„Du tust es schon wieder. Du läufst schon wieder davon. Du läufst IMMER davon!“ Ich verschnellte meine Schritte, aber letztendlich blieb ich doch stehen und drehte mich zu ihm um. „Das tu ich nicht. DAS TU ICH NICHT!“ „Doch tust du! Egal was los ist, du bist immer am wegrennen.“ „Hast du vielleicht mal darüber nachgedacht, dass ich nur das Richtige tue? Das ich vielleicht weiß, wann ich weglaufen muss und wann nicht? Mir ist durchaus bewusst, was ich getan hab. Und ich weiß, dass es falsch war. Ich will nicht, dass dir was passiert!“
„Es ist mir egal, ob mir was passiert! Hauptsache, ich bin nur bei dir!“*

„Vanessa, warte mal!“ Seine Beine bewegten sich viel schneller, als meine und ich konnte jeden einzelnen Schritt auf dem staubigen Boden hören. „Warum gehst du?“ Ich versuchte schneller zulaufen, aber es schien, als ob er rannte. Ich zuckte mit den Achseln, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob er es in der Dunkelheit sehen konnte. „Jetzt bleib doch mal stehen.“ Er holte mich ein. „Was soll denn das?“ Er legte mir eine Hand auf die Schulter, um mich zu stoppen. Ich schüttelte seine Hand ab. „Hast vielleicht mal daran gedacht, dass nicht jeder Mensch gerne angefasst wird?“ Dann lief ich weiter. „Was?“ Seine Stimme klang leicht verwirrt. Schnell lief ich die Treppe zu meinem Wohnwagen hoch und wollte eine Hand auf die Klinke legen, aber Zac war schneller. „Ich will dir nicht vorschreiben, was du zu tun hast, oder was nicht. Aber ich hab das Gefühl, dass du dir einfach nichts gönnst. Hab doch einfach mal etwas Spaß, anstatt dich zu verschanzen.“ Ich starrte ihn an. „Und was ist, wenn ich gar keinen Spaß verdient hab?“ „Ich glaube, du machst dir einfach nur was vor. Oder uns Anderen. Wahrscheinlich haust du jede Nacht ab, um in einer Disco zu tanzen.“ Er lachte kurz, aber ich stimmte nicht mit ein. Mein Blick blieb ernst. „Versuch einfach nicht aufzuhalten, was vielleicht sein soll.“ sagte er schließlich leise und schaute mir in die Augen. „Schlaf gut, Vanessa.“ Er drehte dich um und ich öffnete die Tür. „Vanessa?“ „Ja?“ Genervt schaute ich über meine Schulter zu ihm. „Ich hab gesagt, Schlaf gut.“ Für einen kurzen Augenblick lachte ich leise. „Gute Nacht.“ Dann schloss ich die Tür. Draußen verhallten langsam seine Schritte.

Kapitel 8: Let’s dance
Am nächsten Morgen begangen die Aufnahmen im Studio. Zac blieb mir gegenüber höflich, aber distanziert. Und ich folgte seinem Beispiel. Auch wenn ich mir noch nicht sicher war, ob ich ihn mochte, oder nicht, hatten mir seine Worte einiges zum denken gegeben. Außerdem war mir klar, dass ich noch eine ganze Weile lang mit ihm zusammen diesen Film drehen musste, und da konnte ich Rivalitäten nicht gebrauchen. Davon hatte ich schon genug in meinem Leben erfahren.

*Jeder einzelne Kuss war falsch. Ich brachte ihn in Gefahr. Er hätte mir nie hinterher laufen sollen. Hätte mir nie seine Liebe gestehen sollen. Jeder einzelne Kuss war falsch. Und doch küsste ich ihn.*

„We’re soaring, flyin’
There’s not a star in heaven that we can’t reach“

Ich ignorierte die falschen Töne. Wir hatten grade mit ‘Breaking free’, dem wohl romantischsten Song im Film angefangen. Und ich fragte mich, warum Kenny Zac, anstatt Drew genommen hatte. Klar, Zac strengte sich ziemlich an. Aber trotzdem hörte man durchaus heraus, dass die Lieder einfach nicht auf seine Tonlage zugeschnitten waren.

„If we’re tryin’
So we’re breaking free.“

Außerdem warf er Kenny andauernd seltsame Blicke zu. Als ob er ihm etwas Beweisen wollte. Die beiden wirkten wie Löwen und ich fragte mich, was ihre Beute war. Kenny lächelte mir aufmunternd zu, aber ich hatte genau gesehen, wie er vorher zu Zac den Kopf geschüttelt hatte. Okay, gut, Zac sang wirklich nicht so klasse, aber dass Kenny ihm das einfach so zeigte fand ich auch nicht toll. ER hatte doch beschlossen, dass Zac die Rolle bekam.

„You know the world can see us
In a way that’s different than who we are”

Ab jetzt wurde es echt schlimm. Zac gab sich wirklich Mühe, aber es reichte nicht. Seine Stimme ging in einem Krächzen unter. Kenny ließ uns zwar weiter aufnehmen, aber ich konnte deutlich sehen, dass er überhaupt nicht zu Frieden war. Als wir mit dem Song fertig waren, kam er zu uns rein. „Vanessa, gute Arbeit. Du kannst dich schon mal für die Tanzproben gleich fertig machen. Zac. Wir müssen kurz reden.“ Ich schenkte Zac schnell ein Aufmunterndes Lächeln, das er halbherzig erwiderte. Dann verließ ich das Studio.

Im Wohnwagen zog ich mir fix Sportsachen an, dann ging ich wieder nach draußen, wo mir Corbin über den Weg lief. Ich versuchte über meinen eigenen Schatten zu springen. „Hey.“ „Hey. Du kommst grad von den Aufnahmen, oder?“ Ich nickte und lief neben ihm her. „Und, hat Zac es halbwegs hinbekommen? Oder muss er doch ersetzt werden?“ Entsetzt blieb ich stehen. „Kenny will Zac ersetzten?“ Egal wie viele Probleme ich mit Zac hatte, er hatte es wirklich nicht verdient, erst eine Rolle zugesagt bekommen und dann ersetzt zu werden. „Nur seine Stimme. Zac ist kein schlechter Sänger, aber er hat mir gesagt, dass die Songs hier einfach nicht seine Tonlage sind. Er ist kein Tenor. Kenny hat Zac nur unter einer Bedingung die Rolle gegeben: Er dürfte zwar die Song einsingen, wenn Kenny aber nicht zu Frieden wäre, würde dieser Drew Seeley–“ Er verzog seine Miene bei dem Namen. „– Seine Songs übernehmen. Drew hat sogar bei ein paar Songs mitgeschrieben. Ich hab mich echt gewundert, dass Kenny Drew nicht die Rolle gegeben hat. Na ja, aber ich arbeite eh viel lieber mit Zac zusammen. Er ist ein echt cooler Typ!“ Ich fragte mich, wie das aussehen und vor allem, wie es sich anhören würde: Zacs Gesicht und Drews Stimme. Ich versuchte mir Drews Stimme wieder ins Gedächtnis zu rufen. Meiner Meinung nach passte das nicht. Aber es war Kennys Film.

*Die Sonne ging langsam unter. „Schön, oder?“ fragte er mich. Ich hatte seinen Baseballschläger in der Hand, während er mich Huckepack zurück trug. „Ja.“ Plötzlich setzte er mich ab und nahm meine kleine Hand in seine. „Baby V, vergiss bitte eins nicht. Auch wenn es dunkle Zeiten gibt, die Sonne wird immer wieder aufgehen!“*

„Wir fangen mit der Finalen Nummer im Film an. Es ist echt wichtig, dass die sitzt! Vergisst nicht, ihr seid EINE Schule, die zusammen hält! Das ist die Message, das der Film. Wir fangen erstmal ohne Musik an, in ein paar Tagen, wenn die Studioaufnahmen fertig sind, werden wir uns dann langsam an die komplette Nummer MIT Geräusch heran tasten. Gibt euch bitte Mühe!“ Kenny hatte sich auf einen Tisch gestellt und hielt uns allen einen Vortrag. Klar, es war für mich und wahrscheinlich auch für einige Andere das erste Mal, ein Musical zu drehen und Tanzproben zu haben, aber ich konnte mir trotzdem vorstellen, dass ich mich vielleicht ein bisschen anstrengen sollte, damit der Film gut wird. Zac stand zwei Reihen vor mir. Ich sah schon allein an seiner Haltung, dass er schlecht Gelaunt war. Wahrscheinlich hatte Kenny ihm vorhin gesagt, dass seine Stimme durch Drews ersetzt wird. Und jetzt wollte Zac wahrscheinlich überall sein, nur nicht so nah bei Kenny.

„Und noch mal, damit Zac es auch kann!“ Kenny hatte zwar noch immer sein typisches Grinsen auf dem Gesicht, aber man konnte durchaus erkennen, dass er ziemlich genervt war. Obwohl er sogar wenig machte. Momentan brachten und nur die richtigen Choreografen die Schritte bei und er überwachte das alles. Erst später würde er mit seiner Arbeit anfangen und den Feinschliff machen. Und trotzdem reagierte er jedes Mal über, wenn Zac einen Fehler machte. Gut, Zac machte wirklich OFT Fehler... aber das gehörte doch zum ersten Tag dazu, oder nicht? Wir tanzten noch einmal alles durch, und Zac verhaspelte sich wieder. Kenny stemmte einen hand an seine Hüfte und schaute Zac an. „Bräuchte irgendwer noch mal eine Wiederholung?“ Ich konnte mir Zacs wütenden, aber auch Verlegenden Gesichtsausdruck vorstellen. „Ja, ich!“ rief ich laut. Kennys Kopf sauste nach oben. „Vanessa? DU?“ Ich nickte. Für ein paar Momente wurde es still. Zac drehte sich zu mir um. Genauso wie alle Anderen. „Was ist? Darf ich keine Fehler machen?“ Kenny zuckte mit den Schultern und weiterer Durchgang begann.

Als wir alle endlich von den Proben entlassen wurden, schmerzten meine Beine und ich war vollkommen verschwitzt. Dafür, dass ich sonst immer nur auf der Straße gesessen und anderen Leuten beim einkaufen zugesehen hab, war ich richtig gut in Form. Und ich hatte, trotz Schmerzen und Schweißes, ziemlich gute Laune. „Na, wie geht es deiner Nase?“ fragte ich Lucas, als er neben mir lief. „Soweit wieder gut. Danke wegen gestern.“ „Kein Problem.“ Ich grinste ihn an und bog ab. Ich wollte mir noch schnell aus einem der Automaten eine Wasserflasche ziehen. In der Jacke, die mir über den Arm hing, suchte ich nach etwas Kleingeld. Kenny hatte mir heute Morgen, noch bevor die Studioaufnahmen begonnen hatten, ein Portemonnaie gegeben, in dem einige Scheine und einige Münzen drinnen waren. Er meinte, dass wenn ich etwas bräuchte, ich nur zu ihm kommen müsste, er mir aber trotzdem lieber Geld gebe, damit ich auch mal mit den Anderen ausgehen könnte. „It’s so hot, I can’t stop, The music fills the room…” summte ich leise, während ich ein paar Münzen in den Automaten fallen ließ. Mit einem Klimpern landeten sie unten, und meine eine Wasserflasche fiel in die Ausgabe. „Nessa?“ Ich drehte mich zu Ashleys Stimme um. Eins muss man ihr lassen. Selbst wenn sie total fertig ist, sieht sie einfach umwerfend aus und strahlt. „Ich weiß, dass wir beiden keinen wirklich guten Start hatten. Ich hab dich überrannt. Das tut mir Leid. Ich drück einfach immer jeden an mich, ohne darüber nach zudenken, dass es vielleicht ungewollt ist.“ Ich winkte ab. „Kein Problem. Es war nicht schlimm. Weißt du, ich hab nur nicht so oft richtigen Kontakt mit Menschen und ich scheue mich eigentlich vor Körperkontakt. Ich denke, es liegt einfach daran, dass ich noch nie einen so herzlichen Menschen wie dich kennen gelernt hab.“ Ihr Strahlen vergrößerte sich um Meter. „Hast du vielleicht Lust, später mit mir Sushi essen zu gehen? Ich lad dich ein!“ Zum ersten Mal seit langer Zeit, hatte mich jemand eingeladen. Und dass nur wegen mir. „Klar, gerne!“ Sie lächelte mich noch einmal an. „Ich hol dich dann nachher ab!“ Dann ging sie wieder und ich fischte meine Wasserflasche aus der Ausgabe.

„Vibrations, Sensations, That beat goes boom boom boom...“ Ich schaute mich kurz um. Ich konnte niemanden in meiner Nähe sehen. Also fing ich an zu tanzen und laut zu singen. „I’ve got to keep it together, I’ve got to keep it together, I’ve got to keep it together, Watch the crazy people dance.“ Zu meiner eigenen Überraschung schaffte ich ein Rad und danach sogar einen Salto. „Let’s dance, Show me, Hold me, Control me, Let’s dance, Take me, Shake me, Make me, Let’s dance!“ Ich drehte mich um und knallte gegen Zac, der laut lachte. „Wow, sieht gut aus!” Sagte er grinsend und ich riss die Augen auf. Das war jetzt leicht peinlich. „Geht das noch weiter?“ Ich starrte ihn für einen Moment. ‚Ach was soll’s’ dachte ich und machte einen Moonwalk. „Just like that, Don’t hold back.“ Er lachte noch einmal und reichte mir meine Wasserflasche, die ich vorher auf einem Tisch abgestellt hatte. Ich öffnete sie und trank ein paar Schlucke. „Ich wollte mich für grade bedanken.“ „Was hab ich denn gemacht?“ „Du hast so getan, als ob DU noch einmal eine Wiederholung gebraucht hast. Dabei hat wirklich jeder gesehen, dass die Schritte bei dir perfekt saßen!“
Ich zuckte mit den Schultern und wir gingen los. „Ich hab einfach so viel im Kopf. Die ganzen Schulsachen, alte Texte, Lieder... Ich hab das Gefühl, mein Kopf platz gleich. Aber es macht trotzdem so viel Spaß. Du weißt wahrscheinlich schon, dass Kenny meine Stimme ersetzten lässt?“ „Ja, Corbin hat es erwähnt.“ „Ich meine, klar, ich weiß, dass ich nicht die Stimme für den Film hab. Aber es wäre trotzdem schön gewesen, wenn ich selber hätte singen können. Weißt du, ich war in der Schule nie der Angesagte. Ich war zwar nicht direkt unsportlich, aber ich hab es auch nie in die Basketballmannschaft geschafft. Ich muss jetzt noch viel trainieren. Und ich hatte einfach gehofft, dass dieser Film sozusagen MEIN Meisterwerk wird. Das ich endlich beweisen kann, dass ich es doch gut kann.“ Ich lachte auf. „Ach komm schon. Ich hab doch gesehen, wie dich schon allein die Mädchen beim Casting angeschaut haben. Ist deine Definition von unbeliebt, dass du nicht aufs Klo gehen kannst, weil du von einer Weiberherde blockiert wirst?“ Ich trank noch einen Schluck aus der Flasche, während er wieder lachte. „Glaub mir, ich hab keine Ahnung, warum mich ein paar Mädchen mögen. Denn früher mochte mich wirklich kaum Eines.“ „Und warum nicht?“ Er schien eine Weile lang zu überlegen. „Ich hatte eine Zahnlücke.“ „Ja, klar.“ „Glaubst du mir nicht?“ „Nicht wirklich, nein. Ich kann mir dich einfach nicht mit Zahnlücke vorstellen.“ In meiner Hand drehte ich die Flasche. „Ich trage eine Zahnspange.“ „Jetzt grade?“ Er grinste mich an. „Vielleicht.“ Ich trat ein paar Schritte näher zu ihm ran und beugte mein Gesicht zu seinem Mund. Er grinste mich an und ich musterte seine Zähne. „Nein, keine Spange.“ Stellte ich schließlich fest. Ein paar Sekunden blieb ich noch so stehen, mein Blick weiterhin auf seinem Mund geheftet. Dann wurde mir klar, was ich da grade tat. Und ging los.

„Vanessa?“ Ich hörte ihn noch hinter mir herrufen, aber ich beschleunigte meine Schritte. Wer hatte das grade getan? Ich wäre nie zu so etwas fähig gewesen. Das war so gar nicht normal, wirklich nicht ich. Ich knallte hinter mir die Wohnwagentür zu. Es war so schwach.

Kapitel 9: I’m addicted to...
Gegen Abend packte mich die Aufregung und die Nervosität wegen des Essens mit Ashley. Ich würde zum ersten Mal mit einem Menschen nur aus Freundschaftlichen Gründen ausgehen. Und mich packte endlich mal eine normale Frage: Was sollte ich anziehen? Man hatte mir beigebracht, dass Kleidung immer zu der Atmosphäre im Raum passen sollte, den man grade betrat. Wir würden höchstwahrscheinlich in ein chinesisches Restaurant gehen. Aber war es eher schlicht oder elegant gehalten? Ich musste über diese dummen Fragen schon fast lachen. Im Grunde sollte es mich gar nicht kümmern, wie ich aussah. Das gesamte letzte Jahr über, war es mir egal gewesen. Ich öffnete den Schrank und holte mir eine schwarze Röhre und ein nettes weißes Top heraus. Dann griff ich nach einer schwarzen Jacke und zog mich um. Blieb nur noch die Frage nach den Schuhen ungeklärt. Ich mochte High-Heels zwar nicht so gerne, aber ich musste mich daran gewöhnen mit ihnen zu laufen, schließlich sollte ich im Film sogar da drinnen tanzen. Ich griff also nach einem Paar goldener High-Heels. Schließlich verließ ich den Wohnwagen, gleichzeitig mit Ashley. Sie hatte sich ähnlich gekleidet, sah aber tausendmal besser aus als ich. Sie trug ein rotes T-Shirt, das von einem braunen breitem Gürtel in der Taille gehalten wurde, eine weiße Röhre, die in ihren braunen, ausgefransten Boots stecke und eine weiße Jacke. „Shalom!“ grinste sie mich an, als ich auf sie zu kam. „Aloah.“ grinste ich zurück. Zur zweiten Begrüßung umarmte sie mich, dann wurde ich gemustert. „Du siehst gut aus. Ich hab einen Schal, der perfekt zu deinem Outfit passen würde. Warte, ich hole ihn kurz.“ Und schwups war sie schon wieder in ihrem Wohnwagen verschwunden. Ich setzte mich auf die Stufen vor ihrem Wagen und wartete. Nach einer Minute kam Zac vorbei. „Hey, alles klar?“ „Ja, ich warte auf Ash. Wir gehen zusammen essen!“ erklärte ich, um eine Ausrede für meine Anwesendheit zu haben. „Cool! Ich mach einen ‚Männerabend’ mit Corbin, aber ich wette, dass er nicht da ist.“ Ich nickte und griff nach einem Stein, der auf dem Boden lag. „Wegen heute Mittag... ich wollte mich entschuldigen. Ich war ein bisschen... aufdringlich.“ sagte ich leise und tastete den Stein ab. Mein Blick war auf dem Boden gerichtet. „Nein, warst du nicht. Du warst einfach nur normal.“ Der Stein wanderte von der einen Hand zur Nächsten. Zac hockte sich vor mir hin und nahm ihn mir aus der Hand. „Also, Frieden?“ „Wir waren doch gar nicht im Krieg.“ Er zwang mich, in seine Augen zu schauen. „Aber ich habe immer das Gefühl, dass wir es sind.“ Dann hielt er mir seine Hand hin. Im selben Moment flog die Wohnwagentür auf und Ashley stolzierte wieder heraus, mit einem goldenen Schal in der Hand. „Gefunden!“ jubelte sie, hängte ihn mir um den Hals und drapierte ihn noch richtig. „Hi Zac.“ grinste sie, als sie fertig war. „Dann wünsche ich den Ladies noch einen schönen Abend!“ sagte er und hob seinen imaginären Hut von seinem Kopf.

*Liebe war etwas, was ich nie erfahren hatte. Und er brachte sie mir.*

Wir stiegen in ihren schwarzen Truck. Ich liebte dieses Auto. Wenn man in einem Truck sitzt, hat man das Gefühl, man wäre unverwundbar. „Ich weiß, es ist nicht gut für die Umwelt, aber ich kann nicht ohne dieses Auto!“ lachte Ashley und drückte auf einen Knopf, der den CD Player einschaltete. Jessica Simpsons Stimme schallte durch den Wagen. „ But he's irresistible, up close and personal, now inescapable...“ „Ich liebe Jessica!” sagte Ashley und summte mit. Ich nickte. „Ja, sie hat wirklich eine besondere Stimme. Beim Casting hab ich einen Song von ihr gesungen. Angels.“ „Warte, der müsste hier auch noch irgendwo rum fliegen.” Aus einem Fach kramte sie verschiedene CD-Hüllen heraus, schob schließlich ‘In this skin’ in den Player. „Track 1.“ murmelte sie und schon fing Jessica mit „I sit and wait.“ an. „Sie ist wirklich meine absolute Lieblingssängerin und mein Vorbild!“ sagte Ashley und stellte ganz laut. Beim Refrain sangen wir mit. „And through it all he offers me protection, a lot of love and affection, whether I'm right or wrong. And down the waterfall wherever it may take me I know that life won't break me when I come to call he won't forsake me, I'm loving angels instead.” Wir brachen in ein riesiges Gelächter aus und ich fühlte mich frei.

Schließlich hielten wir vor einem chinesischen Restaurant. „Magst du Sushi?“ fragte sie mich, als ich ausstieg. Ich antwortete wahrheitsgemäß: „Um ehrlich zu sein, hab ich es noch nie gegessen. Chinesisches Essen mag ich gerne, aber Sushi gab es noch nie bei uns.“ „Dann hast du definitiv etwas verpasst!“ Wir setzten uns an einen Tisch aus Bambusholz. „Dann lass mich mal bestellen.“ Sie ging nach Vorne an die Theke und kam ein paar Minuten später mit einem vollgeladenen Tablett wieder. „Also, bedien dich! Und guten Hunger!“ lächelte Ashley mich an. Ich nahm mir von dem Tablett Stäbchen und schnappte mir etwas von dem Sushi. Ashley schaute mich erwartend an. Ich ließ mir Zeit beim kauen. „Und?“ Ich schluckte hinunter. „Das ist wirklich... verdammt lecker!“ „Ja!“ Sie stieß triumphal eine Faust nach oben. „Und jetzt sagst du mir, warum du mit Stäbchen essen kannst!“ Alle drehten sich zu uns um, als wir in ein gemeinsames Lachen verfielen.

*Mein Blick war auf den Fernseher geheftet, auch wenn er nicht an war. Ich horchte auf jedes Geräusch, zuckte bei allem, was auch nur ansatzweise nach seiner Nähe klang, zusammen. Noch nie hatte ich mich so gefühlt. Es kribbelt in meinem Bauch, beim puren Gedanken an ihn bekam ich eine Gänsehaut. Ein Knacken schreckte mich wieder hoch und sofort drehte ich meinen Kopf zum Fenster. Er saß auf dem Baum und grinste mich an, schwang dann ein Bein auf die Fensterbank. Geschickt kletterte er in mein Zimmer, blieb aber an der Heizung hängen und krachte somit auf den Boden. Ich hechtete zu ihm und half ihm hoch, dann blieben wir stumm stehen und horchten. Mein Herz pochte wie verrückt. Als wir von unten nichts hörten, atmeten wir erleichtert auf und schauten uns an. Er war höchstens eine Handbreite von mir entfernt. Ich wusste, dass ich nur meinen Kopf hätte bewegen müssen und der Abstand zwischen uns wäre noch geringer gewesen. Ich verlor mich in seinen Augen. Ich sah tausend von Sternen, all die Sterne, die er mir vom Himmel holen wollte. Zwischen uns lag nur das kindliche Bedenken. Er nahm meine Hand. Ich machte diesen einen Schritt auf ihn zu und legte meinen Kopf schief. Mit ihm wirkte alles so einfach, auch wenn es viel schwerer war. Kaum küssten wir uns, war es, als ob wir nur ein Körper wären. Wir dachten das gleiche, fühlten das Gleiche. Wir waren das Gleiche. Ich machte ein paar Schritte zurück und zog ihn mit. Wie automatisch machte er die Schritte mit, führte mich. Keiner von uns musste etwas sagen. Wir wussten, was wir taten. Ich setzte mich auf Bett, er stützte sich über mir ab. Wir hatten uns noch nicht von einander gelöst. Und das mussten wir auch nicht. Ich spürte seine Hand an meiner Hüfte. Wie von selbst fand unsere Kleidung den Weg von unseren Körpern. Von UNSERM Körper. Wir brauchten keine Kleidung, wenn wir uns hatten. Die Decke war das einzige, das uns von der Außenwelt abschirmte. Aber es reichte. Es gab nur einen Mensch, vor dem uns nicht die Decke beschützen konnte. Die Tür flog auf...*

„Und ihr seid ganz Sicher, dass es keine Nutella gibt?“ Zac schaute über das ganze Buffet. Wir waren beim Frühstück und Zac suchte schon wieder verzweifelt nach seiner Nutella. Corbin grinste breit und biss in sein Marmeladenbrötchen. Wahrscheinlich hatte er das Glas versteckt. Zac hatte sowieso heute nicht besonders gut auf Corbin zu sprechen. Anscheinend hatte Corbin ihn gestern Abend eine Stunde lang vor dem Wohnwagen sitzen lassen, weil er sich noch geduscht hatte. Weil Corbin nichts zu knabbern hatte, waren sie dann in Zacs Wohnwagen gewechselt, wo Corbin ihm alles voll gekrümelt hatte. Ich war gestern erst sehr spät mit Ashley zurück gekommen. Wir hatten einfach nur Stundenlang in dem Restaurant gesessen, uns mit Sushi vollgestopft und einfach nur gelacht. Ich wusste, dass Ashley und ich garantiert noch gute Freunde werden würden. Solange ich mir das nicht verbaue.
Zac setzte sich wieder an den Tisch. „Ich hasse dich dafür!“ wendete er sich an Corbin, der ihm freundschaftlich auf den Rücken klopfte. „Ich hasse dich auch, mein Freund.“

Als ich vom Frühstück kam, schnappte ich mir eines der Bücher, die Kenny für mich gekauft hatte. Es war solange her, dass ich ein Buch gelesen hatte, dass ich eine Weile brauchte, um mich wieder daran zu gewöhnen und endlich nicht mehr 10 Minuten für eine Seite brauchte. Es war noch etwa eine Stunde bis zum Tanztraining, als es an meiner Tür klopfte. „Offen.“ rief ich und Zac trat herein. Seine Haare waren von dem leichten Wind draußen verwuschelt. „Hey.“ Seine Stimme wirkte etwas abgehakt. „Hey.“ erwiderte ich und legte das Buch zur Seite. Ich hoffte, dass er nicht noch einmal auf gestern zu Sprechen kommen wollte. „Darf ich einmal in deine Küche?“ Ich brauchte ein paar Sekunden, bis mir klar wurde, dass er das grade wirklich gesagt hatte. „Was?“ „Nur einmal gucken. Bitte.“ „Wieso?“ Er fuhr sich einmal durch die Haare. „Nur so.“ Schließlich zuckte ich mit den Achseln. „Mach doch was du willst.“ Ich nahm mir wieder das Buch und fing an zu lesen. Ein paar Minuten später verließ Zac wieder die Küche und wollte gehen. „Noch mal danke.“ meinte er und wollte die Tür öffnen, als ich aufblickte. „Was hast du da in der Hand?“ Er versteckte seine Hand hinter seinem Rücken. „Nichts. Gar nichts.“ „Zac.“ Ich stand auf und er machte einen Schritt nach hinten. „Denkst du, ich lüge dich an?“ „Anscheinend schon.“ Ich griff nach seiner Hand, aber er riss sie nach oben. „Komm schon, das ist doch lächerlich!“ meinte er, als ich hoch sprang und wieder nach seiner Hand griff. „Ja, du hast Recht...“ meinte ich. Er grinste triumphierend und ich sprang noch einmal hoch, bekam seine Hand zu packen und zog sie zu mir runter. „Das kann doch nicht wahr sein.“ Ich starrte auf ein Nutellaglas in seiner Hand. „Finde ich auch! Wie kommt es, dass du Nutella hast und ich nicht.“ Und ganz plötzlich fielen die Lasten von mir runter und ich fing an zu lachen. „Zac, du kannst dir auch ein Glas kaufen!“ japste ich. „Wieso, wenn es so viel einfacher geht?“ grinste Zac und huschte durch die Tür. „Hey.“ rief ich ihm hinterher und rannte, noch immer lachend, los. Er war schon fast an seiner Tür, als ich ihn einholte und das Glas aus seiner Hand riss. „Ha!“ rief ich und wollte umkehren, da hatte er aber schon seine Arme von hinten um mich geschlungen und hob mich hoch. Ich schrie einmal auf, musste aber noch immer lachen. „Gib mir das Glas.“ rief Zac und wirbelte mich herum. „Niemals!“ rief ich zurück und presste das Glas fester an mich. Eine Welle eines Geruches, den ich noch nicht kannte, überfiel mich. Und ich fühlte mich pudelwohl. Ich quiekte einmal und musste noch immer lachen. „Kauf dir selber Nutella!“ „Vanessa, wieso klaust du mir meine Nutella? Das hätte ich nie von dir erwartet!“ scherzte Zac. Mit einem Mal ließ er mich los. Ohne zu wissen was ich tat, sprang ich elegant auf den Boden, rannte los und hechtete zurück in den Wohnwagen. Lachend wollte ich die Tür schließen, als ein Fuß sich zwischen Rahmen und Tür stellte.

Kapitel 10: Whatever will be will be
Ich stemmte mich gegen die Tür, das Nutellaglas noch immer in meiner Hand. Die Person hinter der Tür war eindeutig stärker als ich. Sofort flog die Tür wieder auf und ich stolperte nach hinten. Zac trat wieder ein. „Nutella.“ sagte er und verstellte dabei die Stimme wie Darth Vader. „Okay Zac, ich glaube wir haben es jetzt verstanden!“ meinte ich und ging noch immer lachend ein paar Schritte zurück, bis ein Tisch zwischen uns stand. Zac folgte mir und blieb auf der anderen Seite des Tisches stehen. Er griff nach dem Glas in meiner Hand, aber ich zog sie rechtzeitig weg. Auf dem Tisch lag mein Seesack. Und genau den schnappte sich Zac nun. Das Lächeln gefror mir auf den Lippen. „Zac, es reicht.“ meinte ich tonlos und wollte nach dem Sack greifen, aber er zog seinen Arm weg. „Was haben wir denn hier drinnen?“ „Zac, hör auf!“ Er griff in den Seesack und holte meinen Baseballschläger heraus. „Lass das!“ Er musterte ihn ausgiebig und fand die schon fast verblassende Unterschrift. „Robby? Wer ist Robby? Robby Thompson?“ Ich spürte, wie mir Tränen hochstiegen. „Dann nimm doch die verdammte Nutella!“ schrie ich ihn förmlich an und ließ das Glas über den Tisch gleiten. Bevor Zac reagieren konnte, war das Glas schon vom Tisch herunter gerutscht und auf dem Boden zerschlagen. Er sprang zur Seite, erst dann sah er, dass ich mit den Tränen kämpfte. „Oh Gott, Vanessa, das wollte ich nicht.“ Sofort legte er den Seesack und den Baseballschläger zurück auf den Tisch und machte zwei Schritte auf mich zu. Ich machte aber gleichzeitig zwei Schritte zurück. „Es tut mir Leid. Ehrlich.“ sagte er leise. Ich spürte die Tränen über meine Wangen gleiten. In meinem Leben war ich es gewohnt gewesen, wenn man sein Eigentum in anderen Händen sah, dass es dann nicht mehr deins war. Bei der Nutella war mir das egal gewesen. In dem Seesack steckten aber so viele Erinnerungen, dass es weh tat, überhaupt zu sehen, wie jemand ihn anschaut. Auch wenn mir eigentlich klar war, dass ich nichts verloren hatte, sträubte sich mein Körper dagegen, dieses anzunehmen. Er dachte, dass ich für immer meine Erinnerung verloren hatte. „Vanessa.“ Ich sagte nichts. Zac blieb ungefähr noch zwei Minuten stehen, seinen Blick auf mich geheftet. Dann ging er.

*Jeder Schlag der ihn traf, traf auch mich. Tief im Herzen. „Hör auf, hör auf!“ Meine Stimme ging in einem Krächzen unter. Ich versuchte zwischen die Beiden zu gehen, aber kaum hatte ich auch nur einen von ihnen berührt, wurde ich gegen die Wand geschmettert. „Nein!“ wimmerte ich und tastete mich auf dem Boden nach vorne. Meine Hand berührte etwas Flüssiges. Blut.*

Total aufgelöst begann ich die Scherben und die Nutella vom Boden zu wischen. Als ich nach einer Großen Scherbe griff, schnitt ich mich auch noch. „AH!“ Ich schrie mir alles von der Seele. Und zwar solange, bis ich keine Luft mehr bekam. Selbst dann schrie ich noch ein paar Sekunden weiter. Schließlich atmete ich langsam wieder ein und aus. „Puh.“ murmelte ich schließlich und wischte weiter. Ein paar Sekunden später flog die Tür auf und Ashley polterte herein. Ich sprang erschrocken hoch und schrie auf. In ihrer Hand hielt sie einen Besen. Und schrie mit. „WAS SOLL DAS DENN WIEDER?“ Sie fasste sich an die Brust. „Du hast geschrien. Was ist los?“ Ich starrte sie für ein paar Sekunden an. „Ich... Nichts. Ich bin nur ziemlich fertig...“ versuchte ich mich dann aus der Sache heraus zureden. Ihr Blick fiel auf den verklebten Scherbenhaufen. „Was hast du denn da gemacht?“ Ohne auf eine Antwort zu warten bückte sie sich und half mir beim sauber machen. „Du blutest ja.“ Stellte sie fest, als wir fertig waren. Ich schaute auf den verwundeten Finger. „Ist nur ein kleiner Pieks.“ stellte ich dann fest. „Na ja, kleiner Pieks? Kleine Piekse ziehen sich nicht über die Fingerkuppe und bluten stark!“ Ohne zu Fragen nahm sie meine Hand in ihre und begutachtete meinen Finger eingehend. „Ich hab in meinem Wohnwagen Pflaster.“ sagte sie schließlich und zog mich mit sich.

In ihrem Wohnwagen herrschte ein geordnetes Chaos. Auf ihrem Bett lagen einige Klamotten, auf ihrem Tisch lag ihr Handy und im Mülleimer stapelten sich die leeren Kaffeepappbecher. Aus einer ihrer Handtaschen fischte Ashley dann ein riesiges Pflaster und klebte es mir, bevor ich Einspruch rufen konnte, auf den Finger. „So, Schon viel besser!“ meinte sie und betrachtete ihr ‚Werk.’ „Danke!“ sagte ich und schaute aus dem Fenster. „Sollen wir gleich zusammen zur Probe gehen?“ fragte sie, als ich nichts mehr sagte. Ich zuckte zusammen. Fast hätte ich vergessen, dass sie da war. „Ähm, ja, können wir machen. Ich muss mich noch kurz umziehen!“ Fix huschte ich aus ihrem Wagen und wieder zurück in meinen. Ich wusste nicht, ob ich stark genug war, jetzt schon wieder zu Proben, jetzt schon wieder so nah bei Zac zu sein. Aber ich wusste, dass mir nichts anderes übrig blieb.
Kaum hatte ich mich umgezogen, klopfte Ashley auch schon an meiner Tür. „Ja!“ rief ich und stolperte zu ihr nach draußen.

Ich merkte von Anfang an, dass das heute nicht mein Tag war. Ich kam nicht richtig mit und wenn ich dann mal mit kam, rempelte mich irgendjemand an. Ich sah Kennys enttäuschtes Gesicht. Aber egal wie sehr ich mich anstrengte, besser bekam ich es nicht hin. Als die Probe dann endlich zu Ende war, traf ich Zacs Blick. Ich sah, wie er ein paar Schritte auf mich zu machte. Dann hielt er aber an. Ich atmete erleichtert auf. Und flüchtete zurück in meinen Wohnwagen.

*Als ich nach seiner Hand tastete, war meine Hand schon rot. Ich spürte wie mir Tränen die Wange entlang rollten und auf seinem Leblosen Körper landeten. „Bitte, Bitte nicht“ hauchte ich, aber das konnte das Geschehene nicht rückgängig machen. „Lass den Mist.“ Ohne auf meine Widersprüche zu achten, entzog er mir seinen Körper und verschwand im Garten.
Es dauerte etwas eine halbe Stunde, dann hörte ich die Tür zuknallen und er trat zurück in mein Zimmer, wo ich noch immer auf dem Boden lag. „Und nun zu dir.“*

Der Wind ließ meine Haare um meinen Kopf wehen.
Draußen war es komplett dunkel, aber ich saß trotzdem auf der Treppe vor meinem Wohnwagen und hielt meine Gitarre in den Händen. Ich zitterte etwas, denn sobald es in Utah Dunkel war, wurde es ziemlich kalt. Doch das konnte mich nicht daran hindern, hier zu sitzen. Ich atmete die reine Luft ein und gleichzeitig spürte ich, wie mir eine vereinzelte Träne die Wange runter rann.

Sometimes I feel like I'm a bird with broken wings
At times I dread my now and envy where I've been
But that's when quiet wisdom takes control
At least I've got a story no one's told

Es lag nicht direkt an dem Baseballschläger heute Morgen. Aber an ihm hingen so viele Erinnerungen, die ich nicht verlieren wollte. Ich hatte schon genug verloren.

I finally learned to say
Whatever will be will be
I've learned to take
The good, the bad and breathe
'Cause although we like
To know what life's got planned
No one knows if shooting stars will land

Ich hörte leise Schritte auf dem staubigen und steinigen Boden. Ein paar Sekunden später setzte sich Zac neben mich. Unsere Knie berührten sich. Er sagte nichts. Das musste er auch nicht. Ich weiß nicht, wie lange wir einfach nur neben einander saßen, ohne dass wir etwas sagten, ich noch immer die Gitarre in der Hand, mit der ich grade noch gespielt hatte. Irgendwann strich er mir über den verpflasterten Finger, der mich etwas am Spielen hinderte. „Was hast du gemacht?“ Seine Stimme klang leise, als ob er sehr gründlich darüber nachdachte, was er sagte. Anstatt zu antworten fing ich wieder an zu spielen.

These days it feels naive to put your faith in hope
to imitate a child, fall backwards on the snow
'Cause that's when fears will usually lead you blind
but now I try to under-analyse

Ein Windstoß fegte um uns und ich fing an zu zittern. Ohne um Erlaubnis zu Fragen, zog Zac seine Jacke aus und legte sie mir um.

*Wie zwei Kinder rollten wir uns durch den Schnee. Seine Wangen waren rot und glühten und ich wusste, dass meine genauso aussahen. „Was hältst du von heißer Schokolade?“ fragte er mich, nach dem er mich kurz umarmt hatte und schaute mich mit diesen Augen an, die meinen so glichen. „Klingt gut.“ meinte ich und hakte mich bei ihm ein.*

I finally learned to say
Whatever will be will be
I've learned to take
The good, the bad and breathe
'Cause although we like
To know what life's got planned
No one knows if shooting stars will land

„Es tut mir ehrlich Leid.“ sagte Zac, als ich den Mund wieder geschlossen hatte. „Ich weiß.“

Is the rope I walk wearing thin?
Is the life I love caving in?
Is the weight on your mind
a heavy black bird caged inside?

*Ich starrte auf den aufgewühlten Boden. Zum zweiten Mal war eine Person, die mir so viel bedeutete, dorthin gewandert. Und wieder war es meine Schuld.*

Say
Whatever will be will be
Take
the good, the bad
Just breathe
'Cause although we like
to know what life's got planned
No one knows if shooting stars will land

*Er riss mir den Brief aus der Hand. „Dieses Miststück!“*

Whatever will be will be
I learned to take
The good, the bad and breathe
'Cause although we like
To know what life's got planned
Thing like that are never in your hands
No one knows if shooting stars will land

Ich zog mir Zacs Jacke enger um den Körper. Die Sterne funkelten kräftig am Himmel. Wir beide schauten hoch zu ihnen, als eine Sternschnuppe ihren Weg wanderte. Ich bemerkte, wie Zac seine Augen schloss. „Robby ist...“ Sein Kopf wanderte langsam zu mir. Ich schaute erst auf den Boden, dann wieder hoch zum Himmel. „Robby war mein Bruder.“
Der Wind wehte aus einer anderen Richtung und es war, als ob er ein leises Lachen mit sich trug, als Zacs warme Hand meine umschloss.

Kapitel 11: Forever in your eyes

So, dass ist jetzt mein Mega Kapitel xD 3679 Wörter lang ;-)
Und bevor ihr denkt, dass ich komplett spinne: Zac mag wirklich Fatboy Slim, the Weapon of Choice gehört zu seinen Lieblingsliedern, er hat wirklich Let me Love you gesungen... und die Nachsitzgeschichte ist auch wahr xD

Kaum zu glauben, endlich waren sowohl die Tanzproben, als auch die Studioaufnahmen beendet und wir konnten mit dem Film anfangen. Ich war furchtbar aufgeregt. Bis jetzt hatte ich nur einen Film gedreht, Dreizehn, und dieser Dreh würde mit Sicherheit komplett anders ablaufen. Zumal ich dieses Mal die Hauptrolle hatte.

Bevor es aber losgehen konnte, flog bei mir um 6 Uhr morgens am ersten Drehtag die Tür auf und Ashley stürmte herein. „Aufstehen Sonnenschein!“ Ich schreckte hoch und fiel prompt aus dem Bett. „Was...“ „Los, zieh dich an! Beeil dich!“ „Aber...“ Sie half mir hoch. „Komm schon, wir haben nicht so viel Zeit.“ „Hab ich verschlafen?“ Wackelig auf den Beinen warf ich einen Blick auf die Uhr, aber verschlafen hatte ich bestimmt nicht und spät dran waren wir sowieso nicht. „Nein, aber du musst dich trotzdem beeilen! Stell keine Fragen, alles weitere erklär ich dir später. Wir sehen uns draußen.“ Sie schob mich in Richtung Badezimmer. „Aber...“ „Kein Aber! Und jetzt beeil dich!“ Schon war sie wieder draußen. Ich griff nach einem Top, schüttelte den Kopf und warf einen Blick in den Spiegel. „Oh mein Gott. Da werden die Maskenbildner aber ganz schön Arbeit leisten müssen.“ murmelte ich abwesend und versuchte mich halbwegs präsent aussehen zu lassen. Meiner Meinung nach gelang mir dieses nicht, aber Ashley hatte ja gemeint, dass ich mich beeilen sollte, also tat ich dies auch und hastete schließlich nach draußen. „Ash?“ rief ich laut, als ich sie nirgendwo entdecken konnte. Die ersten Sonnenstrahlen breiteten sich grade auf dem Filmgelände aus und irgendwie war die Stimmung ziemlich romantisch. ‚Vanessa, nicht solche Gedanken!’ ermahnte ich mich selber. „Da bist du ja endlich.“ Plötzlich tauchte Ashley von hinten auf und packte mich am Arm. „Wo gehen wir hin?“ Sie lief ziemlich schnell und wahrscheinlich wäre ich nie mitgekommen, wenn sie mich nicht Sicher im Griff gehabt hätte. „Das wirst du schon sehen. Und jetzt lauf schneller.“
Yes, Ma’am!

Wir schlängelten uns zwischen den Wohnwagen hin und her, bis wir alle hinter uns gelassen hatten. „Schau dir das an!“ sagte Ashley, drehte sich und deutete auf die ganzen Wohnwagen vor uns. Jedes Mal überraschte es mich, wie viele Menschen an dieser Produktion beteiligt waren. „Das ist unser Film.“ meinte sie leise und wurde für einen Moment sentimental. „Und deswegen sollte ich mich beeilen? Die Wohnwagen laufen doch nicht weg!“ erwiderte ich, worauf sie mir einen Klaps auf den Rücken gab. „Nein, wir sind so früh da, weil wir noch feiern.“ Erst jetzt bemerkte ich, dass etwas weiter entfernt, auf einer Decke, Monique, Zac, Corbin und Lucas saßen. „Morgen.“ murmelte ich leise, Sobald wieder mehr Leute in meiner Nähe waren, wurde ich extrem unsicher. Zumal ich nicht wusste, wie ich mich in Zacs Nähe verhalten sollte, seit dem er etwas von meinem Geheimnis wusste. „Sitz.“ meinte Ashley, ließ mich aber nicht alleine hinsetzen, sondern schob mich neben Zac. „Und jetzt?“ Ich wusste noch immer nicht, warum ich so früh aufstehen musste. „Jetzt drehen wir unsere eigene Werbung für unseren eigenen Film.“ Ich starrte sie an. Wie wollte sie denn das jetzt machen? „Also, Nessa, du fängst an mit ‚Wir sind hier am Set von’ – Und dann steigen die anderen mit ‚High School Musical’ ein. Dann steigt Zac ein, wenn er gesagt hat, dass er Troy spielt, sagst du, dass du Gabriella bist, dann steige ich ein und so weiter.“

Ashley stellte die Kamera auf ein Stativ, dann setzen wir uns so hin, dass hinter uns die ganzen Wohnwagen zu sehen waren. „Bereit?“ Wir nickten und setzen uns aufrecht hin. Sie drückte schnell den Aufnahmeknopf und setzte sich zu uns. „Hey Leute, was geht ab?“ fing ich an. „Wir befinden uns hier am Set von-“ „-High School Musical!“ sprangen die Anderen ein. „Dem neuen Disney Channel Original Movie. Mein Name ist Zac Efron und ich spiele Troy Bolton.“ fuhr Zac fort. „Ich bin Vanessa Anne Hudgens und spiele die Gabriella Montez.“ sagte ich und lächelte in die Kamera. Nach dem sich jeder vorgestellt hatte, machten Ashley und Zac noch einen Wort Witz mit ‚Bop to the Top’ und ‚Get’cha Head in the game’, Lucas konnte es sich nicht nehmen lassen, einen Jazz Square zu machen und Corbin redete irgendetwas über Videospiele. Monique hielt sich auch wie sonst eher im Hintergrund, ich denke, dass das was mit ihrem Alter zu tun hatte. „Also, vergesst nicht, einzuschalten, wenn High School Musical auf dem Disney Channel läuft.“ war ihr letzter Satz, danach stimmten wir anderen noch mit „Wir sehen uns!“ ein. Ashley brach in Applaus aus. „Super gemacht.“ Wie immer strahlte sie, dann stand sie auf und sicherte die Kassette. „So. Dann gibt es jetzt Frühstück.“

*Ich war es gewohnt, alleine zu sein. Aber die jetzige Leere in meinem Körper war nicht mehr normal.*

Als wir in den Frühstückssaal gehen wollten, hielt mir Zac die Tür auf.

Ganz fasziniert schaute ich mir das Set an. „Alle gut geschlafen?“ fragte Kenny, der wieder sein ständiges Breitmaulfrosch Grinsen augesetzt hatte. Ich zwinkerte Ashley zu. „In der Zeit, in der ich geschlafen habe, ja.“ Ashley grinste mich fast so breit wie Kenny an und verschwand dann in der Maske. Kenny schien gar nicht weiter nach Fragen zu wollen, sondern schob mich hinter Ashley her. Ich setzte mich neben sie. Sie schaute mich von der Seite her an. „Und jetzt sagst du mir, was da zwischen dir und Zac läuft.“ Ich zuckte praktisch zusammen und die Maskenbildnerin deswegen auch. „Was soll denn da schon laufen?“ „Ich bin nicht blind. Ich sehe, wie er dich an sieht, ich sehe, wie du ihn ansiehst, ich hab euch draußen vor den Wohnwagen gesehen, als du auf deiner Gitarre gespielt hast.“ „Das ist jetzt aber auch schon eine Weile her...“ „Ich wollte schauen, ob noch was Ähnliches kommt, kam es aber nicht. Also, was läuft da?“ Die Maskenbildnerin fungierte an meinen Haaren rum. „Was soll denn da schon laufen? Freust du dich auf den Dreh?“ versuchte ich abzulenken, aber Ashley ließ sich nicht beirren. „Ja, tu ich. Nessa, findest du etwas an Zac?“ „Nein, ich... Er ist nett. Vielleicht ist er grade mal das. Aber mehr nicht. Garantiert nicht.“ Sie drehte sich zu mir, was ihre Maskenbildnerin gar nicht so toll fand. „Du lügst mich an.“ stellte sie fest und blieb dann still. „Ich darf nichts an ihm finden.“ sagte ich nach einer Weile.

Nach dem wir die heutigen Szenen im Kasten hatten, rief Kenny noch mal alle vom Hauptcast zusammen. „Ich hab eine Überraschung für euch!“ Kaum zu glauben, aber er konnte noch breiter grinsen. Irgendetwas versteckte er hinter seinem Rücken. „Ich habe hier die ersten Ausgaben, von...“ -Er zog einige CDs hinter seinem Rücken hervor- „Unserem Soundtrack.“ Ashley quietschte freudig auf. Jedem von uns drückte er eine CD in die Hand. „Dann viel Spaß beim hören!“

Im Wohnwagen schob ich die CD zwar in den CD-Player, drückte aber nicht auf Play. Es würde bestimmt komisch sein, zum einen mich selber zu hören und zum anderen, mir Zac vorzustellen, während Drew sang. Ich stand eine Weile lang nur vor dem CD-Player, dann wollte ich in die Küche gehen und mir etwas zu essen machen, als es klopfte. „Ja?“ Die Tür ging auf und Zac stand am Rahmen. „Hey.“ sagte er leise und vergrub seine Hände in seinen Taschen. „Hey.“ antwortete ich versuchte mich an die Küchentür zu lehnen. Seit dem er etwas von meinem Geheimnis wusste, waren wir nicht mehr alleine in einem Raum gewesen. Immer hatten mich einige Leute davor beschützt, dass er etwas erwähnte. Jetzt konnte er die Beute packen. „Ich wollte fragen, ob du vielleicht Lust hast, wegen des Soundtracks zu feiern. Wir könnten in ein nahegelegenes Restaurant gehen, oder einfach nur herum fahren.“ Ich musterte ihn wohl etwas zu skeptisch, so dass sein Selbstbewusstsein etwas abzunehmen schien. „Oder wir können es auch lassen und ich war nie hier...“ „Was hast du denn zu feiern? Du singst doch gar nicht.“ Er nickte. „Ich freu mich doch trotzdem für euch. Für dich.“ Ashley würde mich jetzt dazu drängen, ja zu sagen. Ich würde mich jetzt dazu drängen, ihm die Tür vor der Nase zu zuschlagen, was seinen Fingern garantiert schaden würde.
Anscheinend dachte ich zu lange nach, denn Zac wurde unruhig. „Okay, schon gut. Wir sehen uns morgen.“ sagte er, drehte sich um und verließ den Wagen. Und ich spurtete hinter her. „Zac, warte mal.“ Er blieb nicht stehen. „Ist schon gut. Ich wusste doch, dass du nicht willst. Ich wollt nur sicher gehen. Ich werde schon etwas finden, womit ich mich beschäftigen kann. Ich kann mir das Drehbuch noch mal durchlesen, sauber machen, die Tänze noch mal durchgehen, auswendig lernen, was Pi ist...“ „Ich würd gerne mitkommen.“ Er war grade dabei, „3.14159265...“ zu murmeln, als er stehen blieb. „Du willst tatsächlich mit mir in ein Restaurant gehen?“ „Es gibt doch schließlich was zum feiern, oder nicht?“ Er nickte hektisch, dann kramte er in seiner Hosentasche, bis er seine Autoschlüssel in der Hand hielt. „Okay, wir können los.“ „Gib mir noch 5 Minuten!“ sagte ich und warf ganz kurz einen Blick an mir herunter. „Oder auch 10.“ „Du siehst super aus!“ erwiderte er. Ich machte ein paar Schritte zu meinem Wohnwagen zurück. „10 Minuten.“ „Ich bin im Auto. Wenn du in 15 nicht da bist, komm ich und zerr dich eigenhändig aus deiner Höhle!“ grinste er. Kaum hatte ich die Tür hinter mir geschlossen, brach ich fast in Panik aus. Ich zerrte mir die Hose vom Leib, während ich auf einem Bein hüpfend nach einem weißen Top suchte. Ich zog mir eine dunkle Jeans an und streifte mir dann das weiße Top über. Dann packte ich mir noch einen goldenen Gürtel an die Taille, so wie Ashley es oft machte. Auf High-Heels verzichtete ich dieses Mal, sondern begnügte mich mit bequemen Flipflops. Im vorbei gehen schnappte ich mir noch eine Jacke, dann hastete ich nach draußen.

*Vielleicht ist es das Richtige. Oder das schlimmste, das ich je getan habe.*

Mein Herz pochte wie verrückt. Ich hatte tatsächlich ja gesagt. Jetzt gab es kein zurück mehr. „Nessa?“ Ausgerechnet jetzt lief mir Ashley über den Weg. Ich hatte ihr heute noch groß erklärt, dass zwischen mir und Zac nichts lief und jetzt erwischte sie mich, wie ich mit ihm ausgehen würde. „Ja?“ Ich drehte mich zu ihr um. „Ich wollte heute wieder eine kleine Party veranstalten. Du kommst doch, oder?“ „Ich... Nein, tut mir Leid. Ich muss jetzt los. Ich bin spät dran.“ „Wo willst du denn hin?“ Sie musterte mich skeptisch. „Ähm... Spazieren. Bis Morgen!“ Schnell lief ich weiter. ‚Bitte lass sie mir nicht folgen, bitte lass sie mir nicht folgen.’ flehte ich innerlich und beschleunigte meine Schritte. Zac saß wie erwartet schon im Auto und spielte am CD-Player herum. Ich klopfte an seine Scheibe, um ihn anzudeuten, dass ich jetzt da war und wollte zur anderen Seite gehen, um einzusteigen. Blitzschnell sprang er aus dem Auto und hechtete zu der Beifahrertür, bevor ich überhaupt nur ansatzweise in der Nähe war. Vorsichtig hielt er sie mir auf. „Danke.“ sagte ich leise und setzte mich. Schon saß er auf dem Fahrersitz neben mir. „Also, die CD ist schon drinnen.“ meinte er, als wir losgefahren waren. Ich wusste noch immer nicht, ob ich überhaupt hören wollte, wie Drew mit mir sang. Aber ich würde da eh nicht drum herum kommen. Als erstes Lied erklang ‚Start of Something New’. Am Anfang sang noch Zac, aber nachdem ich eingesetzt hatte, hörte ich nur noch Drew. Ich warf Zac von der Seite einen Blick zu. Seine Hände hielten verkrampft das Lenkrad. Schnell spulte ich auf das nächste Lied. Das half allerdings gar nicht weiter, denn da ertönte von Anfang an Drews Stimme. Also übersprang ich auch dieses Lied. Ashleys und Lucas’ ‚What I’ve been looking for’ war einfach nur klasse. Die Version von mir und Drew übersprang ich wieder. ‚Stick to the status quo’ hörten wir uns an, ‚When there was me and you’ wollte ich gar nicht hören. Ich wollte nicht arrogant wirken. Also tönte Ashleys und Lucas’ ‚Bop to the Top’ durch den Wagen. Bei ‚Breaking Free’ erklang am Anfang wieder Zacs Stimme, die aber auch wieder schnell zu Drews wechselte. Bei ‚We’re all in this together’ klang es genauso. Selbst bei dem Bonussong ‚Can’t take my eyes off of you’ hatten sie nicht Zacs Stimme genommen. „Das ist einfach nur ungerecht! Sie können dich doch nicht einfach ersetzten!“ rief ich schließlich, als ich auch dieses Lied weggeklickt hatte. „Das ist schon okay, ich meine...“ „Du hast dir so viel Mühe gegeben! Warum nimmt Kenny dich dann überhaupt, wenn du doch eh nicht singen darfst?“ Er warf mir einen Blick zu. Seine Hände hatten sich wieder entspannt. „Ich bin froh, trotzdem hier zu sein.“ sagte er leise. Und ich wurde rot.

„So, da wären wir.“ meinte Zac und hielt das Auto auf einem Parkplatz. Das Restaurant schien ein ganz edles Lokal zu sein und ich kam mir ziemlich unpassend angezogen vor. Zac öffnete mir wieder die Autotür und hielt mir sogar seinen Arm hin, dass ich mich unterhaken konnte. Der Plan mit dem schön Essen gehen schien dann aber doch nicht ganz zu klappen. Das Lokal war nämlich zum bersten voll. Es schien nur noch etwas an der Bar frei zu sein, aber da wir beide noch nicht ansatzweise Volljährig waren, wollte der Ober uns nicht mal in die Nähe der Plätze lassen. „Das tut mir Leid!“ meinte Zac, als wir wieder draußen standen. Ihm schien das ganze ziemlich peinlich zu sein. „Ist doch kein Problem.“ erwiderte ich. Es war für mich wirklich kein Problem. In dem Restaurant wäre ich mir wahrscheinlich eh nur komplett fehl am Platze vorgekommen. Zac schaute sich ein bisschen um, aber es schien kein besonders großer Ort zu sein und in der Nähe konnte er kein weiteres Restaurant erkennen. „Magst du Hot Dogs?“

„Mit Ketchup, oder Senf?“ fragte mich Zac, als wir schließlich am Hot Dog Stand waren. „Wie nimmst du ihn?“ meinte ich, die schließlich noch nie einen Hot Dog gegessen hatte. „Ich hab das volle Programm.“ „Dann ich auch.“ Ein paar Minuten später hielt ich einen dampfenden Hot Dog in der Hand, der ziemlich appetitlich aussah. Da es draußen anfing kalt zu werden, setzten wir uns zurück in sein Auto. „Ich hatte das echt nicht so geplant.“ meinte er leise. „Es ist ehrlich kein Problem!“ erwiderte ich und schob eine wahllos ausgesuchte CD in den Player.
Don't be shocked by tone of my voice
Check out my new weapon, weapon of choice
don’t be shocked by tone of my voice
Check out my new weapon, weapon of choice, yeah
Ich kniff die Lippen zusammen, um nicht loszulachen. „Nicht dein Ernst!“ „Fatboy Slim ist toll, ich weiß gar nicht, was du hast!“ grinste er und nahm einen großen Bissen von seinem Hot Dog. Ich tat es ihm gleich. Und war wirklich begeistert. „Die sind klasse.“ meinte ich und deutete auf den dampfenden Leckerbissen in meiner Hand. Er nickte und kaute dabei. „Also. Wo lebst du?“ fragte er nach einer Weile, in der eine gefräßige Stille im Auto herrschte. „In Los Angeles.“ „Das glaub ich nicht. Ich wohne auch dort und ich hab dich noch nie dort gesehen.“ „Vielleicht hast du mich ja gesehen. Und es nur wieder vergessen.“ Nachdenklich kaute er noch ein bisschen, dann war sein Hot Dog verschwunden. „Du hast da was.“ sagte er leise und berührte mich kurz mit seinem Daumen an dem rechten Mundwinkel, um es wegzuwischen. Die Berührung schien unter meine Haut zu gehen und prickelte noch mehrere Minuten später. Ich richtete mich auf. „Was hast du beim Casting gesungen?“ fragte ich, um auf ein anderes Thema zu kommen. „Let me love you von Mario.“ Dieses Mal lachte ich los. „Nein, hast du nicht!“ Er zuckte mit den Schultern. „Okay, anderes Thema.“ Ich grinste noch immer. „Hast du irgendetwas Besonderes in der Schule erlebt?“ Mir wurde erst nach dem ich die Frage gestellt hatte klar, dass er mich bloß nicht nach dem Gleichen Fragen durfte. „Ich musste einmal nachsitzen.“ „Oh, ein ganz böser Junge. Warum?“ Zac grinste und presste den Mund zu. „Das wirst du niemals erfahren.“ „Zac, ich weiß, dass du Fatboy Slim hörst und ein Song von Mario gesungen hast. Ich hab genug gegen dich in der Hand, um deine aufsteigende Karriere zu zerstören!“ Er steckte den Schlüssel ins Zündschloss und wollte losfahren, aber jetzt hatte ich grade genug Selbstbewusst sein – oder war es Vertrauen in ihm? – dass ich mich vorne über beugte und den Schlüssel wieder heraus zog. „Warum bist du ein Bad Boy?“ Er wollte mir den Schlüssel aus der Hand nehmen, aber das hier war mein Nutelleglas. „Nessa...“ „Zac... Ich mag den Schlüssel. Er ist so schön rund. Es gibt selten so schöne Runde Autoschlüssel. Weißt du, genau so einen hab ich mir mal gewünscht.“ „Nessa.“ „Hi.“ Ich grinste ihn an. Er beugte sich zu mir rüber, fast so nah, dass sich unsere Körper berührten. Und dann hefteten sich seine tiefblauen Augen an meine. „Vanessa, kann ich bitte meinen Autoschlüssel wieder haben?“ „Bist einer von diesen...“ Er griff nach meiner Hand mit dem Autoschlüssel und umschloss sie ganz fest. „Ich sollte in Spanisch einen Aufsatz über mich schreiben. Ich hab nicht über mich geschrieben, sondern mir was ausgedacht. Ich bin mit Wölfen aufgewachsen und wurde mit einem Raumschiff auf die Erde gebracht.“ Ganz vorsichtig öffnete er mit seiner Hand Meine und tastete nach dem Schlüssel. Noch immer waren seine Augen direkt an Meine gerichtet. Vielleicht wäre das der Punkt gewesen, in dem man sich im Film geküsst hätte. Man und Frau alleine in einem Auto, Augenkontakt. Wahrscheinlich war das auch der Grund dafür, dass mein Herz noch viel schneller raste, als es den ganzen Abend über getan hatte. Weil ich Panik bekam. „Weißt du Zac, das ist, glaube ich, der Punkt, an dem du mir Angst machst. Also nimm den Schlüssel und fahr uns nach Hause. Aber umrunde bitte dein Mutterschiff!“ Damit hielt er den lang ersehnten Schlüssel in seiner Hand. Und der Moment war zerstört.

Über die restliche Fahrt blieb es still zwischen uns, da konnte auch Christopher Walken mit ‚Right here, Right now’ nichts dran ändern. Erst gegen Ende sagte Zac wieder etwas. „Morgen wollen Corbin, Lucas, ein paar von den Tänzern und ich zusammen Baseball spielen. Willst du mitmachen?“ Ich schaute ihn an. Sein Blick war starr auf die Straße gerichtet. „Ich und Baseball?“ „Du kannst es.“ „Woher willst du das wissen?“ Er schaute mich für ein paar Sekunden an. „Ich weiß es eben.“ Danach blieb es wieder still. Als wir wieder am Set ankamen, erwartete ich nicht mehr, dass er mir die Tür öffnen würde. Ich machte sie sofort automatisch auf und trat nach draußen. Genauso stumm wie schon vorher, machten wir uns auf den Weg zu den Wohnwagen. Es war draußen komplett dunkel und die düstere Stimmung zwischen Zac und mir machte mir auch schon wieder Angst. Vielleicht war ich einmal zu stark unfreundlich gewesen. Hatte mir einmal zu viele Gedanken gemacht. Oder zu wenige. „Es tut mir Leid.“ sagte ich schließlich leise und hoffte, dass er verstand, was ich damit sagen wollte. „Nein, es tut mir Leid. Ich hatte mir den Abend anders vorgestellt und geplant.“ „Es geht mir gar nicht um den Abend! Ich... ich bin einfach so...“ „Verletzlich?“ Wir standen vor meinen Wohnwagen. Aus Ashleys in der Nähe drang leise Musik.
Each moment we're together
I just never want to end
'Cause I could never feel this way again
Vielleicht war dies der Moment, an dem ich einmal vergessen sollte. Der Moment, an dem mir mein Glück wichtiger sein sollte. In solchen Sekunden spielte sich im Film alles in Zeitlupe ab.
'Cause nothing else had ever felt so right
to feel your body lying next to mine
as the rhythm of your heart beats through me
All through the night
Nur leider war die Realität nicht ein Film. Die Zeit verlief noch genauso wie normal ab und während ich die Treppe hoch lief, entfernte sich Zac auch schon wieder. Ich wusste, dass es nur jetzt passieren könnte. Und nicht ein anderes Mal. „Zac?“ Er drehte sich um. Und ich wusste nicht mehr, was ich sagen sollte. Grade hatten sich alle meine Gedanken noch so logisch angehört und jetzt schwirrten sie wie Kolibris durch meinen Kopf. „Ich...“ Wieso ergab mein Leben bloß keinen Sinn. „Ich...“ „Du hast doch eine Gitarre.“ sagte Zac plötzlich, ohne, dass es irgendeinen Sinn ergab. „Ähm, ja...“ „Gut.“ Er kam auf mich zu und lief die Treppe hoch.

I never thought I'd ever realize
a long that feels so close to paradise
Boy I could spend my whole life living
forever in your eyes

Kapitel 12: Walk away
Unsere Hände berührten sich für einige Sekunden, dann öffnete er die Tür zu meinem Wohnwagen und trat ein. Ich atmete tief durch und versuchte mich selber zu beruhigen. Mein Herz pochte wie verrückt. „Wo ist sie?“ Ich deutete auf die Ecke, in der meine Gitarre in ihrer Tasche stand. Vorsichtig öffnete Zac die Tasche und zog die Gitarre genauso vorsichtig heraus. Ich deutete auf die Couch und setze mich, genauso wie er. Er schlug die ersten Saiten an. Ich spürte wie mir das Herz bis zu meinem Hals schlug.

Oh no, here comes that sun again
that means another day without you my friend
and it hurts me to look into the mirror at myself
And it hurts even more to have to be with somebody else

Ich starrte Zac quasi an. Eigentlich hatte ich gedacht, dass er nicht singen konnte. Ich war mir da sogar ziemlich sicher gewesen, schließlich hatte er bei den Studioaufnahmen selten auch nur einen Ton getroffen. Aber was er hier machte, ließ mir das Herz sogar noch höher schlagen, wovon ich nicht gewusst hatte, dass es überhaupt möglich war. Ich spürte, wie ich langsam, aber sicher, einen Kloß in meinem Hals bekam. Egal wie oft ich versuchte, ihn herunter zu schlucken, es brachte nichts.

And it's so hard to do and so easy to say
but sometimes, sometimes you just have to walk away
Walk away

Ich spürte die ersten Tränen in meine Augen steigen. Zac schaute mir, während er spielte, in die Augen. Für ein paar Sekunden hielt ich seinen schönen Augen stand, dann schaute ich verlegen weg. Das Blut stieg mir in den Kopf. Während ich zur Seite schaute, lächelte ich.

With so may people to love in my life
why do I worry about one
but you put the happy in my ness
you put the good times in my fun

Ganz langsam verstummte die Gitarre, während Zac noch den Refrain zu Ende sang.

And it's so hard to do and so easy to say
but sometimes, sometimes you just have to walk away
Walk away and head for the door

Er griff vorsichtig nach meiner Hand. Mein Blick blieb am Anfang noch auf den Boden gerichtet, aber dann zogen mich seine Augen doch magisch an. Egal wie oft ich immer wieder zur Seite schaute, weil mir der lange Blickkontakt unangenehm wurde, irgendwann schaute ich ihn doch wieder an. Ich weiß nicht, wie lange wir so saßen. Es hätte sich um Stunden handeln können, vielleicht aber auch nur Sekunden. Hin und wieder wanderte mein Blick zu seinen Lippen. ‚Nein, Nessa, denk nicht mal daran.’ Und doch dachte ich daran. Ich fing ganz leicht an zu zittern, aber stark genug, dass er es merkte. „Ist alles okay?“ Vorsichtig strich er mir mit der anderen Hand über die Wange. „Zac...“ Wieso klang ich nur so leise? Mit dem Daumen der Hand, die meine hielt, strich er mir über Diese. Die Luft schien mit jedem Zentimeter, mit jeder Sekunde, in der sein Gesicht meinem näher kam, knapper zu werden. Ich beugte meinen Kopf etwas nach rechts und zwinkerte ein bisschen. Ich wusste, dass ich es genauso sehr wollte, wie er. Dass Zac mir doch mehr bedeutete, als ich Ashley vorgespielt hatte. Und doch, kurz bevor sich unsere Lippen berühren konnten, sprang ich auf.

Der Kloß in meinem Hals war für mich schon nichts Neues mehr, und doch tat es umso mehr weh. Ich sah, wie enttäuscht Zac war. Irgendetwas hätte ich wohl sagen sollen, aber schließlich brachte ich doch nur ein „Zac.“ heraus. Er legte die Gitarre zur Seite und stand auf. „Ist schon gut.“ „Nein, bitte warte kurz.“ Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, ging er weiter. „Es tut mir Leid!“ versuchte ich ihn vom gehen aufzuhalten, aber auch das hielt ihn nicht vom Gehen ab. „Ja, mir auch.“ sagte er leise im vorbei gehen. Dann verschwand er draußen.

*Mit voller Wucht warf ich mich gegen die Wand. Jeder Zentimeter meines Körpers wollte sich Schmerzen zufügen, denn nichts anderes hatte ich verdient. „Was zum Teufel tust du da?“ Seine Stimme konnte mich nicht aufhalten. Ich warf mich nur fester dagegen. „HEY!“ Eine Hand packte mich hart am Genick und schleifte mich weg. Ich versuchte gegen den Arm anzukämpfen, der sich um meinen Hals legte. Und doch wusste ich, dass ich sterben musste. Es war das einzige Gerechte. Ganz langsam, als ob er mich extra quälen wollte, wurde die Luft knapper. Und mit einem Mal hörte es auf. Er ließ mich los und ich sackte zu Boden. Meine Lunge füllte sich wieder mit Luft, mein Gehirn gewann den Verstand zurück. „Tu so was NIE wieder!“ Dann ging er. Das hatte er schon immer getan. In den ungünstigsten Momenten kam er, bestrafte uns, dann verschwand er wieder. Aber so nicht. Er hatte mir alles genommen, dass mir jemals Wichtig war. Und ich war Schuld gewesen. An diesem Tag versprach ich mir 2 Sachen. Erstens, musste ich dem allem ein Ende setzen. Das war ich ihnen allen schuldig. Zweitens, würde ich dafür sorgen, niemals wieder jemanden in Gefahr zu bringen, wie ich es mit den 3 Menschen getan hatte, die mir die Luft zum Atmen gaben.*

Alleine blieb ich in meinem Wohnwagen zurück. Auch wenn ich normalerweise das Allein sein genoss, schien mit Zac die Wärme gegangen zu sein. Es gab einen Unterschied zwischen Allein sein und Einsam sein. Und ich war definitiv das Zweite. Um mich herum gab es keine Geräusche, die Musik aus Ashleys Wohnwagen war verstummt, deswegen hörte ich nur mein eigenes Atmen und mein Herz, das immer noch wie verrückt pochte. Ich schloss ganz kurz die Augen und versuchte, wieder klar denken zu können. ‚Lass dein Herz dich führen’ wiederholte ich leise die Worte, die meine Mutter so oft gesagt hatte. Erst langsam, dann immer schneller, ging ich Schritt für Schritt zu Zacs Wohnwagen. „Zac!“ Meine Hand polterte schnell gegen die Tür. Es dauerte ein bisschen, dann machte er aber doch auf. „Was?“ Ich konnte durchaus sehen, dass er schlecht gelaunt war. Es tat mir so Leid, ihn verletzt zu haben. Aber besser so, als anders. „Ich...“ Wieso fielen mir nur nie die richtigen Worte ein? „Du!“ meinte er mürrisch. „Wenn du mir nur sagen willst, dass du, du bist, dann hab ich das verstanden. Trotzdem danke für die Info.“ sagte er zynisch und wollte wieder die Tür schließen. „Ich bin nicht gut für dich!“ Das war wahrscheinlich der dümmste Satz, des heutigen Tages, aber es stimmte. Während mir erneut Tränen in die Augen stiegen, trat er einen Schritt nach draußen. „Ach Nessa, komm...“ „Ich bin nur Gift.“ Er machte einen weiteren Schritt nach draußen und so auch einen Schritt auf mich zu. „Wie meinst du das?“ Ich konnte nicht antworten. Er würde nicht verstehen. Niemand konnte verstehen. „Du denkst vielleicht, Wow, was für eine schöne Farbe, und dann trinkst du es und stirbst.“ „Komm, das ist doch Quatsch.“ Mittlerweile stand er vor mir und berührte mich sanft an den Armen. Ich zuckte vor ihm zurück. „Bitte Zac, bitte! Ich bin nur Gift für dich! Ich bring dich um. Halt dich von mir fern.“ „Nessa, bitte, wovon redest du? Du bist kein Gift!“ „Ich bin nur eine Bombe für dich! Am Anfang ist es vielleicht eine schöne Uhr, bis dir auffällt, dass sie irgendwie anders tickt. Tödlich.“ Ich machte ein paar Schritte zurück, in der Hoffnung, dass er mir nicht Folgen würde. Aber er tat es. „Bist du krank? Redest du davon?“ Ich schüttelte den Kopf. Die Tränen, die über mein Gesicht rannen, brannten kalt an mir. „Ich bin Gift! Ich bin nicht gut für dich! Ich bring dich nur in Gefahr.“ „Vielleicht lässt du mich das lieber selber entscheiden.“ Ich schüttelte den Kopf und verbarg mein Gesicht in meinen Händen. Er nahm aber direkt meine Hände in seine Hand und schob sie von meinem Gesicht. „Was redest du nur?“ Mit der anderen Hand strich er mir über die Haare. Ich versuchte mich von ihm zu befreien. „Warum verstehst du denn nicht?“ „Vielleicht würde ich das ja, wenn du es mir erklärst.“ Ich versuchte ihn von mir weg zu schubsen, aber auch das misslang mir. „Bitte frag nicht! Lass es einfach. Ich bin nicht gut für dich, ich bring dich in Gefahr, ich bin...“ „Gift, das weiß ich mittlerweile.“ Als ich meinen Kopf senkte, hob er ihn vorsichtig an. „Vanessa, ich liebe dich.“ „Aber das solltest du nicht.“ Ich riss mich endlich von ihm los und verschwand in meinem Wohnwagen.

Am nächsten Tag starteten die Aufnahmen für ‚When there was me and you’. Mir ging es nicht so besonders gut, nach dem ich versucht hatte, Zac klar zu machen, dass er nichts an mir finden durfte. Ich kam schon ziemlich fertig in der Maske an. Kenny hingegen strahlte über beide Ohren. Aber das war immerhin auch nichts Neues mehr. Zac sah am Morgen auch nicht so besonders aus. Normalerweise hatte er irgendwie immer die Nähe zu mir gesucht und mich hin und wieder mal angelächelt. Heute hielt er bedacht Abstand. Dafür war ich ihm aber auch sehr dankbar.
„Scheinwerfer!“ kam aus irgendeiner Ecke der Ruf und ich stellte mich am Fenster auf. Zac stand schon unten, zusammen mit Corbin und anderen Wildcats-Statisten. Ganz kurz schaute er hoch und unsere Blicke trafen sich. Diesmal hielt ich den Blick und er schaute zur Seite. Corbin schlug ihm von der Seite gegen den Arm und sagte irgendwas, Zac schüttelte den Kopf und schaute zur Seite. „Vanessa? Bist du soweit?“ Abwesend nickte ich und stellte mich richtig auf. Es fiel mir nicht schwer, bei dem Stück Tränen vorzuweisen.

Am Nachmittag saß ich wieder im Wohnwagen. Die Gitarre lag noch genauso wie gestern, als Zac sie weggelegt hatte. Und seit dem ich hier saß, hatte ich sie nicht aus den Augen gelassen. Es war, als ob der ganze gestrige Abend an hier hing. Und egal, wie oft ich mir sagte, dass mein Verhalten richtig war, konnte ich mich nicht überzeugen. Wieso fiel es mir nur so schwer? Wieso konnte ich nicht einfach das Leben so leben, wie es mir gefällt?
Mit einem Mal ging die Tür auf. Ich schreckte hoch, als Zac mit zügigen Schritten auf mich zu kam und mich am Arm hoch zog. Zum ersten Mal war er mir etwas härter, etwas gewalttätiger gegenüber. „Los, wir haben nicht ewig Zeit!“ „Zac, was willst du?“ Ohne auf meine Einsprüche zu achten, ging er zu dem kleinen Tisch, nahm meinen Seesack und holte den Baseballschläger heraus. Nein, nicht schon wieder... „Zac, das hatten wir doch schon einmal.“ Meine Stimme klang extrem rau und verheult. „Das Baseballspiel, schon vergessen?“ Und seine Stimme klang fremd. „Ich... Mir ist nicht nach einem Spiel.“ Auch das konnte ihn nicht daran hindern, mich weiterhin hinter sich her zu schleifen. „Aua, du tust mir Weh.“ Er ließ los, allerdings hatten wir schon den Wohnwagen, mein schützendes Reich, verlassen. „Vanessa, wir haben auf dich gezählt und nur mit dir sind wir genug Leute. Es ist vollkommen egal, was gestern war. Wir wollen dieses dumme Spiel spielen. Und anstatt, dass du dich wieder hinter irgendwelche Ausreden versteckst und dich in diesem kleinen Wohnwagen verschanzt, solltest du mal rausgehen und ein bisschen Spaß haben. Ich hab es satt, andauert zu sehen, wie du nach den Proben direkt wieder zurück in dein eigenes Reich flüchtest. Jetzt hast du dich mit Ashley angefreundet, dann macht auch was zusammen. Ich...“ Er gab irgendeinen seltsamen Ton von sich, der schon fast einer Art genervtem Schrei glich. Dann drückte er mir meinen Baseballschläger in die Hand. „Ich wette, du hast nur Angst, dass wir dich fertig machen!“ Ohne weiter auf mich zu achten, lief er weiter. „Ach ja? Dann zieh dich warm an Efron. Ich zeig dir mal, was ein richtiger Batter ist!“

Auf dem Spielfeld in nicht all zu weiter Entfernung von dem Filmgelände, waren schon alle Spieler, unter anderem Lucas und Corbin, versammelt. Auf der Tribüne hatten sich ein paar Zuschauer, wie Bart Johnson, der im Film Troys Vater spielte, oder Kenny höchstpersönlich gefunden. „Okay, ihr kriegt Vanessa und wir nehmen dafür Corbin.“ meinte Zac zu Lucas. Corbin stöhnte genervt auf, Chris Warren Jr., der Zeke spielte, warf Zac einen panischen Blick zu. „Spinnst du? Corbin kann nicht spielen!“ „Richtig. Vanessa kann nicht spielen und Corbin auch nicht, also ist es gerecht aufgeteilt.“ „Ach ja?“ mischte ich mich ein, aber Lucas zog mich etwas zurück. „Mach dir nichts draus.“ sagte er leise. „Teambesprechung!“ rief er dann laut, so dass sich unser Team zusammen finden konnte und das von Zac auch. Wir stellten uns in einem kleinen Kreis auf, legten einander die Arme auf die Schultern und steckten die Köpfte zusammen. „Also.“, fing Lucas an, „Ich würde sagen, wir lassen Vanessa als Erste Batter sein. Dann können wir immer noch die verlorenen Punkte aufholen...“ „Euer Vertrauen in mir ist so riesig.“ murmelte ich sarkastisch. „Keine Sorge, ich weiß genau, dass du das gut machen wirst. Und nicht vergessen. Das ist nur ein Spiel. Habt Spaß, es geht nicht ums Gewinnen.“ Er lächelte mich aufmunternd an, dann musterte er kurz meinen Schläger und nickte. „Sieht gut aus.“ Ich stellte mich an die Stelle des Batters und Zac kniete sich hinter mich, er spielte als Catcher. Als Pitcher spielte einer der Tänzer, Jared Murillo. „Du kannst noch aufgeben.“ meinte Zac leise zu mir, als ich mich in die richtige Position stellte. „Um es mir entgehen zu lassen, wie du weinst? Nein, danke.“ Er wollte grade etwas erwidern, als Lucas laut „Bereit?“ rief. Ich nickte und sah, wie Jared sich bereit machte, um den Ball zu werfen. Es war so ur lange her, dass ich das letzte gespielt hatte. Trotzdem sah ich, dass ich den ersten geworfenen Ball gar nicht treffen konnte. Ich ging also einen Schritt zur Seite, um Zac die Möglichkeit zugeben, den Ball zu fangen, ohne sich zu verletzten. „Na, hast du Angst, Hudgens?“ „Nein, Zac.“ erwiderte ich, er lachte hämisch auf. „Nicht hiervor.“ murmelte ich leise und machte mich für einen zweiten Wurf bereit. „Wovor dann?“ Wollte Zac wirklich jetzt diskutieren? „Bitte, sag es mir doch. Ich versteh dich doch bestimmt, wenn ich einfach nur weiß, warum du so handelst!“ Dieses Mal traf ich den Ball und er flog in einem schönen Hohen Bogen. Hoch genug, um ins Outfield zu gelangen. Grade in dem Moment, als ich losrennen wollte, packte mich eine Hand grob am Arm und riss mich zurück.
Dann traf mich eine Faust im Gesicht.

Kapitel 13: He’s here, I’ve got no key, he knows, he’s here...
*Ich wusste, dass es so weit war. Es musste der letzte Tag sein. Für mich, für ihn... der Tag, an dem ich sie rächen würde.
Es war mir egal, wie es enden würde. Hauptsache, ich hätte es endlich getan. Leise schlich ich mich ins Wohnzimmer. Er saß auf der Couch und starrte wie gebannt auf den Fernseher. Vielleicht würde er mich nicht mal bemerken. Vielleicht würde er dieses Mal nicht aufmerksam sein und diesen Fehler begehen. Während er sich also etwas über maschinell hergestellte Lebensmittel anschaute, versuchte ich die Buddhastatue vom Schrank zu holen. Ich war viel zu klein, aber der plötzliche Mut spornte mich an und ließ mich höher springen. Ich vergaß mit einem Mal die Vorhut und sprang gegen den Schrank. Er drehte sich um, aber ich sprang weiter dagegen, bis der Schrank umkippte. Die Buddhastatue fing ich auf, der restliche Inhalt fiel erbarmungslos auf den Boden und zerbrach. „WAS TUST DU DA?“ Vor Wut schnaubend raste er auf mich zu. Aber ich bekam keine Angst. Stattdessen rannte auch ich auf ihn zu und schlug, bevor er reagieren konnte, die Statue auf seinen Kopf.

'Du bist Irre. Du bist total irre.' Fast wie tot lag er auf dem Boden. Meine Hand zitterte so stark, dass in der Klinge des Messers mein Spiegelbild kaum zuerkennen war. Neben mir stand die Taschenbuchgroße Buddhastatue, eines meiner dummen Geschenke, wenn ich ihn zur Ruhe bringen wollte. Ihr Kopf war rot, rot vor Blut. Vorsichtig und mit zitternden Knien beugte ich mich zu ihm runter. An seinem Hinterkopf waren die Haare durch das Blut verklebt, aber ich wusste, dass es nichts Ernstes war. Deshalb hatte ich nur diese eine Chance. Ich konnte ihm endlich alles heim zahlen, was er mir, was er uns allen angetan hatte. Ohne dass ich es merkte, glitt meine Hand zu meinem Bauch. Aber konnte ich das wirklich tun? Konnte ich genauso herzlos sein, wie er? Ganz langsam berührte ich mit dem Messer seine Kehle. Ich zwang mich, die Hand ruhig zuhalten. Jetzt konnte ich mein Spiegelbild erkennen. Es war ängstlich. Ich ließ das Messer fallen und es landete auf seinem Bauch. Ich schupste es von uns beiden weg und stand auf. Langsam atmete ich tief ein und wischte mir die getrockneten Tränen von meinem Gesicht. Mein Blick fiel auf unseren Garten, auf unsere Bank...
Mich packte die Wut und ich hob das Messer wieder auf, nur um es direkt wieder fallen zulassen. „ICH HASSE DICH!“ schrie ich laut und sank wieder auf den Boden. Ich tastete nach seiner Hand. „Ich liebe dich!“ schluchzte ich. Ich saß noch lange so, ohne dass er sich rührte. Irgendwann stand ich auf, ging nach oben und packte meine Sachen. Ich ging noch ein letztes Mal in die Küche und schaute ihn an. „Ich werde dich nie vergessen.“ flüsterte ich. „Dafür hast du selber gesorgt.“ Dann verließ ich das Haus und rannte davon. Vor meinem eigenen Leben...*

Ich schlingerte, als mich der zweite Schlag im Bauch traf. Fast wäre ich hingefallen, wenn Zac nicht rechtzeitig aufgesprungen wäre, um mich zu stützen. Vor dem dritten Schlag zog er mich weg. „Was soll denn das?“ rief Zac. Ich hätte ihm antworten können. Und konnte es doch wieder nicht. „Nein, lass mich los, das ist nicht gut.“ murmelte ich leise, bis mir klar wurde, dass er wirklich vor mir stand. Ich rappelte mich wieder auf, aber kaum hatte ich das getan, traf mich ein weiterer Schlag. Zac zog mich zurück, aber ich sträubte mich gegen seine Kraft. Er durfte mich nicht anfassen, durfte mich nicht zurück halten. Wieso konnte er mich nicht einfach in die Gefahr stürzen lassen, solange er dadurch geschützt werden würde? „Lass mich durch!“ Es war die Stimme, die ich immer in meinen Albträumen hörte. Die Umgebung wirkte leicht verschwommen, aber ganz allmählich lichtete sich der ‚Nebel’ etwas und ich konnte in sein Gesicht sehen. Mir blieb der Mund offen stehen, genau in dem Moment, als Lucas bei uns ankam. Schützend stellte er sich vor mich und neben Zac. „Ich denke, es wäre besser, wenn sie jetzt gehen!“ sagte er mit fester Stimme. Corbin schob sich auch neben die beiden. „Und zwar für immer.“ „Lasst mich durch!“ blaffte die Stimme nur weiter und wollte sich an Zac und Lucas vorbei schieben, aber Zac rückte nicht von seinem Platz. „Nein.“ „Hört auf...“ wimmerte ich, als sich sein Körper ohne große Anstrengung durch die menschliche Mauer hindurch schob und meinen Arm griff. „Du kommst mit!“ Als ob seine Hand aus Eisen wäre zog er mich von Zac, Lucas und Corbin weg. Dann kam Kenny. „Wenn sie sie nicht sofort loslasse, hole ich die Polizei!“ rief er mit schriller Stimme und bäumte sich in seiner vollen Größe vor ihm und mir auf. Das war zwar nicht grade sehr einschüchternd, aber er blieb steif stehen. „Ich werde doch wohl meine Tochter mitnehmen dürfen!“ „Ich wiederhole mich und will es nicht noch einmal tun: Lassen sie sie los, oder ich rufe die Polizei!“ „Und ich wiederhole mich: Ich will meine Tochter nicht hier haben!“ Kenny schüttelte den Kopf und zog sein Handy aus seiner Hosentasche. „Es ist mir egal, wer sie sind, sie gehen jetzt und zwar sofort.“ Kenny setzte seinen bösen Blick auf, er setzte seinen bösen Blick auf, der aber immer wieder zum Handy wanderte. Schließlich schubste er mich zu Boden. Zac half mir sofort, mich aufzurappeln. „Sie werden mich nicht ein letztes Mal gesehen haben!“ knurrte noch einmal die Stimme, dann ging er.

Erst jetzt wurde mir klar, wie schmerzhaft mein Gesicht und mein Bauch pochte. Gleichzeitig dröhnten tausende von Fragen in meinem Kopf, die mir die außen Stehenden stellten. „War das wirklich dein Vater?“ „Vanessa, alles in Ordnung?“ „Was meinte er damit?“ „Leute!“ Zacs Stimme klang klar aus den anderen hervor. „Jetzt lasst sie in Ruhe.“ Er legte einen Arm um mich, aber ich riss mich los. Was, wenn er es sah? Bevor ich vor der versammelten Mannschaft in Tränen ausbrechen konnte, rannte ich los.

„Vanessa?“ Ashley, die zusammen mit Monique auf den Stufen ihres Wohnwagens saß und noch mal ihren Text durchging, schaute mich verwirrt an, als ich mit Tränen in den Augen an ihr vorbei lief. Aber ich wollte niemanden sprechen. Ich wollte alleine sein und einfach nur vergessen.

Kenny starrte der wegrennenden Vanessa hinter her. Der Schock von grade saß bei ihm noch tief und bei Vanessa würde er wahrscheinlich noch viel tiefer sitzen. „Ich geh zu ihr.“ sagte er, aber Zac schüttelte den Kopf, bevor er sich in Bewegung setzten konnte. „Nein, lass sie. Ich denke nicht, dass sie mit dir reden will. Ich gehe zu ihr.“ Kenny hielt ihn am Arm fest. „Und warum sollte sie dich lieber da haben?“ Zac zuckte mit den Achseln. „Weil sie mir vertraut.“ sagte er dann leise. Das hoffte er zumindest.

Ich warf mich gegen die Wohnwagentür und versuchte wieder richtig zu atmen, aber die Angst, der Schmerz, die Wut... das alles ließ mein Herz viel höher schlagen, das alles half mir nicht, meine Gedanken zu ordnen. Erst liefen noch die Tränen, aber nach einer Minute hörten sie auf. Ich musste stark sein. Es war schließlich meine Schuld. Weil ich nie stark genug war. Weil ich an dem entscheidendem Tag es nicht durch ziehen konnte. Jetzt musste ich dafür büßen. Und nicht nur ich. Ich hatte Zac in Gefahr gebracht, wie schon so viele. Ich war nur Gift. Ich war eine Bombe. Ich war- „Vanessa?“ Vor der Tür hörte ich Zacs Stimme. Nachdem ich zusammen gezuckt war, versuchte ich mich wieder zu beruhigen. Es war nur er. „Es ist alles okay!“ rief ich nach draußen und drückte mich fester gegen die Tür, falls er versuchen würde, reinzukommen. „Bitte, lass mich rein.“ Zacs Stimme klang ziemlich leise. „Ich wäre lieber alleine.“ Draußen blieb es still. „Bitte.“ fügte ich noch hinzu und auch wenn ich es ziemlich ohne Lautstärke gesprochen hatte, schien er es gehört zu haben. „Falls... Falls du mich brauchst, ich bin in meinem Wohnwagen. Komm zu mir.“ Ich gab ihm darauf keine Antwort und irgendwann hörte ich seine Schritte auf dem sandigen Boden. Vorsichtig entfernte ich mich von der Tür und setzte mich auf mein Bett. Mit einem Mal war ich vollkommen erschöpft. Die Wut, die Angst ließen nach und gaben mir einfach nur das Gefühl, nicht mehr zu können. Ich zerrte noch schnell aus dem Schrank einen kurzen Schlafanzug, weil ich nicht die Sachen tragen wollte, die mich an den heutigen Tag erinnerten, dann warf ich mich aufs Bett und schlief sofort ein.

Als ich aufwachte war es draußen schon komplett dunkel, aber ich besaß keine Uhr, auf die ich hätte schauen können. Ich blieb mit offenen Augen auf dem Bett liegen und starrte an die Decke. Leise hörte ich den Wind rauschen. Und dann kam die Angst. Ich wusste nicht, warum ich plötzlich so Panik bekam, aber mein Herz schlug schneller, mein Atem ging unregelmäßiger, meine Beine fingen an zu zittern. Ich hatte keinen Schlüssel.... Ich hatte ihn abgelehnt, weil ich keinen gebraucht hatte. Und jetzt lag ich ungeschützt hier. Ich sprang auf und Augenblicklich schien es, als ob ich draußen Schritte hörte. Von der Panik getrieben rannte ich nach draußen, zu Zacs Wohnwagen. An meinem Rücken kribbelte es, als ob man mich beobachtete, meine Zähne klapperten, als ich gegen Zacs Tür hämmerte. ER hatte abgeschlossen. „Zac, bitte, mach auf!“ wimmerte ich und hämmerte weiter. Immer wieder drehte ich mich um und es schien, als ob mich aus allen Schatten Augen beobachteten. „Hm?“ Ich hörte Im Wohnwagen eine verschlafene Stimme. „Wer ist da?“ „Ich bin’s, Zac, Vanessa, bitte mach auf!“ Das Schloss klickte, die Tür ging auf und Zac stand, nur mit Boxershorts bekleidet, vor mir. „Was ist denn los?“ Er musterte mich besorgt, aber statt zu antworten, warf ich mich in den Wohnwagen und direkt in seine Arme. Endlich konnte ich die Tränen rauslassen, die Tränen vor Trauer, Angst, Wut... „Schhhh, alles ist gut.“ flüsterte er leise in mein Ohr und strich mir vorsichtig über die Haare. Seine Schulter schien immer nasser zu werden, aber ich konnte die Tränen nicht zurück halten. Erst als mir klar wurde, dass wir vor der offenen Tür standen, schreckte ich zurück und warf mich gegen die Tür, so wie ich es heute schon bei mir gemacht hatte. „Schließ ab, schließ ab, schließ ab!“ schluchzte ich. Zac fragte nicht nach, sondern drehte sofort den Schlüssel um. Ich sank leise nach unten. „Vanessa...“ sagte er leise und half mir wieder hoch. „Er weiß, wo ich bin. Er weiß es. Keine Ahnung, woher, aber er weiß es! Ich hab keinen Schlüssel, keinen Schlüssel. Er weiß es...“ wimmerte ich ohne Zusammenhang. „Schhhh!“ machte er erneut. „Alles ist gut. Du bist in Sicherheit!“ „Aber du nicht...“ Vorsichtig nahm er mein Gesicht in seine Hände. „Willst du mir sagen, was los ist?“ fragte er mit einfühlsamer Stimme, aber ich schüttelte zitternd den Kopf. Ich konnte es ihm nicht sagen. Er ließ mein Gesicht los, nahm meine Hand und drückte mich vorsichtig auf sein Bett. „Bleib hier sitzen.“ sagte er leise und drehte sich um. „Geh nicht! Lass mich nicht alleine.“ „Ich zieh mir nur etwas an.“ beruhigte er mich. Zac ging kurz zu seinem Schrank und zog sich ein weißes T-Shirt über. Dann setzte er sich neben mich. Eine Weile lang blieb es zwischen uns still und wir horchten nach draußen. Bei jedem Geräusch, das sich nicht nach Wind anhörte, zuckte ich zusammen. „Ganz ruhig.“ sagte er leise und zog mich vorsichtig in seine Arme. „Du bist in Sicherheit.“ Ich drückte mein Gesicht in sein T-Shirt und atmete den typischen Zac Geruch ein. Immer noch rannen die Tränen über mein Gesicht, aber das nahm ich kaum war. „Versuch am besten zu schlafen.“ murmelte er und setzte sich so hin, dass ich liegen konnte und ich immer noch in seinen Armen war. Kurz küsste er mich auf die Haare, dann wurde es wieder still. Ich lag für ein paar Minuten weiter mit geschlossenen Augen und dem Gesicht in seinem T-Shirt vergruben da, aber irgendwann drehte ich den Kopf so, dass ich an die Tür starren konnte. Während ich mich drehte, berührte meine Hand etwas kleines Weiches. Vorsichtig drückte ich das kleine Geschöpf, etwas, dem endlich mal ICH Schutz bieten konnte, an meine Brust.

Kapitel 14: Because violence caused silence
Zac strich Vanessa vorsichtig über die Haare. Endlich war sie eingeschlafen. Die halbe Nacht über war sie immer wieder aufgewacht und hatte Angstzustände bekommen. Sein T-Shirt war noch immer nass, von den ganzen Tränen, die sie geweint hatte. Jetzt war Vanessas Gesicht vollkommen ruhig und wunderschön, den Teddy, den Zac immer bei längeren Reisen bei sich hatte, war fest an ihre Brust gedrückt. Nichts erinnerte mehr daran, wie oft sie plötzlich aufgesprungen war und um sich geschlagen hatte, während Zac versuchtem, sie wieder aufs Bett zu ziehen, ihr ins Ohr flüsterte, dass alles gut sei und ihr dann beruhigt über die Haare gestrichen hatte, außer ihre rotgeweinten Augen. Zac hätte eigentlich auch schlafen sollen, er war ziemlich erschöpft und müde, aber aus irgendeinem Grund wollte er das nicht. Auch wenn sie nur aus Angst zu ihm gekommen war, bedeutete ihm das sehr viel. Sie musste ihm vertrauen, sonst wäre sie zu Ashley gegangen, oder zu Lucas, dessen Wohnwagen ihr direkt gegenüber lag. Aber nein, sie war zu ihm gekommen, hatte sich an seiner Brust ausgeweint und die Nacht hier geschlafen. Zac wollte dieses Vertrauen nicht missbrauchen, wollte solange wach bleiben, wie es sein musste, dass sie sah, wie er sich um sie kümmerte. Er wollte ihr Vertrauen nie wieder verlieren.
Die Uhr zeigte ihm, dass es bald Zeit wäre, aufzustehen. Aber er konnte sie nicht wecken. Sie bräuchte den Schlaf, wer weiß, ob sie in der nächsten Nacht nicht genauso sehr Angst haben würde. Und in der Darauffolgenden... und in der Darauffolgenden... und in der Darauffolgenden...
Kenny würde bestimmt verstehen, dass sie noch weiter schlafen musste. Vielleicht konnten sie heute ja auch das Drehen ausfallen lassen? Vanessa würde sich erstmal sammeln müssen. Zac überlegte grade, ob er Kenny nicht anrufen sollte, als es donnernd an der Wohnwagentür klopfte. Er zuckte zusammen und warf sofort einen Blick zu Vanessa, aber diese schlief seelenruhig weiter. Vorsichtig schob Zac sie von seiner Brust und stand auf. Er öffnete die Tür, trat nach draußen und zog die Tür sofort wieder zu, damit Vanessa nicht von einem Gespräch geweckt werden konnte. Vor ihm stand Kenny. „Sie ist weg!“ Er packte Zac am Arm und zog ihn mit sich. „Was?“ „Sie ist einfach verschwunden. Oh Gott, was hab ich getan? Es ist alles meine Schuld. Ich werde gefeuert, nie wieder arbeiten können. Ich hätte die Polizei rufen sollen! Was er bloß mit ihr macht? Oh man, ich hätte ihr sofort den Schlüssel geben sollen. Ich hätte darauf bestehen sollen, dass sie ihn nimmt. Jetzt hatte sie keinen und ist weg. Wahrscheinlich irgendwo tot im Straßengraben. Zac, man wird mich töten. Nein, das schlimme ist, man wird mich nicht töten. Es gibt ja niemanden, der mich töten wollen würde! Ich...“ „Kenny!“ stoppte ihn Zac. „Wovon redest du überhaupt?“ Sie blieben vor Vanessas Wohnwagen stehen. „Sie ist weg. Ich wollte heute Morgen zu ihr kommen, weil mir aufgefallen ist, dass ich noch ihren Schlüssel habe. Und jetzt ist sie weg! Wahrscheinlich hat dieser Kerl sie mitgenommen.“ Kenny wollte zitternd in den offen stehenden Wohnwagen gehen, aber Zac hielt ihn zurück. „Kenny, sie ist bei mir. Mach dir keine Sorgen.“ „Bei dir?“ Das Zittern hörte auf und er schien sich etwas zu entspannen. „Was macht sie bei dir?“ „Mitten in der Nacht ist ihr auch aufgefallen, dass sie keinen Schlüssel hat. Panisch kam sie dann zu mir gerannt, wollte partout nicht mehr nach draußen oder allein gelassen werden. Ich hab sie also bei mir schlafen lassen.“ Wie ein alter Mann stützte sich Kenny sich an Zacs Schulter ab und fasste sich ans Herz. „Puh, da habt ihr mir aber einen Schrecken eingejagt. Aber gut, dass sie bei dir ist.“ Dann holte er aus seiner Jackentasche einen Schlüssel. „Gib ihr den bitte.“ Und ohne Zusammenhang wurde er wieder zum Regisseur. „Wir fangen in 2 Stunden an zu drehen.“

Als ich aufwachte, war ich allein, abgesehen von dem weichen Teddy in meinem Arm. Im ersten Moment wirkte das ganz normal auf mich, denn ich war schon lange nicht mehr mit jemand zusammen aufgewacht. Dann wurde mir klar, dass ich keinen Teddy hatte. Dann sah ich, dass ich auch gar nicht in meinem Wohnwagen war. Schließlich überschwemmte mich wieder die Panik, wie eine eiserne Welle die dich ersticken wollte. Alles, was gestern geschehen war, kam wieder hoch. Ich hatte keine Angst um mich. Aber wo war Zac? Hatte ich es doch geschafft, jetzt auch ihn in den Abgrund zu stoßen, obwohl ich doch versucht hatte, ihn hinter dem Zaun zu halten? Ohne Rücksicht auf Gegenstände in meiner Nähe sprang ich auf und versuchte, zur Tür zu hasten. Diese ging genau in dem Moment auf, als ich vor ihr stand. Überrascht und erschrocken verlor ich das Gleichgewicht und fiel direkt in Zacs Arme. Dieser schaffte es zwar, mich fest zu halten, fiel aber gleichzeitig auch nach hinten und landete, mit mir auf sich, auf dem harten, steinigen Boden. „Du bist wach.“ sagte er nach einigen Sekunden auf dem Boden. „Bin ich, ja.“ sagte ich leise und schaute ihm ins Gesicht. Mein Herz fing wieder an hektisch zu pochen, diesmal aber nicht wegen der Panik. Mein Atem ging unregelmäßig, als ich mich ein weiteres Mal in seinen Augen verlor. ‚Er könnte euch sehen!’ ermahnte ich mich irgendwann und stand auf. Zac tat es mir gleich und rieb sich an seinem Rücken. „Tut mir Leid.“ murmelte ich.“ „Macht doch nichts!“ lächelte er mich an und wir gingen zusammen zurück in seinen Wohnwagen. Ich setzte mich wieder auf das Bett und griff nach dem kleinen Teddy, den ich mir sofort wieder an die Brust drückte. Dann wurde ich skeptisch und schaute wieder auf den Bären. „Warum hast du einen Teddy-Bären?“ Ich schaffte es sogar ein bisschen dabei zu lachen. Zac zuckte mit den Schultern. „Mein Bruder hat ihn mir aus Spaß einmal geschenkt. Dann hat er gewettet, dass ich mich nicht trauen würde, ihn mit mir mit zu nehmen. Auf die Wette bin ich zwar nicht eingegangen, aber ich nehme ihn trotzdem überall hin mit, wenn ich irgendwo anders schlafe. Er ist mein Glücksbringer.“ Zac legte den Kopf schief. „Du kannst ihn haben, wenn du willst.“ Ich zog eine Augenbraue hoch. „Du willst mir deinen Glücksbringer schenken?“ „Du kannst ihn besser gebrauchen, als ich. Ich hab schon genug Glück.“ Irgendwie schaffte er es, dass sich meine Mundwinkel weiter nach oben zogen. Lächelnd drückte ich den Teddy noch fester an mich.

Wir drehten heute einige kleinere Szenen, wie die Szene, in der Gabriella Troy Vater kennen lernt, außerdem ‚What I’ve been looking for’ von mir und Zac. Ich weiß nicht, ob Kenny mit Absicht den Tag so vollgestopft hatte, aber es half mir, mich abzulenken. Am Set taten alle so, als ob der gestrige Tag nicht existiert hatte. Selbst Ashley, die sonst immer ziemlich neugierig war, stellte keine Fragen. Ob man ihr gesagt hatte, was losgewesen war, oder ob sie wusste, dass ich mit ihr reden würde, falls ich es wollte. Stattdessen erzählte sie mir, dass am Abend wieder eine kleine Party geplant war. Ich wusste nicht genau, ob es richtig war, hin zu gehen, denn für mich gab es nichts zum feiern, trotzdem sagte ich zu.

Ashley grinste mich freudig an, als sie mir die Tür zu ihrem Wohnwagen öffnete. Der Tänzer Jared war schon da, auch wenn ich nicht wirklich wusste, warum, alle anderen fehlten noch. Nachdem ich mich den restlichen Nachmittag über in meinem Wohnwagen hinter verschlossener Tür verkrochen hatte, schien der Abend noch eine schöne Abwechslung zu werden, trotzdem fühlte ich mich unwohl. „Was feiern wir überhaupt?“ fragte ich Ash, als sie mich Jared vorgestellt hatte. „Na den Dreh.“ „Ja, aber wir drehen doch schon eine ganze Weile lang.“ „Dann feiern wir eben, dass wir alle Gesund und munter sind!“ „Ja, aber wir sind doch auch schon von Anfang an gesund gewesen.“ Bevor sie den Mund wieder öffnen konnte, klopfte es an der Tür. Froh, über die Ablenkung, sprintete sie hin und ließ Corbin herein. Dieser ließ sich sofort breit auf die Couch fallen. „Ich brauch was zum Futtern!“ orderte er. Ash warf ihm grinsend ein Kissen zu. „Los, beiß rein.“ Kurz darauf kamen Monique und Lucas, nur Zac ließ noch auf sich warten. „Komm, wir gehen Popcorn fertig machen.“ meinte dann Ashley und hakte sich bei mir ein. Fast stolpernd versuchte ich, ihr zu Folgen ohne dabei die Einrichtung mit zu nehmen. Als wir in der Küche waren hüpfte sie aufgeregt hin und her und grinste mich breit an. Irgendwas musste sie doch beißen, dass sie immer gute Laune hatte. „Was ist?“ fragte ich und schob eine Packung Mikrowellenpopcorn in die Mikrowelle. „Ich hab da so etwas gehört...“ „Was?“ Ihr Grinsen wurde immer breiter, „Ashley, du machst mir fast ein bisschen Angst...“ Wem würde sie das nicht, wenn sie schon fast wie Kenny aussah? „Warst du heute Nacht bei Zac?“ Die Schüssel, die ich grade herausgeholt hatte, fiel mir fast aus den Händen. „Wer erzählt denn so etwas?“ fragte ich und versuchte, mir von meinem Schock nichts anmerken zu lassen. Aber Ashley schien man nicht so einfach hinter gehen zu können. „Ich hab da so meine Quellen...“ Ich starrte auf die Zeitanzeige. „Wer erzählt so einen Quatsch?“ Es konnte ja noch so sehr der Wahrheit entsprechen, aber Ashley interpretierte das ganz falsch. Und sie sollte es nicht wissen. Egal, was sie interpretierte. „Kenny.“ „Was?“ Schwungartig drehte ich mich um. „Also Ryne hat gesagt, dass Corbin gesagt hat, dass Chris gesagt hat, dass Alyson gehört hat, wie Cindy zu Oleysa gesagt hat, dass Kenny gesagt hat, du hättest die Nacht bei Zac verbracht.“ „Wer ist Cindy?“ Ashley zuckte mit den Schultern „Ich glaube, eine vom Catering.“ Die Mikrowelle piepte, als Zeichen, dass das Popcorn fertig war. „Also, ist das so?“ „Nein, ist es nicht.“ Ich griff in die Mikrowelle und zog die heiße Packung mit Popcorn heraus. Aber von dem Schmerz ließ ich mir nichts anmerken. Ich spürte ihren Blick von der Seite her. „Ach nein?“ „Nein!“ Ich griff nach der Schüssel und lief zurück zu den Anderen.

Wütend setzte ich mich direkt auf die Couch und schob mir eine Hand Popcorn in den Mund. „Na dann, können wir ja mit dem Film anfangen.“ Ashley kam immer noch als Sonnenschein aus der Küche. Zac setzte sich neben mich und ich war froh darüber. So hatte ich nur ihn neben mich und es gab weitaus schlimmeres. Ashley und Jared ließen sich auf dem Boden nieder, die Anderen quetschten sich zu uns auf die Couch. Immer noch wütend stopfte ich mir eine zweite Hand voller Popcorn in den Mund.

*„Schlampe!“*

„Wenn es dann alle bequem haben, können wir ja mit dem Film beginnen?“ „Was schauen wir?“ fragte Corbin, der eine Chipstüte auf dem Schoß hatte. „Peter Pan.“ Ashley strahlte übers ganze Gesicht, Corbins Augen weiterten sich. „Was?“ „Film ab!“ Schnell drückte Jared auf die Fernbedienung. Mir war es herzlich egal, welchen Film wir gucken. Hauptsache er würde anfangen. Die dritte Hand mit Popcorn landete in meinem Mund, während der Vorspann lief. „Darf ich auch etwas?“ fragte Zac leise und deutete auf die Schüssel in meinen Armen. „Klar, bedien dich.“ sagte ich mit vollem Mund und hielt ihm die Schüssel so hin, dass er besser dran kam. Anstatt auf dem Bildschirm einen Zeichentrick zu sehen, schienen wir uns die menschliche Verfilmung des Klassikers anzuschauen, mit Schauspielern wie Julia Roberts und Robin Williams. „Ich dachte, der Film heißt Hook.“ meinte Zac nach einer Weile, als ‚Tinkerbell’ „Du musst glauben!“ piepste. Ich zuckte mit den Schultern und stopfte mir die letzten Popcornstücke in den Mund. Jetzt hatte ich nichts mehr, um meine Wut abzulassen. „Sag mal, ist alles okay?“ Zac musterte mich aufmerksam. „Klar, alles super!“ Ich beugte mich zu Corbin hin und griff in die Chipstüte. „Hey!“ maulte er, Zac zog mich wieder zurück. „Irgendetwas stimmt doch nicht!“ „Kannst du nicht einfach auf den Bildschirm gucken?“ Er musterte mich weiter hin. „Bin ich so interessant?“ Von Ashley und Jared kam ein lautes „Pscht!“, aber Zac schien das nicht zu interessieren. „Um ehrlich zu sein, ja! Es interessiert mich zumindest, was mit dir los ist. Vanessa, was ist los?“ „Mir geht’s gut!“ „Ich rede nicht davon! Ich rede davon, dass irgendein verrückter Kerl auf das Baseballfeld gerannt kam, dich geschlagen hat und meinte, er wäre dein Vater. Ich rede davon, dass du mitten in der Nacht in meinen Wohnwagen gerannt kommst und zusammen brichst. Ich rede von dem Geheimnis, dass du mit Kenny hast. Ich rede davon, dass du sagst, dass du in Los Angeles wohnst, ich dich aber dort noch nie gesehen hab. Und dein Gesicht hätte ich nicht vergessen. Vanessa, was ist los, dass du so verdammt verletzlich und misstrauisch gegenüber allen Menschen bist?“ Im Wohnwagen war es still geworden. Selbst die verwunschenen Kinder, die „Los Peter, glaub daran!“ riefen, schienen leiser geworden zu sein. Für ein paar Sekunden blieb alles reglos sitzen, dann sprang ich auf.

Bevor auch nur irgendjemand etwas Weiteres sagen konnte, war Vanessa aus den Wohnwagen verschwunden. „Ich mach das.“ meinet Zac und lief hier hinter her.

Zwei Sekunden nach dem ich draußen war, hörte ich Zacs Schritte auf dem steinigen Boden. „Du läufst schon wieder davon! Du läufst IMMER davon!“ Es war wie ein Déjà-vu, wie ein grausiges Déjà-vu. Damals hatte ich mich gestellt. Und heute würde ich das auch tun. „Das stimmt nicht, das tue ich nicht!“ Meine Stimme überschlug sich. „Doch, das tust du. Du gehst, sobald du dich unwohl fühlst.“ „Jetzt hör mir mal gut zu!“ Ich stellte mich direkt vor ihm. „Ich bin in meinem ganzen Leben nur einmal davon gelaufen. Ich bin nicht davon gelaufen, als die Schläge härter wurden, ich bin nicht davon gelaufen, als sie davon gelaufen ist, bin nicht davongelaufen, als ich alleine. Ich bin erst gegangen, als es keinen anderen Ausweg mehr gab, ohne wie ER zu werden! Und es ist nicht richtig, dass man mir andauernd vorhält, dass ich mich verstecken würde. Das tue ich nicht! Ich tue nur das Richtige!“ Vielleicht war er davon überrascht, dass ich vor einer Antwort nicht davon gelaufen war. Oder, dass ich mich so nah an ihn rangestellt hatte. „Könnte es nicht richtig sein, auch mal etwas zu tun, das nicht richtig ist?“ „Da das nicht logisch klingt, denke ich, nein, das wäre nicht richtig.“ Ich wollte mich umdrehen und gehen, aber er hielt mich an der Hand fest. „Das einzig Richtige, was du tun kannst, ist auf dein Herz zu hören.“ „Mein Herz sagt mir, dass ich das Richtige tun soll!“ Er schüttelte den Kopf. „Tiefer.“ Auf einmal schienen seine Augen zu leuchten, genauso wie die Sterne, die über uns schienen. Ich konnte es nicht lassen, einmal nach oben zu schauen. Als mein Blick wieder seinen traf, griff er nach meiner zweiten Hand. Wir kamen uns etwas näher, doch kurz bevor sich unsere Lippen berühren konnte, zuckte ich zusammen und trat zurück. „Vanessa...“ „Ich bin nur Gift für dich.“ Ich schüttelte seine Hände ab und drehte mich um, um zu gehen. „Lauf gefälligst nicht davon!“ Ich stand schon an meinem Wohnwagen, als er mich wieder dazu brachte, mich umzudrehen. Langsam machte ich ein Paar Schritte zurück auf ihn zu. „Ich laufe nicht davon!“ „Dann tu gefälligst, was dein herz will.“ Meine Schritte wurden schneller, meine Stimme lauter. „Du willst, dass ich das mache, was mein Herz will?“
Ich stieß mit voller Wucht gegen ihn, so dass wir auf den harten Boden fielen, aber es war egal. Ich wusste, dass man uns sehen konnte, aber es war mir egal. Ich wusste, dass es nicht das Richtige war, aber es war mir egal.
Es war alles egal, denn wir küssten uns.

Kapitel 15: You belong with me... but I would kill you
Es war, als ob plötzlich die Welt stehen geblieben wäre. Der Wind, der nachts immer stärker und kälter wurde, berührte mich nicht, kein einziges Geräusch drang an meine Ohren. Die kleinen Steine, die sich eigentlich in meinen Rücken hätten bohren müssen, spürte ich genauso wenig, wie die sonst so konstante Angst, das Gefühl, überall vorsichtig sein zu müssen. Das Einzige, das ich spürte, und auch das Einzige, das sich auf dieser Welt noch zu Bewegen schien, waren seine Lippen auf meinen. Es gab nur 2 Sachen, die ich in diesem Moment wusste. Das Eine war, das ich mich im hier und jetzt bewegte. Das es nur uns beide gab und mich dieses Gefühl vollkommen einschloss, als ob man in einer warmen Badewanne säße. Das Andere war, das dies definitiv die schönsten Sekunden meines Lebens waren. Ich hatte, auch wenn mein Leben noch so schrecklich verlaufen war, schon einige schöne Momente gehabt, aber jedes Mal hatten sie diesen bitteren Nachgeschmack. Nie war die Angst vollkommen verflogen und auch wenn ich mich manchmal beschützt gefühlt hatte und dachte, ich hätte vergessen, wusste ich doch, dass es bis jetzt nie so war. Bis jetzt.

Ich spürte, wie Zac sich eine Hand freimachte und mir mit dieser über die Haare strich. Ich wusste, dass mir nichts anderes übrig blieb, als mich gleich von ihm zu lösen. Das war es, worauf er mit seiner Hand hinaus wollte. Sei es nur, um mir ein Lächeln zu schenken, mir etwas zu sagen, aber er würde sich von mir lösen. So wie man jeden glücklichen Moment immer wieder erzählte, um die Gefühle so oft wie möglich zu durchleben, wollte man auch die Momente so lange wie möglich behalten. Ich hatte keine Möglichkeit, hinter her allen hiervon zu erzählen. Für mich durfte nur das hier und jetzt zählen. Also musste ich das Ende hinauszögern. Und doch, als mir klar wurde, dass ich viel zu sehr nachdachte, gab ich seiner Hand nach und löste mich von seinen Lippen. Für einige Sekunden schauten wir uns nur an. Zac Augen schienen quasi zu leuchten, ob sich die Sterne in ihnen spiegelten, oder ob das ganz natürlich war, wusste ich nicht. Aber das musste ich auch nicht wissen. Vielleicht war es doch nicht so schlimm gewesen, den schönsten Moment meines Lebens zu stoppen. Wenn ich ihm danach immer in die Augen schauen konnte, war das okay. Und doch fühlte ich mich in diesem Moment plötzlich unwohl. Mein Rücken zeigte zum Himmel, zu der unendlichen Weite, und das machte mir Angst. Ich fühlte mich beobachtet und ein Kribbeln breitete sich in meinem Körper aus, das nichts mit dem vorherigen Kuss zutun hatte. Grade, als Zac den Mund öffnen wollte, um etwas zu sagen, sprang ich auf. Ich fasste mir an den Kopf und drehte mich von ihm weg, sah aber noch aus den Augenwinkeln, wie er sich aufrappelte. „Nessa? Du willst weglaufen, oder?“ Seine Stimme hatte sich verändert. Zum ersten Mal wirkte sie verzweifelt. „Ich... ja, also, nein...ich...“ Ich drehte mich zu ihm um und schaute ihm in die Augen. „Nein. Ich WILL nicht.“ Ich wusste nicht, wer von uns beiden sich bewegte, oder ob wir es beide taten, aber plötzlich standen wir wieder nah beieinander. Ganz langsam legte Zac mir beide Hände an die Wangen und zwang mich so, nicht von seinem Gesicht wegzuschauen. „Zac?“ Fast wie in Zeitlupe beugte er sich zu mir runter und erst, als sich unsere Lippen schon fast berührten, antwortete er: „Ja?“ Für mich blieb allerdings nicht die geringste Zeit, etwas zu erwidern. Ich schloss langsam die Augen und erwiderte Zacs Kuss. Plötzlich wirkte alles so surreal. Aber der Wind wehte. Vorsichtig drehte ich meinen Kopf von Zac weg. „Vielleicht sollten wir nicht direkt hier stehen, wo uns jeder sehen kann.“ Er ließ meine Wangen los und griff nach meiner Hand. „Wenn es nur daran scheitern soll.“

Schließlich standen wir in seinem Wohnwagen. Die Tür fiel leise zu und hinter ließ eine gnadenlose Stille. Es war vollkommen falsch. Und jetzt fühlte es sich auch wieder falsch an. Im Wagen war kein Licht an, dementsprechend konnte ich Zac nicht sehen, nur leise seine Schritte hören. Er bewegte sich auf mich zu. Es gab 2 Sachen, die ich hätte tun können. Die Erste wäre wegrennen, wie er es wahrscheinlich erwartete. Vielleicht wollte er es sogar, um mich hinter her wieder damit locken zu können. Die Zweite wäre, einfach hier zu bleiben, alle Ängste, alle Gedanken, von mir zu weisen und mich ihm, und somit auch meinem Herzen, hinzugeben. Seine erste Hand berührte Meine, wenige Sekunden darauf auch die Zweite. Ich richtete erst meinen Blick dahin, wo ich sein Herz vermutete, dann hob ich ihn langsam höher, wo seine Augen sein mussten. Er war so viel größer als ich, obwohl er für einen Mann doch klein war. „Wenn du gehen willst, dann geh jetzt. Denn jetzt kann ich noch damit leben.“ Seine Stimme zitterte leicht, aber wirkte nicht mehr ganz so verzweifelt, wie noch vorhin. Ich schluckte ganz kurz und drückte seine Hand fester. Eigentlich hatte ich mich auf die Zehenspitzen stellen und ihn dann küssen wollen. Da mein Körper aber nicht in der Lage war, sich zu bewegen, blieb ich starr stehen. Genauso wie Zac. Erwartete er eine Antwort? Irgendwann, nach mindestens einer halben Ewigkeit, ließ er auch den letzten Schritt Abstand zwischen uns stehen. Meine Hände wanderten von seinen Armen zu seinem Hals und ich verschränkte sie in seinem Nacken. Langsam schob ich sein Gesicht so näher an meines, bis wir uns fast berührten. Ganz vorsichtig wanderten seine Lippen über meine Wangen, bis sie schließlich meine Lippen fand. Und wir uns zum 3. Mal küssten.

Jedes andere Gefühl war zweitrangig. Es gab nur uns. Wer brauchte die Welt da draußen? In seinem Wohnwagen hatten wir unsere eigene Welt, abgeschieden von allem anderen, und gesichert. Ich fuhr ihm durch die Haare und machte vorsichtig einen Schritt nach hinten, er folgte mir. Der Zweite Schritt folgte, bis er mich sanft aufs Bett zu manövrierte, ohne unseren Kuss zu unterbrechen. Ich wollte mich schon auf das Bett niederlassen, als Zac mich festhielt und seinen Kopf von meinem weg schob. „Warte. Ich will nicht, dass du in einigen Minuten plötzlich aufspringst und irgendwelche seltsamen Dinge von dir gibst. Also überleg dir bitte jetzt, ob du gehen willst, oder nicht.“ „Das hast du grade auch schon gesagt. Und ich bin geblieben.“ Ich war überhaupt nicht in der Lage, momentan einen klaren Gedanken zu fassen, deshalb ließ ich mein Herz sprechen. Zac schaute mich eindringlich an. „Und ich frag dich trotzdem, oder grade deswegen, noch einmal: Willst du bleiben, oder gehen?“ „Willst DU, dass ich gehe?“ Vorwurfsvoll stemmte ich meine Hände an die Hüften. „Du weißt genau, dass ich dich hier haben will. Aber nur, wenn du das auch willst.“ Ich wollte ihn erneut küssen, aber er hielt mein Gesicht fest, auch wenn er mir zärtlich mit seinem Daumen über die Lippen strich. „Vanessa, sag mir jetzt BITTE, ob du bleiben willst.“ „Ich WILL bleiben.“ Er fuhr ein zweites Mal mit dem Daumen über meine Lippen. „Das hatte ich echt nicht erwartet.“ „Zac!“ Langsam fragte ich mich wirklich, ob er mich gar nicht da haben wollte. „Ich liebe dich.“ sagte er plötzlich leise. „Oh. Ich... ähm, das... ich.“ Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was ich darauf nur antworten könnte. Ich wusste, dass ich das Gleiche für ihn empfand. Aber jeder Mensch, den ich jemals geliebt hatte, hatte mich verlassen. Und das war immer meine Schuld gewesen. Urplötzlich konnte ich wieder richtig Denken und alle Zweifel ratterten in doppelter Geschwindigkeit durch mein Gehirn. „Du musst nichts sagen.“ kam es von Zac, der immer noch direkt vor mir stand, aber es hörte sich viel weiter entfernt an, dann küsste er mich wieder. Ganz sanft drückte er mich auf sein Bett und aber mein Körper gab nach, während mein Gehirn immer noch auf hoch touren arbeitete. Seine Decke war weich. In dem gleichen Bett hatte ich noch in der letzten Nacht geschlafen, als mein Körper vor Angst zu zerbersten gedroht hatte, und es war ein Fehler gewesen. Meine Hand streifte Zac sein T-Shirt vom Körper, mein Herz genoss seine Lippen an meinem Hals. Mein Gehirn schrie innerlich, klopfte hysterisch gegen meinen Kopf, so dass er anfing zu schmerzen. Jede meiner Bewegungen wurde schwerer, und genauso schwerer wurde es, seine Berührungen zu genießen. Grade als er meine Bluse öffnen wollte, wurde es unerträglich und ich sprang auf. Irgendwann hatte ich wohl angefangen, zu weinen, denn mein Gesicht war nass und weitere Tränen kamen aus meinen Augen. Ich konnte Zacs Blick nicht sehen, aber ich wusste, dass er traurig sein musste. „Ich... ich...“ Es kam nicht mehr als ein Wimmern aus mir. Zac blieb still. „Ich bin nur Gift. Ich bin die Bombe. Ich bin so schlecht für dich, ich bin gefährlich. Wann merkst du das endlich? Wann hörst du nicht auf, mit dem Feuer zu spielen? Warum muss ich die Erwachsene sein? Ich muss es mein ganzes Leben lang sein! Aber jetzt WILL ich es nicht! Jetzt will ICH jemanden haben, der mich beschützt, der mir keinen Kummer bereitet, und der selber auf Gefahren achtet! Verdammt noch mal, warum muss ich dir so oft sagen, dass es nicht richtig ist und du willst mir trotzdem mein Herz brechen?“
Ohne ihn zu Wort kommen zu lassen, stolperte ich aus dem Wohnwagen, kramte in meiner Hosentasche hektisch nach meinem Schlüssel und betrat endlich mein kleines Reich, welches ich ein einziges Mal als sicher empfand.

Zac fuhr sich durch die Haare und hob langsam sein T-Shirt vom Boden auf. Das laute Knallen der Tür schien noch einige Minuten lang in seinem Kopf nach zuhallen. Warum musste er sich ausgerechnet in die Frau verlieben, die so verletzlich war? In die, die so sehr davon überzeugt war, dass seine Liebe eine Gefahr für ihn selber war. Die, die sich für Gift hielt, die mehr als nur ein Geheimnis hatte.
Warum hatte er sich in die Person verlieben müssen, bei der er wusste, dass er niemals aufhören könnte, sie zu lieben.
Weil er sie jetzt schon als Teil seines eigenen Lebens sah.

Ich schloss die Tür hinter mir ab, wischte mir über das nasse Gesicht und ließ mich auf mein Bett fallen. Der kleine Bär, dem ich dringend einen Namen geben sollte, saß auf einem Kissen und schaute mich herzzerreißend mit seinen schwarzen Knopfaugen an. Ich drückte das kleine, weiche Etwas an meine Brust und weinte leise in den leicht nach Zac riechenden Stoff hinein. „Dann wären also nur noch wir beide übrig.“ flüsterte ich den Teddy in sein kleines Ohr und wünschte mir, dass es wirklich so wäre. Eine Welt, auf der es nur uns Beide gäbe. Es würde keine Probleme geben. Und auch wenn ich niemanden hätte, der mich liebte, würde ich damit leben können. Damit hatte ich bereits sehr lange gelebt. Ich drückte ihn noch fester an mich.
Dann ließ ich ruckartig los.
Den ganzen Tag über war mein Wohnwagen abgeschlossen gewesen.
Ich hatte den Schlüssel in meiner Hosentasche gehabt.
Ich hatte den Teddy nicht in meinen Wohnwagen gebracht.

Kapitel 16: Nobody said something about a love story... about our love story
Von der einen Sekunde zur Anderen war wieder das Gefühl da, beobachtet zu werden. Mir wurde gleichzeitig heiß und kalt, ich zitterte am ganzen Körper. Dann sprang ich auf und griff nach der Tür des Wohnwagens. Mit Schwung öffnete ich sie und hörte, wie sie gegen die Wand krachte. Der kalte Wind schlug mir gegen den Körper, als ich zu Zacs Wohnwagen rannte. Laut warf ich mich gegen seine Tür. „Zac!“ schrie ich. Es war mir egal, dass mich jeder hören konnte. Ich wollte jetzt nur noch bei ihm sein, denn das war der einzige Ort, an dem ich mich sicher fühlen konnte. „Zac, mach auf! Bitte!“ flehte ich. Aus dem Wohnwagen kam kein Geräusch. „Zac, es tut mir Leid. Okay? Es tut mir ehrlich Leid!“ Immer noch kein Geräusch. „Zac?“ fragte ich leise und klopfte noch einmal gegen die Tür. „Ich hab dir gesagt, dass du gehen kannst. Du bist nicht gegangen. Ich hab dich gefragt, ob du bleiben willst. Du bist nicht gegangen. Erst in dem Moment, in dem du mich verletzten konntest, hast du es getan. Wenn ich dich jetzt reinlassen würde, würdest du doch nur wieder gehen. Und zwar dann, wenn es am meisten weh tut.“ Ich starrte auf die Tür. Nichts bewegte sich, aber Zacs Stimme hallte wie Tausend Stück in meinem Kopf nach. „Aber... ich...Zac!“ Ich klopfte noch einmal gegen die Tür. „Bitte, ich bin nicht da, um... na ja, ich weiß nicht genau, wofür ich nicht da bin.“ „Das wird ja immer besser.“ Ich hörte, wie er zur Tür ging. „Ich bin hier, um zu reden. Bitte, lass mich rein.“ „Weißt du was? Ich glaub nicht, dass du reden willst. Und selbst wenn du es wirklich wollen würdest – Du würdest eh nur wieder abhauen und irgendwelche komischen Sachen sagen.“ Ich legte eine Hand auf die Tür. Und hoffte, dass seine vielleicht auch dort liegen würde. „Hast du mir den Teddy in meinen Wohnwagen gebracht?“ Er lachte. „Es fängt ja schon an, bevor du überhaupt drinnen bist.“ In meinem Körper kribbelte es, als ob jemand hinter mir stehen würde. „Hast du ihn mir gebracht?“ „Nein, warum sollte ich das auch tun? Du hast ihn dir doch geholt. Am Nachmittag war er zumindest nicht mehr bei mir.“ „Genau das ist es ja. ICH hab den Teddy nicht geholt. Das heißt, jemand ist in meinen Wohnwagen eingebrochen und hat mir den Teddy auf mein Bett gelegt.“ Die Tür ging auf. Ich dachte, er würde mich jetzt reinlassen, dass ich endlich in Sicherheit wäre. „Verstehe.“ sagte Zac. Ich ging auf ihn zu und schaute in seine Augen. Dann wollte ich an ihm vorbei in den Wohnwagen gehen, aber er ließ mich nicht durch. „Verstehe!“, wiederholte er, „Ich bin also gut genug dafür, um sich bei mir zu verstecken, wenn man wieder Panikattacken bekommt. Aber um einfach bei mir zu bleiben, bin ich nicht gut genug. Vanessa, ich bin NICHT dein Bodyguard. Du kannst mich nicht einfach verletzen, und dann wieder kommen, wenn du Angst hast.“ Er schob mich von sich weg und zog die Tür wieder zu. Vor meiner Nase. „Zac, bitte!“ Ich spürte, wie ich einen Knoten im Hals bekam. „Geh zu Ashley, oder meinetwegen zu Kenny. Aber nicht zu mir.“ „Zac!“ wimmerte ich. Keine Antwort kam. Er wollte mich tatsächlich alleine lassen. Als mir klar wurde, dass er weder noch etwas sagen, noch mich reinlassen würde, ging ich langsam die Stufen hinunter. Ich konnte jetzt 2 Sachen tun. 1. zu Kenny gehen und mich somit in Sicherheit wägen. Oder hier bleiben, wo ich mich quasi dem Löwen zum Fraß vorwarf. Langsam setzte ich mich auf den Boden und lehnte mich an der Treppe an. Ich wusste, dass es falsch war, hier zu bleiben und mich somit in Gefahr zu bringen. Aber mein Leben war mir momentan weniger wert, als mich mit Zac zu vertragen. Ich tat das, was mein Herz mir sagte. Mit dem Ärmel meines Oberteils strich ich mir über die Augen, aber das konnte die Tränen nicht daran hindern, zu fließen. „Ich liebe dich, Zac.“ flüsterte ich leise in den Wind.
Und noch immer an der Treppe gelehnt, schlief ich über meine Tränen ein.
Draußen.

Zac brachte in dieser Nacht kaum ein Auge zu. Es war bestimmt nicht richtig gewesen, Vanessa nicht rein zulassen. Wenn ihr jetzt etwas passieren würde, wäre es seine Schuld. Andererseits konnte sie ja auch zu jemand anderen gehen. Aber nein, sie kam immer zu ihm. War er wirklich nur gut genug dafür, um sie zu beschützen? Er selber wurde das mit einem Nein beantworten. Vielleicht war er nicht der Richtige für sie. Vielleicht war er nicht gut genug, um mit ihr zusammen zu sein. Aber er war auch nicht gut genug, um sie zu beschützen. Er hatte sie draußen stehen lassen. Dabei wusste er, dass dieser Irre noch in der Nähe war. Oft war er aufgestanden und bis zur Tür gelaufen. Aber bevor er nach draußen gehen konnte, hatte er sich doch immer wieder um entschieden und sich zurück auf sein Bett gelegt.
Schließlich wurde es draußen hell. Mit schweren Beinen stand er auf. Ausgerechnet heute musste er zusammen mit Vanessa die Aufnahmen zu „The Start of Something New“ machen. Dabei wären ihre Sprachlosen Dialoge heute viel besser gewesen. Er wusste nicht, wie er ihr heute verliebte Blicke zuwerfen konnte. Klar, er WAR verliebt. Aber sie nicht in ihn. Und das verletzte ihn. Sie legte es darauf an, ihm wehzutun. Und so konnte das nicht weiter gehen. Müde strich Zac sich über sein Gesicht und zog sich dann sein Oberteil aus. Jetzt musste er erst einmal joggen gehen, sich hinterher eine riesige Tasse voller schwarzen Kaffee und eine heiße Dusche gönnen. Vielleicht würde er dann nicht mehr so müde sein.
Als er die Tür nach draußen öffnete, wäre er fast über einen Arm gestolpert. Vanessa lag neben seiner Treppe. Im ersten Moment hatte er Angst, dass sie verletzt sei, wenn nicht sogar tot. Dass dieser Irre sie neben seine Stufen gelegt hatte, um ihm zu zeigen, dass er sie hätte einlassen sollen. Dann wurde ihm aber klar, dass sie sehr wohl atmete und nur schlief. Sie hatte die Nacht draußen verbracht. Neben seiner Treppe. Obwohl sie gedacht hatte, dass jemand in ihren Wohnwagen eingebrochen war. Obwohl dieser Irre draußen rumstromerte. Das alles hatte sie für ihn getan. Und war nicht fort gegangen.
Vorsichtig hob er sie hoch und brachte sie in seinen Wohnwagen.

Als ich aufwachte, fühlte ich mich komischerweise sicher und geborgen. Ich öffnete nicht die Augen, fühlte aber, wie eine warme, weiche Decke über meinen Körper lag, außerdem wusste ich, dass ich nicht mehr draußen war. Dann hörte ich das Geräusch einer Tür, die geöffnet wurde, wie jemand durch einen Wohnwagen ging und schließlich, wie die Dusche anging. Ich hatte Angst, dass, wenn ich die Augen öffnen würde, das sichere Gefühl verschwinden könnte. Deshalb lauschte ich nur auf das herabrieselnde Wasser. Irgendwann wurde dieses aber aus gestellt. Und ich wusste, dass ich nicht länger warten konnte, um zu erfahren, wo ich war. Langsam öffnete ich die Augen. Es sah aus, wie ein ganz normaler Wohnwagen, wem er gehören konnte, gab sich erst einmal nicht zu erkennen. Bis die Tür vom Badezimmer aufging und Zac heraus kam – nur mit einem Handtuch um die Hüften bekleidet.

Er schien wohl noch etwas holen zu wollen, blieb dann aber stehen, als er mich sah. „Hey.“ sagte er leise. „Hey.“ erwidert ich ebenso leise. „Du hast draußen geschlafen.“ „Das hab ich, ja.“ „Warum?“ Zac setzte sich zu mir aufs Bett. Auf seiner Haut glänzten noch ein paar Tropfen. „Weil ich mich wieder vertragen will.“ „Warum solltest du dich vertragen wollen? Du verletzt mich! Mit allem, was du bis jetzt zu mir gesagt hast, hast du mich verletzt!“ Ich drehte meinen Kopf zu ihm. „Zac, ich liebe dich.“ Ich hatte gedacht, dass er mir darauf eine Reaktion zeigen würde. Dem war aber nicht so. Er starrte geradeaus, auf die Wohnwagentür, und sagte nicht ein einziges Wort. „Und deshalb will ich nicht, dass man dir weh tut.“ sprach ich weiter. Er schnaubte laut auf. „DAS gelingt dir ja ECHT gut!“ „Du verstehst es nicht, oder?“ Jetzt drehte er sich zu mir um. „Ich weiß nicht, was es zu verstehen gibt! Ich WÜRDE doch so gerne verstehen, was du mir mit deiner Bombe und dem Gift sagen willst, ich WILL doch nachvollziehen, warum du so komisch handelst! Ich WILL wissen, wer dieser Kerl war, der dich geschlagen hat. Aber das alles KANN ich nicht wissen und ich kann es auch nicht verstehen, weil du mir nicht die Chance gibst, es zu verstehen.“ „Ich will dich doch nur schützen! Und mich irgendwie auch. Und das beides geht nur, wenn ich mich von dir fernhalte!“ Er griff nach meiner Schulter. „Ich glaub dir aber nicht, dass du gefährlich bist! Und wenn du es wärst – das wäre mir egal! Ich will nur mit dir zusammen sein!“ „Aber das geht nicht.“ Mir stiegen wieder Tränen in die Augen. „Warum warst du dann da? Warum hast du vor meiner Tür geschlafen? Warum WILLST du dich vertragen, wenn du es doch eigentlich gar nicht WILLST?“ Ich sprang auf „Weil ich vergessen hab, uns zu schützen. Weil du mir so verdammt wichtig bist und ich mich nicht streiten will. Dabei ist streiten gut. Das bedeutet nämlich, dass du dich von mir fern hältst! Und das wäre richtig, aber das will ich nicht und jetzt ist eh alles falsch, egal was ich mache. Und ich... Scheiße, Zac, ich... ich muss gehen.“ Bevor ich aber auch nur einen Schritt Richtung Tür machen konnte, war Zac aufgestanden und umarmte mich. Er strich mir über die Haare und küsste mich auf diese. „Weißt du, das ganze klingt, wie in einem schlechten Liebesfilm. Können wir nicht einfach vorspulen? Bis zum Happy End?“ „Wer sagt, dass es ein Happy End gibt? Oder, dass es ein Liebesfilm ist? Das glaub ich nämlich eher nicht.“ Ich schaute hoch in seine Augen. „Liebe kann nicht immer richtig sein.“ murmelte ich dann. „Das stimmt. Aber in unserem Falle ist sie es.“ Ich schüttelte den Kopf. „Warum sollte es nicht richtig sein?“ Zac schaute mich fragend an. „Warum erzählst du mir nicht einfach, was mit dir los ist?“ „Das kann ich nicht.“ flüsterte ich und schlang meine Arme um seinen Körper.

„Du weißt aber, dass du es mir irgendwann erzählen musst, oder?“ „Früher oder später schon, ja. Aber das verschieben wir auf später.“ „Wenn du es mir jetzt sagst, kann ich vielleicht dein Verhalten nachvoll ziehen. Und dann könnte alles besser werden.“ Vanessa schüttelte den Kopf. „Ich muss jetzt gehen.“ Vorsichtig küsste sie Zac auf die Wange. Widerwillig ließ er sie los und schaute ihr hinter her, wie sie aus seinem Wohnwagen ging. „Hey, Vanessa!“ rief er ihr noch einmal hinter her. Sie drehte sich um. „Ich weiß, ich muss das alles langsam angehen. Hast du Lust, heute Abend mit mir Essen zu gehen?“ Sie schaute ihn lange an. Dann lächelte sie sanft. „Nichts würde ich lieber tun.“

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Oh - mein - Gott.... Aaaaah

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Oh - mein - Gott....
Aaaaah *kreisch*...
Ich habe Angst!

Der Anfang ist total hammer , aber ich
bin noch so baff ...
*nix sagen kann*

Es ist...es...ach gott!
Ich liebe diese Geschichte jetzt schon <3

Mach Schnell Weiter :)
Lieb dich ganz doll x3

♥... Sam, Levi, Jude, Terry, Clödi, Paule, Sissi, Nömi, Sandi, Alex, Ann-Ca, Janet, Nami - headL ...♥

♥ Hanswurst 4-ever .. yeeaaah xD

** ~ ** ~ ** ~ ** ~ ** ~ ** ~ **

Chuck: Ooh, I love it when you talk dirty, Blair! :D

hey maaaaaan das klingt ja

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hey
maaaaaan das klingt ja hammerspannend!!!!
freu mich schon voll auf den ersten part!!!!
nach dem prolog zu urteilen kann der dann ja
nur super werden!!!!!!!!!!!!!!!!! =)))

Never without music!!! xDD

Werder 4-ever!! - Lebenslang grün-weiß!!! xD
Arsenal FC - Gotta see the Arsenal playin' some hot stuff!! :
http://www.youtube.com/watch?v=hSNqa_Frh-c&feature=PlayList&p=F828751017...

Boahh echt gailoo!! Hehe

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Boahh echt gailoo!! Hehe Bussi Baba

Zashleey ♥♥♥

echt der wahnsinn *-* deine

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echt der wahnsinn *-*
deine story ist jetzt schon voll suppi suppi ..
&' die idee, voll krass...
bitte bitte mach schnell weiter :-*

grüsse.<3

einfach geilöö... ich bin

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einfach geilöö...
ich bin einfach baff...

Meine erste Story , ich würde mich freuen wenn ihr sie liest.. =) HEL :-*
♥♥EINE MUSIK - UND TANZSCHULE , DIE ALLES VERÄNDERT♥♥
http://www.highschoolmusic.de/hsm2/node/19402/

Der Anfang ist super

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Der Anfang ist super !!!
Mach schnell weiter....=) glg ♥

Oh Gott, oh Gott!! Was ist

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Oh Gott, oh Gott!!
Was ist denn passiert??
OMG!!
Einfach nur genial!!
Unglaublich!!!
Schreib so schnell wie möglich weiter!!!
OMG!!!

lg♥

ι ℓσνє αѕнℓєу тιѕ∂αℓє
Not a million fights could make me hate you,
your invincible, yeah, it's true...

uiiiiiiiiih... ich zitter

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uiiiiiiiiih...
ich zitter noch voll...xD
ne scherziiiii aber der anfang is wirklich voll gut gelungen: =)
mach gaaaaaaanz schnell weiter!!

HSM-eväääää!!

ehm ich bin hier noch en bisslunbeholfen aber ich hoff ihr könnt mir helfen!!=) öhm, ach ja ich bin in icq un in partyfans, also wer meine nummer oder mein username ham möchte,der fragt einfach!!

Haut rein^^
lieb eusch!!
eure krissi

Wooooooooooow Bin totaaal

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Wooooooooooow
Bin totaaal begeistert!!!!
Ich hoff ud machst schnell weiter!!!

Zanessa 4 evaaaaaaaaaaaaaa!!!!!!!!!!!

Don´t leave me in all this pain
Don´t leave me out in the rain
Come back and bring back my smile

Kapitel 1

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So, hier ist das 1. Kapitel! Danke für die Kommentare =)

Meine Huhnis, mein Sahneschnittchen... ich liebe euch über alles!

Drew is like my security blanket ♥

♥Dreamwriters♥

BARBECUE – Amy, we’ll get you, wherever you are! And don’t try to hide behind the Uhu. No Grace!

 

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